"Wie sehen Tschechen aus?"

Verständigen können sie sich nicht so ohne Weiteres: die Kleinen aus dem Kindergarten St. Dionysius Neunkirchen mit ihren Altersgenossen aus der deutsch-tschechischen Einrichtung in Pilsen. Trotzdem verstehen sie sich bei ihrem ersten Treffen am Montag bei der Faschingsfeier ruckizucki.

"Wie sehen Tschechen aus?", fragt der Dalmatiner und guckt neugierig zur Eingangstür. Die Fee zuckt mit den Flügeln. Gespannt starren die beiden gemeinsam mit 58 anderen kleinen Maskierten zur Eingangstür des Kindergartens St. Dionysius Neunkirchen. Und schon spazieren sie herein, die Gäste aus dem ersten deutsch-tschechischen Kindergarten in Pilsen. Als Indianer und Teufel, Bauarbeiter und Prinzessinnen besuchen sie ihre erste Faschingsfeier überhaupt - und dann noch in Weiden. Und? Wie sehen sie nun aus, die Tschechen? "Ganz normal", findet der Neunkirchener Feuerwehrmann und guckt auf Pilsens Darth Vader.

Erst im Oktober 2014 gingen die Kindergärten eine Kooperation ein: Damals eröffnete die private Betreuungseinrichtung "Junikorn", zu deutsch Einhorn, mit zehn Kindern im nur 88 Kilometer Luftlinie entfernten Pilsen in einer Villa nahe des Zoos. Nun profitieren die Kindergärten von Förderprogrammen, die ihre gemeinsamen Aktivitäten finanzieren. Der Besuch der Faschingsfeier in Weiden mit Tanz, Musik und Zauberer Fabellini bildet den Auftakt des Veranstaltungsreigens.

"Ahoj", schallt es den kleinen und großen Gästen aus Tschechien entgegen. Vorsichtig setzen sie sich in den mit Luftballons und -schlangen geschmückten Raum der Sternengruppe. "Faschingsfeiern sind nur in den kleineren Dörfern in Tschechien bekannt", erklärt Erzieherin Alena Vlachová die Zurückhaltung. Sie leitet mit Jana Konecná die Einrichtung in Pilsen und spricht nicht zuletzt wegen ihres Schuljahrs am Augustinus-Gymnasium in Weiden sehr gut Deutsch. Derweil stimmt Kindergartenleiterin Lydia Hofmann mit ihrer Gitarre ein Begrüßungslied an: "Schön, dass ihr da seid. Dobrý den, dobrý den, dobrý den ...", schmettern die Kinder. Dem kleinen Bauarbeiter aus Tschechien gefällt's besonders. Er rutscht vom Schoß seiner Erzieherin und tanzt.

"Es ist schön, wenn Sprachbarrieren spielerisch überwunden werden", sagt Hofmann. Das und die Tatsache, das den Neunkirchener Kindergarten nahezu keiner mit Migrationshintergrund besucht, bewogen sie zur Kooperation: "Wir haben nur einige amerikanische Kinder hier. Wir wollen aber zeigen, dass es noch viele andere Kulturen gibt." So hängen im Gebäude selbstgemalte Bilder der tschechischen Nationalfahne. Rot, Grün, Gelb und Blau heißt in Neunkirchen auch cervený, zelená, žlutý und modrý. Mit "Ahoi" und "Dobry den" begrüßen sich die Kleinen schon lange im Morgenkreis.

"Kinder unterscheiden nicht zwischen Deutsch und Tschechisch", weiß auch Erzieherin Vlachová. Vielmehr würden sie einfach drauf los plaudern. "Da beginnt ein Satz schon mal auf Tschechisch und endet auf Deutsch." Oder es geht ganz ohne Worte. Gerade tanzen alle miteinander zu "Rucki Zucki" in der Turnhalle. Sprachbarriere? Fehlanzeige.

Das trifft sich gut. Denn Vlachová lädt die Neunkirchener Kinder zum Gegenbesuch nach Pilsen ein. Im Juni wollen alle dort gemeinsam den Kindertag feiern. Ein internationaler Feiertag, dem in Deutschland kaum einer Beachtung schenkt. "Das ist in Tschechien ganz anders", sagt Vlachová. Und ruckizucki haben viele wieder etwas dazugelernt.
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