Wie entsteht Diskriminierung? - Zwei Elly-Heuss-Gymnasiastinnen haben nachgefragt
Sprechen statt ausgrenzen

Das Foto zeigt eine Gruppe Kinder. Eine junge Asiatin ist zu sehen, ein Schwarzer - und weiße Buben und Mädchen. Also: Mit wem würdest du am liebsten spielen? Diese Frage stellten Sophie Salfetter und Theresia Wittmann Zweitklässlern der Grundschule Altenstadt, denen sie das Foto zeigten. Ergebnis: Herkunft und Hautfarbe sind den meisten herzlich egal. Das Kriterium, nach dem sie stattdessen ihre Spielkameraden auswählen, ist das Geschlecht. Jungs spielten lieber mit Jungs, Mädchen mit Mädchen.

Diese und weitere Fragen stellten Salfetter und Wittmann rund 100 Altenstädter Grund- und Mittelschülern. Daraus entstand ihr Projekt "See(m) different". Die Elly-Heuss-Gymnasiastinnen gingen dabei der Frage nach, wie Diskriminierung und Vorurteile entstehen. Die Ergebnisse trugen sie in einer Ausstellung zusammen, die in der Aula des "Elly" zu sehen ist. Die Ausstellung ist bis zur ersten Dezemberwoche auch für Besucher werktags von 8 bis 17 Uhr offen (Anfragen, vor allem für Gruppen, ans Sekretariat).

Prägendes Elternhaus

Zu den Ergebnissen zählt, dass Schüler Unterschiede zwischen Menschen erst in späteren Klassen bewusst wahrnehmen. Prägend für das Entstehen von Vorurteilen ist das Elternhaus. Wobei: Recht früh sind es - neben Einheimischen - auch Migrantenkinder, die Vorurteile gegen andere Migranten entwickeln. Eben wegen der Eltern, die beispielsweise liberale Muslime sind und konservative eher argwöhnisch beäugen. Ebenfalls auffällig: Weil sich ältere Schüler der Problematik zunehmend bewusst sind, tun sie sich immer schwerer, offen darüber zu sprechen.

Die beiden Gymnasiastinnen aus der Q 11 belassen es aber nicht bei solchen Befunden. Sie ziehen auch ihre Schlüsse daraus. Einer davon lautet: "Man sollte Jugendlichen die Angst nehmen, über dieses Thema zu reden. Weil gerade dadurch Vorurteile entstehen", erklärt Wittmann. Falsche Vorsicht sei ein großes Hindernis. Wer glaube, alles, was man zum Thema Diskriminierung und Anderssein sagt, sei falsch, der könne nunmal nie eine offene Aufklärung darüber erfahren.

Die 17-jährige Salfetter und ihre 16-jährige Mitschülerin kamen nicht einfach so zu dem Projekt. Sie sind schon länger engagiert: Bei der Anne-Frank-Ausstellung 2013 in Weiden arbeiteten sie als Führerinnen. Danach ließen sie sich weiterbilden und wurden zu Anne-Frank-Botschafterinnen ernannt. Verbunden mit dem Titel ist der Auftrag, über Diskriminierung aufzuklären. Das Projekt "See(m) different", das sie auch schon im Bundestag bei Abgeordnetem Uli Grötsch vorstellten, war Voraussetzung für die Ernennung.

Lobende Worte gab es für die Gymnasiastinnen auch noch einmal bei der Eröffnung der Ausstellung. Schulleiter Anton Schwemmer erklärte: "Die ganze Schule ist stolz auf euch." Ihren Respekt zollte auch CSU-Stadträtin Dagmar Nachtigall. Unterstützung bekamen Wittmann und Salfetter bei der Erstellung der Ausstellungswände von der Werbeagentur "Aha!", außerdem vom Rainer Christoph und von "Toleranz fördern - Kompetenz stärken". Und nicht zuletzt von Sabine Hoffmann, der betreuenden Lehrerin.
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