Wie die Ros' nach Weiden kam

Nicht nur die Touristen schnuppern gerne an den Blüten. Jürgen Prüll vor "seinem" Rosenbusch am Unteren Tor. (Bild: Hartl)
 
Kleines Bilderrätsel: Wie lautet wohl der Name dieses Wegs in der Altstadt? Genau - Rosengäßchen! Bild: Hartl

Rot, weiß, gelb und rosa leuchtet es in der Altstadt. Die Rosen ranken sich an den historischen Häusern hoch. Bevor sie wieder vergehen, sollte ihre Geschichte erzählt werden.

Die Geschichte der Rosen reicht zurück in die Zeit der Altstadtsanierung. Ein Rückblick in die 1970er: Zwischen Oberem und Unterem Tor tobt der Verkehr, oft bilden sich Staus. Busse und Autos brettern entlang der Renaissancehäuser aus dem 16. Jahrhundert. Wer einen der seltenen Parkplätze ergattert, stellt mit seinem Vehikel die Geschäftseingänge zu. Straßenlärm und Abgase stören das Wohnen. Einkaufen oder Verweilen sind unmöglich. Ein Gutachten aus dem Jahr 1972 über den Durchgangsverkehr kommt zum Schluss: "Die Bewegungsfreiheit und Sicherheit der Fußgänger ist stark eingeschränkt."

Verkehr aus den Mauern

Eine Café- und Kneipendichte wie heute ist damals noch undenkbar. Wer heute bei einem Feierabendbier am Unteren Markt sitzt, kann sich die einstigen Verhältnisse nicht mehr vorstellen. Hinter der Entscheidung, die historische Altstadt zu sanieren, sei nicht nur der denkmalschützerische Gedanke, sondern auch die klare Entscheidung zu attraktiven Geschäftsflächen gestanden, erinnert sich Friedrich Zeiß vom Stadtplanungsamt.

Es gab ein Wettbewerbsverfahren, welches das Münchener Architekturbüro "SEP Jochen Baur + Patrick Deby" gewann. Das Parkplatzproblem lösten neue Parkplätze und -decks. Die Alstadt wurde mit hochwertigem Bayerwaldgranit bepflastert. 1984 folgte die Einweihung der Fußgängerzone.

Einkaufen mit Herz

Die Rosenbepflanzung sollte mehr Natur in die Stadt zurückbringen. "Die Fußgänger sollten auch mit dem Herzen durch die Stadt gehen", weiß der inzwischen pensionierte, damalige Sanierungsbeauftragte Bernd Seidl. Da die Rose auch die Blume des Herzens ist, mag die Entscheidung über die Pflanzenart nicht allzu schwer gefallen sein.

Am Unteren Markt sollte eine einheitliche Begrünung stehen, die den historischen Charakter der Stadt unterstreiche, erklärt Architekt Jochen Baur die damalige Absicht. Die Hauseigentümer mussten noch zustimmen, da die Rosen ja an ihrer Fassade angebracht werden sollten. Nicht nur haben alle "Ja" zu Rose gesagt - mehr noch: Auf Druck der Bürger beschloss der Stadtrat die Begrünungsmaßnahme auch für den Oberen Markt.

So also kam die Rose nach Weiden. Gerade steht sie in voller Blüte und biegt sich unter der Last der üppigen Dolden. Die Stadtgärtnerei pflanzt sie und kümmert sich die ersten zwei Jahre darum. Danach müssen die Tiefwurzler alleine zurecht kommen. Bei starkem Lausbefall greifen die Stadtgärtner noch zu Nützlingen wie Marienkäfern, chemische Mittel vermeiden sie im öffentlichen Raum.

Obwohl die Rose ein widerstandsfähiges Gewächs ist, bittet Stadtgartenmeister Hans Gallersdörfer die Bürger um Mithilfe: "Mal einen Eimer Wasser reinschütten oder einen heraus stehenden Trieb anbinden" - und die Blumen würden noch schöner werden.

Von der Knospe zur Blüte

Bei Jürgen Prüll steht ein riesiger Rosenbusch direkt neben seinem Geschäftseingang am Unteren Markt. Er kümmert sich um seine Rosen. "Sie trägt gut, hat schöne Blüten und riecht sehr fein", schwärmt er. Viel hat er nicht damit zu tun: Manchmal gießt er sie und schneidet das Nötigste zurück. "Doch ich finde es toll, die verschiedenen Stadien der Rose von der Knospe bis zur verwelkenden Blüte an einem Baum zu sehen", bekennt der Goldschmied. Die Rose, meint er, sei nicht unbedingt verantwortlich für seine Verkaufszahlen. Aber sie sei ein schöner Schmuck für das Geschäft und ziehe durch ihren Duft vor allem Touristen an, die daran schnuppern.
Weitere Beiträge zu den Themen: August 2015 (7425)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.