Wespen-, Bienen und Hornissenstiche sorgen für mehr Einsätze - Weidener stirbt an Allergie
Tödlicher Stich in Schlagader

Auch Kopfstände helfen nicht: Hornissen - eigentlich friedliche und weit weniger giftigere Tiere als Wespen und Bienen - stehen unter Schutz. Hier frisst das Tier gerade eine Biene. Hornissennester dürfen ohne Genehmigung des Umweltamts nicht versetzt werden. Reagiert dann aber ein Mensch, wie Mitte August ein 53-jähriger Weidener, allergisch auf den Stich einer Hornisse, kann es tragisch enden: Der Mann starb. Bild: dpa

Bienen, Wespen und Hornissen: Heuer gibt es mehr von diesen Insekten als in den Jahren zuvor. Entsprechend mehr Einsätze verzeichnet die Integrierte Leitstelle wegen der Stiche der wehrhaften Schwärmer. Einer davon endete tödlich.

Einsätze wegen Wespen-, Bienen- und Hornissenstiche häufen sich. "Die Zahlen sind dramatisch gestiegen", sagt Jürgen Meyer, stellvertretender Leiter der Integrierten Leitstelle Nordoberpfalz (ILS). 67 (davon 7 Hornissenstiche) waren es in Weiden und den Landkreisen Neustadt und Tirschenreuth allein im August, 39 (4 Hornissen) im Juli dieses Jahres. Das sind in der Summe 106 und damit 80 mehr als noch im Juli und August 2014. Einen "besonders tragischen Fall mit einer Hornisse" gab es auch, bestätigt das Klinikum.

So starb ein 53-jähriger Weidener, nachdem eine Hornisse ihm Mitte August im heimischen Garten in die Halsschlagader gestochen hatte. Der Mann hat laut Klinikum hochgradig allergisch reagiert. Allerdings ist unklar, ob er von seiner Allergie wusste. Genau hier liegt das Problem. Für Nicht-Allergiker sind Insektenstiche nämlich kaum gefährlich, weiß Adolf Küblböck: "Der Stich einer Hornisse enthält gar nur 20 Prozent der Giftmenge, die eine Biene oder eine Wespe injiziert", sagt der ehemalige Hornissen-Beauftragte der Stadt. Aktuell wirkt er als stellvertretender Vorsitzender des Landesbundes für Vogelschutz. "Obendrein sind Hornissen, die Erzfeinde von Wespen, ganz friedlich", ergänzt Küblböck. Geradezu scheu wären sie. Außer Parfüm locke sie. Oder die Tiere fühlten sich bedroht, etwa weil Menschen nach ihnen schlagen oder ihrem Nest zu nahe kommen.

So einem Nest aus dem Weg zu gehen, gestaltet sich schwierig, wenn es im eigenen Garten hängt. Entfernt werden darf es laut Naturschutzgesetz nur unter bestimmten Voraussetzungen wie bei nachgewiesener Allergie (Attest), unumgänglicher Bauarbeiten oder unzumutbarer Neststandorte wie nahe des Kinderspielplatzes und -gartens. Denn Hornissen gelten als bedroht und stehen unter Schutz. Das Umweltamt der Stadt entscheidet, ob ein Nest durch Experten umgesiedelt oder - falls sich keine Fachfirma findet - von der Feuerwehr abgetötet werden darf. Kosten: etwa 50 Euro.

Geld, das derzeit viele gern investieren würden. Denn es gibt zahlreiche Hornissennester. "Die Völker konnten sich sehr gut entwickeln", weiß Küblböck. Das warme, trockene Frühjahr und der heiße Sommer machten es möglich. Und so beschert das Mehr an Wespen, Bienen und Hornissen der ILS mehr Einsätze. Getroffen hat es vom Kind bis zur Oma jeden, weiß Meyer. "Es gab Stiche in Arterien und Venen, Attacken von mehreren Hornissen auf Menschen und auch Tiere, die sich im Getränk getummelt haben und verschluckt wurden." Im November erledigt der Lauf der Natur das große Hauen und Stechen. Allerdings werden laut Küblböcks Erfahrung die Hornissen von der starken Population bis zu drei Jahre profitieren, bevor ihr Schwirren wieder rarer wird.
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