Wenn die Beine zittern

Von der Faschingsdekoration am Rednerpult ließ sich der Neurologe Dr. Franz Rechl nicht ablenken. Er informierte auf unterhaltsame Art über das Restless-Legs-Syndrom. Bild: Bühner

Volkskrankheiten sind heutzutage in aller Regel gut erforscht. Wenig weiß man allerdings bisher von der Ursachen für das Restless-Legs-Syndrom (RLS), auch "ruhelose Beine" genannt. Weil aber sehr viele davon betroffen sind, haben sich Selbsthilfegruppen gebildet.

(sbü) "An dieser Krankheit werden Sie nicht sterben", beruhigte der Weidener Neurologe Dr. Franz Rechl die Zuhörer im Maria-Seltmann-Haus. "Aber Ihre Lebensqualität kann sehr darunter leiden." Das Interesse am Vortrag über das Restless-Legs-Syndrom war groß. Alle Plätze waren besetzt. Auf die Frage, wer von der Krankheit betroffen sei, hoben fast alle die Hand.

"Drei bis fünf Prozent der Gesamtbevölkerung leiden unter RLS, bei den über 65-Jährigen sind es sogar zehn Prozent", berichtete der Neurologe. Allerdings sei nur rund ein Viertel aller Betroffenen behandlungsbedürftig, die anderen würden mit Hausmitteln wie Franzbranntwein oder Fußbäder Abhilfe schaffen. Ein wissenschaftlicher Nachweis sei im Regelfall nicht möglich. Nur über Symptome, auch im Schlaflabor, könne die Krankheit diagnostiziert werden. Die Krankheit tritt vor allem abends und in der Einschlafphase durch Ziehen, Reißen, Kribbeln und Jucken in den Beinen auf.

"Man geht davon aus, dass RLS zu 70 Prozent erblich bedingt ist." Ursächlich für die Krankheit seien Störungen im Stammhirn, ein Dopamin-Mangel ähnlich wie bei der Parkinson-Krankheit. "Die Steuerung der Muskelspannung funktioniert nicht", erläuterte Dr. Rechl. Doch mit Parkinson hätte RLS nichts zu tun.

Dopaminpräpate seien "die Probe aufs Exempel". Wenn diese die Beschwerden lindern, könne auch der Nachweis für das Vorliegen des RLS geführt werden. Diabetische Polyneuropathie, Spinalkanalstenose und Nebenwirkungen von Narkose oder Psychopharmaka könnten RLS-Leiden verstärken. Auch Alkohol sei negativ zu bewerten. Wenn er zum richtigen Zeitpunkt als Schlafmittel wirke, müsse er aber akzeptiert werden. "Und Stress verschlechtert alle Krankheiten", stellte Dr. Rechl fest.

"Wärme verstärkt, Kälte lindert." Hilfreiche Medikamente seien auch manchmal Antiepileptika. Da der Endorphin-Stoffwechsel gestört sein könne, kämen eventuell auch Morphium-ähnliche Medikamente in Betracht. Für die RLS-Selbsthilfe-Gruppe Weiden war Linda Dobmeier gekommen. Sie empfahl: "Suchen Sie sich einen kompetenten Facharzt. Ich bin Dr. Rechl dankbar, weil jetzt meine Lebensqualität besser wurde".
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