"Wenn schon, dann richtig"

Texte in ganz besonderem Licht: Der Poetry Slam in der Tiefgarage des City-Centers ist mittlerweile fester Bestandteil der Literaturtage. Am Samstag, 25. April, beschließt der Wettstreit der jungen Dichter die aktuelle Reihe - und ist damit die letzte Literaturtage-Veranstaltung für zwei Jahre. Bild: Wilck

Günter Grass ist tot. Mit ihm begann 2008 eine neue Ära für die Weidener Literaturtage. Und die kämpfen jetzt ums Überleben. Finanziell. Kurz vor Beginn der Literaturtage 2015 zeigt sich Hauptorganisatorin Sabine Guhl jedoch optimistisch.

Eigentlich ein Jubiläum. Im Jahr 1985 hat der damalige Weidener Kulturamtsleiter Bernhard M. Baron die Veranstaltungsreihe erfunden und weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt gemacht. Mit neuem Konzept führt das Organisationsteam um Bibliothekschefin Guhl sie seit 2008 fort. Die Literaturtage 2015 starten offiziell am Samstag. Das Budget ist knapper denn je, ein nur mehr zweijähriger Turnus beschlossene Sache. Mit Sabine Guhl sprach Redakteur Ralph Gammanick.

Bei den Literaturtagen 2008 spielte Günter Grass eine große Rolle: mit einer Ausstellung seiner Zeichnungen, Drucke und Plastiken. Hatten Sie damals auch persönlichen Kontakt?

Sabine Guhl: Nein, nicht direkt mit ihm, sondern mit seiner Tochter Laura, die die Kunstwerke ihres Vaters vermarktet. Wir waren damals bei ihr in Kassel, um die Bilder abzuholen. Dabei haben wir bemerkt, dass sie ein eher distanziertes Verhältnis zum Vater hat - Laura ist ja eines der ersten vier Kinder von Günter Grass. Damals standen gerade die Feierlichkeiten zu seinem 80. Geburtstag an. Sie blieb ihnen fern

War Grass ein Wunschkandidat für die Weidener Literaturtage?

Guhl: Natürlich, immer! Wir haben es immer wieder probiert, ihn nach Weiden zu holen. Aber er gab immer weniger Lesungen, und fast gar keine mehr in Städten von der Größe Weidens.

Die Eröffnung einer Ausstellung bildete seit 2008 stets den Auftakt zu den Literaturtagen. Wie schwer fiel die Entscheidung, hier den Rotstift anzusetzen?

Guhl: Bereits im letzten Jahr haben wir auf eine Ausstellung verzichtet. Das war natürlich schon immer was Schönes und hat im Fall von Grass oder auch Armin Müller-Stahl wunderbar gepasst. Andererseits sind Ausstellungen auch ein teures Unterfangen, vor allem, wenn nichts verkauft werden kann. 2015 präsentieren wir zur Eröffnung einmal etwas ganz anderes, Neues, keine Lesung, eher einen Themenabend mit toller Musik. Was könnte da besser passen als die Liebe? Und weil wir dafür einen Raum mit Bühne brauchen, beginnen wir heuer in der Aula der Realschulen: Margrit Sartorius und Siemen Rühaak, die 2009 mit dem Hermann-Hesse-Abend begeisterten, präsentieren am Samstag ihre "Liebes(T)Räume".

Offizielle Ansprachen entfallen?

Guhl: Offizielle Ansprachen waren nie der Hauptbestand der Eröffnung. OB Seggewiß wird sprechen, und ich werde auch was sagen. Aber nur kurz. Die Literatur soll im Vordergrund stehen.

Mit welchem Etat müssen Sie heuer unterm Strich auskommen?

Guhl: Mit der Hälfte. Also 10 000 statt 20 000 Euro. Für uns Organisatoren ist es essenziell, das Niveau zu halten. Wichtiger als ein Klein-Klein-Rhythmus ist mir, dass diese Veranstaltungsreihe eine positive Ausstrahlung hat und die Besucher in ihren Bann zieht. Deshalb haben wir am Anfang zwei Tage und am Schluss einen Tag gekürzt. Uns ist wichtig: Lieber alle zwei Jahre ein richtiges Festival feiern als jedes Jahr ein Sparprogramm auflegen. Wenn schon, dann richtig.

Nicht sparen wollten Sie an den Schullesungen - obwohl die kein Geld bringen.

Guhl: Nein, Schullesungen halten wir für besonders wichtig im Sinne der Leseförderung. Es ist auch der Wille der Politik, sie beizubehalten. Sie finden im gewohnten Ausmaß statt, nichts wurde reduziert. Es ist ja auch etwas ganz Besonderes für die Kinder, einen Schriftsteller aus Fleisch und Blut kennenzulernen. Sie machen sich Gedanken über den Menschen, der hinter einer Geschichte steckt. Bei den Literaturtagen sitzt er dann vor ihnen - vielleicht in Jeans, ein Mensch wie du und ich.

Aber auch die wichtigen Schullesungen pausieren 2016 - mit den gesamten Literaturtagen. Im Falle der Bayerisch-Böhmischen Kulturtage hieß es, die Organisation nur alle zwei Jahre wäre immens schwierig. Beispielsweise würden Kontakte einschlafen.

Guhl: Für die Literaturtage erkenne ich da kein Problem. Wir arbeiten von Festival zu Festival, beginnen mit der Organisation ein halbes bis ein Jahr vorher. Eine Wunschliste kann ich auch über zwei Jahre ziehen. Ich treffe mich ja ohnehin nicht jede Woche mit Autoren zum Kaffeetrinken.

Es steht also nicht zu befürchten, dass die Literaturtage 2015 die letzten sind?

Guhl: Das entscheidet letztendlich die Politik. Aber momentan spricht niemand davon.

Worauf freuen Sie sich in der kommenden Woche besonders?

Guhl: Henning Venskes Gastspiel am Sonntag im Neue-Welt-Kino. Ich liebe politisches Kabarett. Werner Schneyder hätte ich im vergangenen Jahr noch fünf Stunden länger zuhören können.

Gedenken Sie Günter Grass in irgendeiner Form?

Guhl: Das werden wir im Organisationsteam besprechen. Einen Extra-Tag einzubauen, ist aber wohl nicht möglich.
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