"William's Orbit" im Juz Weiden
Licht an, Spot auch

"Es war eine geile Zeit": Drummer Bastian Holl nahm Abschied. (Bild: Ralph Gammanick)
 
Bild: Roland Wellenhöfer

Ein Lichtblick: "William's Orbit" starten jetzt so richtig durch. Ausgangspunkt: ihr "Wohnzimmer", das Juz. Für einen der Fünf ist dort jedoch Endstation.

Eine mächtige Lichtshow haben sie diesmal aufgefahren und den Abend auch gleich danach benannt: "Turn all the Lights on". Viele kleine Lämpchen über ihren Köpfen, dazu riesige, farbige Scheinwerferkegel und mittendrin die fünf Musiker, als wären sie U2 im Wembley-Stadion oder die "Kings of Leon" in der 02-Arena. Und nicht "William's Orbit" im Weidener Jugendzentrum. Dabei brauchen sie für den anrührendsten Moment des Abends gerade mal einen weißen Strahler.

Bastian Holl steht plötzlich allein im Rampenlicht, ganz vorne auf der Bühne, wo sich der Schlagzeuger nach eigenem Bekunden so gar nicht wohlfühlt. Holl verlässt die aufstrebende Combo aus beruflichen Gründen, jetzt will er sich kurz verabschieden, von den Fans, von seiner Band, doch - "keine Ahnung ..." - es fehlen ihm erstmal die Worte. Mit den Jungs, prophezeit er dann stockend, werde es weiter aufwärts gehen. Sein Nachfolger (Lukas Wurzer von "Psychedelic Sexfunk") sei auch ein Guter. "Danke für die geile Zeit", sagt Holl noch, bevor er fürs Finale wieder hinterm Schlagzeug verschwindet. Sänger Siegfried Häusler applaudiert dem Freund wie alle anderen im proppenvollen Juz-Saal. Danke, Basti.

In jedem Ende liegt bekanntlich ein neuer Anfang. Und so verfolgten die vielen Fans das Konzert von "William´s Orbit" am Samstag im Weidener Juz mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Schlagzeuger Basti Holl verlässt die Band, die anderen Jungs befinden sich auf dem Sprung ins professionelle Musikerleben. (Bilder: Roland Wellenhöfer und Ralph Gammanick)

Eine Szene, die gut passt zu diesem Abend der Gegensätze am Samstag. Licht und Schatten, laut und leise, Euphorie und Verletzlichkeit. Während die Anheizer "The Impression" (Augsburg) mit Groove-betontem modernem Rock und kargen Riffs à la "Bloc Party" durchaus Eindruck machen, schlichten "William's Orbit" schon mal richtige Soundwände auf. Im richtigen Licht betrachtet, sind "Lady of The Night", "Mexico", "Searching" oder auch die neueren "Once in a Lifetime" und "Memories" veritable Stadionhymnen. Eingängig, hochemotional, lebensbejahend. Die "Willis" zeigen sich bestens gerüstet für die Festival-Saison, in der sie unter anderem beim Pfingst-Open-Air in Salching gastieren.

Textsichere Fans

Häusler grinst: Den Text von "Lullabye" singt fast jeder mit im Juz-Saal mit. "I know there's joy left in your veins ..." In der Heimat haben "William's Orbit" mittlerweile eine stattliche Fangemeinde, die auch das vierte Konzert innerhalb eines halben Jahres nicht missen will. Lauter bekannte Gesichter im Publikum: der Heiner, der Frank, die Alex , der Markus... Könnte natürlich daran liegen, dass man sich an Hammersongs wie "Take your Time" einfach nicht satthören kann. Gitarrist Michael Siegel sorgt für Abwechslung, indem er letzterem ein anderes, atmosphärisches Intro spendiert anstelle des harten Reggae-Riffs. "Kingdom" präsentieren "William's Orbit" in der Dreier-Trommel-Version, die schon beim Unplugged-Gastspiel zur Jahreswende aufhorchen ließ. Neben Holl hauen auch Siegel und Bassist Lukas Höllerer auf die Pauke.

Und eine weitere schöne Szene: Keyboarder Christian Gold gratuliert von der Bühne herab seinem Vater zum Geburtstag, dem inoffiziellen Rekordhalter mit den wohl meisten gesehenen "WO"-Gigs. Ein Gros davon wiederum dürfte im Jugendzentrum für die Bühne gegangen sein, so etwas wie das "Wohnzimmer" der "Willis", noch bevor sie hier 2008 den "Weiden tobt!"-Contest gewonnen haben. Der perfekte Ort also, um richtig durchzustarten. Das hat sich die Band, neuerdings staatlich gefördert, bekanntlich für 2015 vorgenommen. Neue Songs, neues Album, viele, viele Konzerte in ganz Deutschland.

Ende und Aufbruch

Den jüngsten Juz-Gig beschließt ein Lied aus Anfangstagen: "Sweet Louise". Fast schon symbolisch, dass am Ende das Schlagzeug verstummt, während zwei Gitarren spielen, spielen, immer weiterspielen. Alles liegt eben eng beieinander heute. Licht und Schatten. Ende und Aufbruch. Oder, wie Häusler in Richtung des scheidenden Schlagzeugers meinte: "Es macht mich traurig, ihn gehen zu sehen. Trotzdem geiler Abend."
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