Wie weit darf die Medizintechnik gehen? - Expertenrunde diskutiert auf Einladung des ...
Der Wille des Patienten zählt

Beim 4. Ethiktag referierten die Experten (von links) Andreas Faltlhauser, Ralf Kürschner, Thomas Kammerer, Bruno Aschenbrenner und Manfred Baumann und stellten sich anschließend der Diskussion. Bild: hfz
Weiden. "Ist alles immer ethisch richtig, was medizintechnisch möglich ist?" Dieser Frage widmete sich der 4. Ethiktag des Ethikkomitees der Kliniken Nordoberpfalz AG in der ehemaligen Augustiner-Kirche. Vier hochkarätige Referenten stellten sich dieser Frage, in einer abschließenden Podiumsdiskussion hörten die rund 100 Besucher der Veranstaltung klare Stellungnahmen.

Manfred Baumann, Schirmherr der Veranstaltung und Geschäftsführer der Gerresheimer Regensburg GmbH, resümierte: "Die begründete gute Entscheidung ist immer richtig, wenn sie zum Wohl des Menschen fällt." Gerresheimer ist Dienstleister im Bereich Entwicklung und Produktion für weltweit führende Pharma- und Medizintechnikfirmen.

Das Wohl des Patienten

Andreas Faltlhauser, Facharzt für Anästhesie, Intensivmedizin und Notfallmedizin und seit 2012 Oberärztlicher Leiter der Interdisziplinären Intensivstation am Klinikum Weiden, resümierte: "Wir können gute Technik machen, wir können gute Apparate-Medizin machen, aber wir müssen uns um den Menschen kümmern!" Faltlhauser hatte in seinem Referat anhand dreier Fallbeispiele erklärt, unter welchen Voraussetzungen Entscheidungen bei der Behandlung getroffen worden waren. Maßgeblich sei immer die Überlegung, wie es um den Patientenwillen bestellt sei, sofern der Patient diesen nicht selbst äußern könne. Es sei nicht das Bestreben der modernen Medizin, um jeden Preis jede technische Möglichkeit auszuschöpfen, wenn dies dem Willen eines Patienten zuwider laufe. Jede Maßnahme müsse sich am Wohl des Patienten orientieren. Oberster Maßstab sei auch immer der Satz "Die Würde des Menschen ist unantastbar."

Die Entscheidung gegen eine Therapie orientiere sich an drei Begründungen: Die Therapie ist voraussichtlich erfolglos, der Patient verweigert die Therapie und die zu erwartende Lebensqualität ist inakzeptabel. Es sei immer schlimm für einen Arzt, wenn der Patient eine Therapie ablehne, dennoch müsse die Entscheidung akzeptiert werden. Wenn ein Patient selbst keine Aussage treffen könne und keine eindeutige Patientenverfügung vorliege, werde mit Angehörigen die Antwort auf die Frage gesucht, was der mutmaßliche Patientenwille sei.

Ralf Kürschner, Entwicklungsleiter der Gerresheimer Medical Plastic Systems, stellte in seinem Vortrag die vielfältigen Schritte in der Medizintechnik von der Idee bis zum serienreifen Produkt vor und erläuterte, welche Grundsätze für die Arbeit der Entwickler maßgeblich seien. Prämisse bei der Produktentwicklung sei immer die Anwenderzufriedenheit, die stets überprüft werde.

Bruno Aschenbrenner, Fachkrankenpfleger für Anästhesie und Intensivmedizin sowie Pflegedienstleiter bei Helping Hand Bayern, berichtete über "Pflege an der Grenze - Aus dem Alltag der häuslichen Krankenpflege". Er betonte, dass das Leben in Selbstbestimmtheit immer oberste Priorität habe. Thomas Kammerer, Seelsorger am Klinikum der TU München, betonte, dass die Intensivstation der "Raum der Chance" sei, jedoch nicht für jeden Patienten. Oft hindere die Technik den Menschen daran, seinen Weg zu gehen. Patienten erlebten hier die Umgebung und Vorgänge in einem veränderten Bewusstseinszustand. Wichtig sei die behutsame Kommunikation mit dem Patienten. Er wünschte jedem Arzt den notwendigen Mut zu Entscheidungen.

Nein zu aktiver Sterbehilfe

Kliniken-Vorstand Josef Götz hatte in seiner Begrüßung klar Stellung bezogen zur aktuellen Diskussion über das Thema Sterbehilfe. Die aktive Sterbehilfe, die Bereitstellung tödlicher Medikamente sei strikt abzulehnen. Die Konsequenzen seien auch für Angehörige gravierend: "Wie werden sie damit umgehen?" Der richtige Weg sei es, Menschen auf ihrem letzten Weg medizinisch und ethisch zu begleiten, ein menschenwürdiges Sterben zu ermöglichen.
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