Wohltäterin im Zinstief

Das Maria-Seltmann-Haus wäre ohne die gleichnamige Stiftung nicht denkbar. Es wird auch künftig Zuwendungen bekommen. Kulturschaffende müssen dagegen vorerst mit weniger Geld rechnen. Bild: Steinbacher

Sie gehört zu den größten Stiftungen der Region, viele profitieren von ihr. Aber auch sie ist nicht gefeit vor den Entwicklungen an den Finanzmärkten: Wegen der niedrigen Zinsen erwirtschaftet die Maria-Seltmann-Stiftung weniger Erträge. Deshalb muss sie ihre Zuwendungen verringern.

Es geht um ungefähr 40 000 Euro: So groß ist das Minus bei den Zuwendungen, welche die Maria-Seltmann-Stiftung im Jahr 2014 weiterreichte. Das bedeutet weniger Geld, nicht zuletzt für Empfänger aus dem Bereich Kunst und Kultur - zu einer Zeit, in der sie es angesichts des knappen städtischen Haushalts ohnehin schon schwerer haben. Andere Nutznießer wie das Seltmann-Haus und die Hochschule müssen dagegen nicht mit Einbußen rechnen.

"Wir tun unser Bestes"

"Wir tun unser Bestes", betont der Vorstandsvorsitzende der Stiftung, Josef Kallmeier. "Aber wir können uns nicht von der Zins-Situation abkoppeln." Tatsächlich sind die Kapitalerträge seit Jahren schon niedrig. Die Stiftung war davon dank langfristiger Anlagen zunächst nicht betroffen - 2013 hatte sie sogar den zweithöchsten Zuwendungsbetrag ihrer Geschichte ausgezahlt. Nun jedoch laufen die Anlagen aus, erläutert Kallmeier. Gab es bislang noch fünf Prozent auf das Vermögen von 11,4 Millionen Euro (Stand: 31. Dezember 2013), wird es künftig deutlich weniger. Auch deshalb, weil eine Stiftung bei ihren Anlagen kein großes Risiko eingehen kann. "Rein in Aktien - das geht natürlich nicht."

Das hat Folgen: Endgültige Zahlen für 2014 liegen zwar noch nicht vor. Laut Kallmeier dürften sich die Zuwendungen aber auf grob 300 000 Euro belaufen. Im Jahr davor waren es noch 342 000 Euro. Jährliche Differenzen von mehreren zehntausend Euro gab es seit der Gründung durch Fabrikantenwitwe Maria Seltmann im Jahr 1993 zwar immer wieder - wobei auf ein Minus rasch wieder ein Plus folgte. Solange das Zinsniveau so tief wie bisher bleibt, dürfte sich nun die Ertragslage aber auch mittelfristig nicht ändern. Gleichzeitig kann die Stiftung nicht alle erwirtschafteten Gelder weitergeben: Sie muss daneben laufende Kosten decken und den Wert des Vermögens erhalten, sprich: die Inflation ausgleichen.

Zwei Verpflichtungen

Laut Satzung engagiert sich die Stiftung vor allem in der Altenhilfe und in der Bildung (insbesondere Hochschule), aber auch in den Bereichen Kunst und Kultur sowie für Personen in einer besonderen Notlage. Dabei ist der Spielraum bei der Verteilung der Gelder eingeschränkt. Denn die Stiftung hat zwei langfristige Verpflichtungen zu bedienen: Im Bereich der Altenhilfe die Förderung des Seltmann-Hauses, das 2014 rund 125 000 Euro bekommen hat. Im Bereich der Bildung die Unterstützung für den zweiten Bauabschnitt an der Hochschule, was 2014 fast 100 000 Euro bedeutete.

Geringere Erträge wirken sich damit auf die weiteren Bildungsprojekte und die anderen beiden Bereiche aus. Für Kunst und Kultur beliefen sich die Förderungen 2014 auf grob 65 000, schätzt Kallmeier. Nach 83 500 Euro im Jahr davor. Zahlen für die Zuwendungen bei Notleidenden könne er nicht nennen. Kallmeier betont jedoch, dass die Stiftung hier und in den anderen Bereichen über jeden Einzelfall ausführlich berät: "Wir machen es uns nicht leicht."

Nicht leicht wird es auch für andere. "Das ist keine einfache Zeit für Kunstschaffende", sagt zum Beispiel Irene Fritz. Sie ist Vorsitzende des Oberpfälzer Kunstvereins (OKV) und verantwortlich für die Jugendkunstschule. Der OKV muss nun vorläufig auf die fürs erste Halbjahr 2015 erhofften 2000 Euro für die Erneuerung seiner alten Stellwände verzichten. Die Kunstschule wiederum habe zwar immer nur kleinere Beträge erhalten - "die waren aber immer wichtig". Zumal es für Kunst angesichts der Sparanstrengungen ebenfalls weniger Unterstützung von der Stadt gebe. Zwar bemühten sich die Verantwortlichen wie OB Kurt Seggewiß um andere Lösungen. Trotzdem: "Es wird für alle schwerer."

"Wäre für uns existenziell"

Dennoch spricht Fritz nur positiv von der Stiftung. Die Kultur habe lange von "dem verlässlichen Partner" profitiert. Ähnlich äußert sich auch Silke Winkler, Vorsitzende des Kunstvereins. Wobei auch ihre Probleme ähnlich sind. "Wir sind immer gut bedacht worden", betont Winkler. Nun aber erwartet den Kunstverein fürs erste Halbjahr 2015 eine Nullrunde. Langfristig "würde es für uns existenziell werden". Denn die jährlichen Zuwendungen der Stiftung machten ungefähr ein Drittel des Etats aus. Bliebe das Geld weiter aus, "könnte es 2016 sein, dass wir nicht mehr wüssten, wie wir unsere Ausstellungen finanzieren sollen".
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