"Wou" und "Hou" auf Englisch

Oberpfälzer Songs verändern sich zu englischen Liedern. Dafür sorgen (von links) Franz Schuier und Markus Rill und Hubert Treml. Bild: Kunz

Was für ein Trio: Hubert Treml, Franz Schuier und der "Bob Dylan vom Goldbach", Markus Rill. Drei, die sich schätzen und nun gemeinsam auftreten. Die Scheibe "Heart & Soul & Rock'n'Roll" entpuppt sich als frische und ungekünstelte Songsammlung. Dabei werden aus oberpfälzischen auf einmal englische Lieder.

Den Silberling "Heart & Soul & Rock'n'Roll" stellten Hubert Treml, Franz Schuier und Markus Rill im Augustinus-Gymnasium vor. "Ich hab mir gewünscht, dass Markus meine Lieder auf Englisch singt", erzählt Treml, der schon etwas darunter leidet, dass seine Oberpfälzer Mundartsongs national recht stiefmütterlich behandelt würden. Jetzt, wo das Material ins Englische übertragen wurde, heiße es plötzlich: "Hallo, das sind ja Lieder."

Dabei waren das schon vorher Lieder. "Die Leute checken das nur nicht. Wenn ich die auf oberpfälzisch singe, dann sagen sie: Naja, das ist halt Mundart." Oberbayern und Franken täten sich da leichter. Das Oberpfälzische "Wou" und "Hou" passe da einfach nicht in die Schublade der erfolgreichen Bavarians. Bringt man diese Songs aber auf Englisch, dann sind das echte Hämmer. Sensationelle sogar.

Aus der rührenden Ballade "Moidl as Pentling" - einer schwärmerischen Erinnerung an eine unerfüllte Jugendliebe - machte Rill mit fantastischer Stimme die flockige Nummer "Girl on the A-Train". Aus "Engl aaf da Stoing" machte er "Angel on the stairs". Das sind bewegende Gänsehaut-Songs. Wunderschön melancholisch das kongeniale Zusammenspiel von Schuier und Rill bei "More than you need". Ein Stück, das beim Zuhörer unweigerlich Gedanken an die großen TV-Kultserien von Franz Xaver Bogner aufkommen lässt.

Was Treml-Fans schon lange bewusst war, wird jetzt auch für andere deutlich: In diesen Liedern, egal ob in den humorvollen oder in den sensiblen Themen, steckt wirklich Potenzial. Hört es sich auf Oberpfälzisch etwas "unvorteilhaft" an, über Liebe, Lust und Leidenschaft zu singen, selbst wenn sich der Sound an der E-Street-Band orientiert, kommt das gleiche Material auf Englisch deutlich organischer und songorientierter rüber.

So bekommt jetzt auch die brüchige Mundharmonika-Nummer "Gaanz lang zam" unter dem Titel "Far so long" einen ganz neuen Drive, wenngleich beide Songs gleich gut klingen. Treml: "Ich würde mich sehr freuen, wenn die E-Street-Band dieses Stück aufnehmen würde." Das Zeug dazu hätte es sicherlich. Stolz erklärte er, dass die CD vom bekannten "Blue Rose Label" vertrieben werde, "dem Label" für Americana-Songs. "Markus Rill ist der einzige deutschstämmige Songwriter, der bei denen vertreten ist."

Das Englisch-Projekt entstand anlässlich des Geburtstags von "Boss" Bruce Springsteen im letzten Jahr. Das Programm im Augustinus Gymnasium war kurzweilig, pendelte dauernd zwischen den Interpreten hin und her. Vieles wurde gemeinsam vorgetragen. Tremls Bilanz, die er aus dem Abend zog: "Was wir schon lange wissen: Unsere Songs brauchen keinen Vergleich zu scheuen. Manche akzeptieren das halt erst, wenn sie auf Englisch erscheinen."
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