Wer hilft aus dem Hamsterrad?

Die Profis der Caritas-Beratungsstelle suchen ehrenamtliche Helfer. Zur Therapie gehören nämlich immer auch alltagspraktische Unterstützung und freizeitpädagogische Aktivitäten. Interesse? Am Freitag, 16 Uhr, ist ein Treffen anberaumt. Bild: sbü

Die biologische Anlage des Menschen verändert sich nur langsam. Gesellschaft und Technologie dagegen rasend schnell. Die Folge: Burnout. Stress. Körper und Psyche treten in Streik. Aus dem Hamsterrad kommen Betroffene nur mit Unterstützung heraus. Die Caritas-Beratungsstelle sucht dazu ehrenamtliche Helfer.

Entsetzen verbreitet sich, wenn jemand seinem Leben ein Ende gesetzt hat. Hätte man das nicht verhindern können? Und wenn es sich auch noch um bekannte Personen wie Robert Enke handelt, sind wochenlange Schlagzeilen sicher. Keine Statistik gibt es darüber, wie viele Suizide verhindert werden konnten. Die helfenden Einrichtungen arbeiten vertraulich und im Stillen. Die Caritas-Beratungsstelle für seelische Gesundheit in Weiden und in Tirschenreuth gehört dazu. Und wenn sie an die Öffentlichkeit tritt, weil dringend ehrenamtliche Kräfte benötigt werden, hat dies viel Aufmerksamkeit verdient.

Wer denkt, dass es sich um besondere Einzelfälle handelt, die sich an die Caritas wenden, liegt absolut falsch. Seit 2012 werden jährlich mehr als 1000 Menschen in Einzelgesprächen betreut, dazu noch einmal 400 in Gruppenberatung. Innerhalb von 12 Jahren hat sich die Zahl verdreifacht. Dr. Stefan Gerhardinger, psychologischer Psychotherapeut und Leiter: "Wir haben Wartezeiten bei niedergelassenen Psychotherapeuten von einem halben Jahr. Menschen brauchen aber fast immer rasche Hilfe." So müsse vor allem viel "Erstversorgung" geleistet werden, um das Schlimmste zu verhindern und eine kontinuierliche Betreuung beginnen zu können.

Manche bräuchten Hilfe über viele Jahre hinweg, bei anderen seien die Berater eher "Case-Manager". Die Problemlagen würden immer komplexer. "Genetisch erklärt sich eine psychische Krankheit nur zum Teil." Oft seien Hausbesuche notwendig, weil die gesamte Umgebung des Hilfesuchenden einbezogen werden müsse. Manchmal könne schon eine Online-Beratung helfen.

Dr. Gerhardinger leitet ein Team mit 3,5 Verwaltungskräften und 6 Fachberatern: Psychologen, Sozialpädagogen und Pädagogen sowie ein beratender Arzt gehören dazu. Die professionelle Hilfe müsse aber zwingend ergänzt werden durch alltagspraktische Unterstützung und durch freizeitpädagogische Aktivitäten. Dazu zählen die Themen kreatives Gestalten, Musik, Kultur, Ausflüge, Küche und Haushalt, "Gesund und aktiv". Und genau dafür braucht Dr. Gehardinger ehrenamtliche Helfer. Interessierte sind am Freitag, 14. November, 16 Uhr, zu einem Informationsnachmittag in die Caritas-Beratungsstelle, Bismarckstr. 21 (Nähe Klinikum), eingeladen.
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