"Wir sind ein Jammerland"

Unterhaltsam, aber mit Botschaft: Schwester Teresa. Bild: Dobmeier

Sie sprüht vor Energie und Lebensfreude. Und das könnte auch daran liegen, dass Schwester Teresa den "befreienden Umgang mit Fehlern" gelernt hat. Was das bedeutet, erklärte sie im Pfarrheim Rothenstadt.

Sünde sei entschuldbar geworden, Fehler dagegen oft nicht: Mit solchen Feststellungen bereitete die bekannte Buchautorin und Ordensfrau Schwester Teresa Zukic aus der "kleinen Kommunität der Geschwister Jesus" das Feld für ihren Vortrag. Und kam zu Einsichten, die auf den ersten Blick überraschen mögen: Wenn wir wissen, dass wir aus Fehlern lernen können, ist es ist wohl ein Fehler, keine Fehler zu machen. Oder: Wer perfekt sein will, weil er mit seinen Fehlern nicht umzugehen versteht, macht sich und anderen das Leben schwer. Bei ihrem rund einstündigen, sehr lebendigen Auftritt ging Teresa Zukic auf tägliche Probleme im Umgang mit den Menschen ein. Das Thema "Der befreiende Umgang mit Fehlern" gliederte sie in drei Kategorien: den Umgang mit eigenen Fehlern, die Unvollkommenheiten anderer und die Frage: Wie gehen wir mit den Fehlern der Anderen um?

Natürlich sei es nicht schön, Fehler zu machen und sie dann noch einzugestehen, erklärte sie. Aber: Selbst Petrus sei damals vor 2000 Jahren ins Fettnäpfchen getreten, als er Jesus verleugnete. Doch Gott sei ein Liebender und Vergebender - und danach sollten auch Christen handeln.

Die gebürtige Kroatin selbst kam praktisch über Nacht zur Kirche. Sie habe zur Bibel gegriffen und sei seither fasziniert. Dies bringt sie in ihren Vorträgen im gesamten Bundesgebiet und vielfach auch in den Fernseh-Talkshows rüber. Anfang September etwa war sie im Fernsehen in der Plauderrunde bei Markus Lanz zu sehen. "Mit unserem Land stimmt was nicht. Wir sind ein Jammerland", sagte die 51-Jährige und erzählte positiven Gegenbeispielen. Etwa mit Menschen in den USA. "Wir hungern nach Zuwendung", meinte sie und stellte die These auf: "Geliebt sein ist das Höchste."

Beim Vergeben frei werden

Ihr Rezept hängt eng mit dem Glauben zusammen: Beim "Vergeben wird man frei". Das Größte im Christentum sei das Verzeihen und Vergeben. Im Umgang mit den Fehlern anderer müsse man lernen zu verzeihen. Dabei sollte auch die Kritik an seinem Gegenüber gut überlegt sein. Sie persönlich halte sich an den Grundsatz: Bevor man jemand kritisiere, solle man ihn zuerst neun Mal loben. "Wann haben Sie das mit Ihrem Partner oder Partnerin das letzte Mal gemacht?", provozierte die populäre Ordensfrau. Auch mit den eigenen Fehlern solle man ehrlich umgehen und sich diese eingestehen. Ein Mensch ohne Fehler würde nicht vorwärts kommen.
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