Wenn die Blase schwächelt

Für viele sind Inkontinenz und Beckenbodenschwäche Tabuthemen. Privatdozent Dr. med. Dr. phil Thomas Bscheipfer (Mitte) will bei Patienten Hemmschwellen abbauen und Ängste nehmen. Für das Klinikum Weiden stellten Prokurist Martin Neuhaus (links) und Rita Stadler, zuständig für Öffentlichkeitsarbeit, den Referenten vor. Bild: Bühner

Fünf bis sieben Millionen Menschen leiden in Deutschland unter Blasenschwäche. Und die Dunkelziffer ist hoch, weil es für viele ein Tabuthema ist. Doch die Urologie entwickelt sich weiter, bietet den Betroffenen vielerlei Hilfen an.

(sbü) Beruhigendes war zu hören. "80 bis 90 Prozent der Patienten mit Blasenschwäche können wir zumindest eine Besserung versprechen", sagte Privatdozent Dr. med. Dr. phil. Thomas Bschleipfer in seinem Vortrag "Urologie im Wandel der Zeit: Innovationen in der Therapie von Inkontinenz und Beckenbodenschwäche". Zahlreiche Besucher waren zum dritten Abend der Vortragsreihe "Medizin damals und heute" in das Besuchercafé am Klinikum gekommen. Und erneut verlor der eine oder andere ein wenig Angst vor der eigenen Krankheit, weil er von neuen Behandlungsmöglichkeiten erfuhr.

Beruhigend waren zudem Aussagen wie "Wasserlassen ist etwas extrem Menschliches". Vor der richtigen Therapie stehe aber vor allem die richtige Diagnose, erläuterte Urologe Bschleipfer. Und eine Blasenschwäche könne in vielerlei Formen auftreten. Eine sei zum Beispiel die "Dranginkontinenz". Tumore, Entzündungen, Blasensteine oder auch psychische Belastungen könnten zu einer überaktiven Blase führen. Ein anderes Beispiel sei die "Überlaufinkontinenz durch eine Fistelbildung neben der Harnröhre".

Frauen stärker betroffen

Blasenleiden seien bei Frauen etwas stärker verbreitet als bei Männern, erklärte der Urologe. Das liege vor allem an den Unterschieden im anatomischen Aufbau des Unterleibs. Vor allem im Alter "leiden viele Bänder, und deren Schäden können zur Inkontinenz führen". Problem vieler Frauen sei auch "das Hohlorgan Scheide - dadurch können Beckenorgane nach unten rutschen". Therapien seien unbedingt angezeigt "wenn der Muttermund aus dem Körper herausschaut". Eine Geburt sei für die Frau "ein maximales Trauma für den Beckenboden".

Bei Männern könne eine vergrößerte Prostata ursächlich für Harndruck und Inkontinenz sein. Insgesamt schilderte der Experte die Blase als ein Organ mit zwei entgegengesetzten Funktionen. Einerseits sei sie "Füllgefäß", andererseits ein "muskuläres Austreibungsorgan".

Das "Wasserlassen" habe den Menschen schon seit der Antike beschäftigt. Dr. Bschleipfer zeigte dazu Beispiele auf Papyrusrollen, und auch Leonardo da Vinci und Albrecht Dürer hätten sich darüber Gedanken gemacht. Um heutzutage eine richtige Diagnose stellen zu können, seien "Anamnese, Fragebogenanalyse und ein Miktions-Trink-Protokoll" erforderlich. Weitere Methoden seien vaginale Untersuchungen mit schmerzfreiem Ultraschall, PSA-Wertfeststellung, Trockenchemie und die Harnröhren- und Blasenspiegelung. "Männer brauchen keine Angst zu haben, denn die High-Tech-Medizin verfügt über flexible Untersuchungsgeräte".

Vielfältige Therapieformen

Das Urodynamik-Team am Klinikum erledige die Untersuchungen sehr professionell, auch durch Katheder in Enddarm und Blase oder dem dynamischen MAT, der radiologischen Kernspinuntersuchung. Bschleipfer zeigte zahlreiche Behandlungsmethoden auf, so Elektrostimulation und Bio-Feedbacktraining. Die Spritzentherapie der Harnblase könne für mindestens sechs Monate Linderung bringen. Daneben gebe es eine große Menge an Tabletten und schließlich zahlreiche operative Methoden.
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