Willkommen in der Fremde

Bodenständig: die Familie Deistler und Bernhard Tauer.

Zukunft braucht Erinnerung. Unter diesem Motto stand am Samstag der "Tag der Heimat" in der Max-Reger-Halle. Der Oberbürgermeister erklärt, warum es aktueller ist denn je.

OB Kurt Seggewiß spannte einen Bogen von den Vertriebenen im Oberpfälzer Grenzland zu den Flüchtlingen aus dem Nahen Osten. "Hier erinnern sich Menschen an ihr Schicksal, an Flucht und Vertreibung", sagte er. Westdeutschland habe nach dem Krieg acht Millionen Menschen aufgenommen. Die DDR vier Millionen. "Es war schier unlösbar, aber es gelang. In der Fremde eine neue Heimat zu finden, das ist möglich."

Heimatringvorsitzender Günther Magerl erinnerte an den Ausbruch des Zweiten Weltkriegs vor 75 Jahren, an das unermessliche Leid vieler Völker. "Wir, die wir Vergleichbares nicht erleben mussten, können die Schrecken nicht nachfühlen, die die Opfer von Flucht und Vertreibung erlebt haben." Die Schicksale der Vertriebenen müssten uns Mahnung sein. Vertreibung dürfe niemals Mittel der Politik sein. Mit harter Arbeit, Fleiß und Disziplin sei es den Vertriebenen nach 1945 gelungen, sich eine neue Existenz aufzubauen. "Sie gründeten eigene Verbände und traten für ihre Rechte ein. Dabei betonten sie die Bereitschaft zur Versöhnung und zum Aufbau eines geeinten Europas."

Der Wurzeln bewusst sein

Deshalb sei der "Tag der Heimat" gemeinsam mit den Vertriebenen ein fester Bestandteil des Jahreskalenders, erklärte Magerl. "Gemeinsam wollen wir an die alte Heimat erinnern und die neue feiern." Erlittenes lasse sich nicht ungeschehen machen. Aber eine gemeinsame Sicht auf das Geschehene könne sich als Grundstock eines neuen Miteinanders erweisen. "Wer seine Zukunft gestalten will, sollte sich immer seiner eigenen Wurzeln bewusst sein." Dies gelte auch für die jüngere Generation, die sich oft frage, ob man nach so langer Zeit noch darüber reden müsse. "Ja, wir müssen. Dabei ist es gut, dass im immer mehr zusammenwachsenden Europa mit den Grenzzäunen auch Barrieren in den Köpfen verschwinden und sich auflösen."

Den Abend lockerte die BSW-Foto- und Filmgruppe mit Bildern auf. Für den schönen Blumenschmuck zeichnete die Siedlergemeinschaft Waldfrieden verantwortlich. Stellvertretender Heimatringvorsitzender Norbert Uschald moderierte die Veranstaltung, die von der Weidener Stadt- und Jugendblaskapelle unter Leitung von Hubert Rupprecht musikalisch umrahmt wurde.

Weitere Musik- und Wortbeiträge steuerten bei: die Egerländer Gmoi mit der Familie Deistler und Bernhard Tauer, "Chorisma" unter Leitung von Larissa Burghardt, die Gesangs- und Tanzgruppen Malinka und Kalinka vom Verein "Neue Zeiten", die "Altbairischen" und der Trachten- und Brauchtumsverein Almrausch. Zum Abschluss sangen alle gemeinsam das Bayernlied, die Deutsche National- und die Europahymne.
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