"Zahlen müssen sie alle"

Seit Montag arbeitet die Baufirma wieder in der Prößlstraße. Obwohl sich die Fahrbahnerneuerung nur auf den Abschnitt zwischen Seltmann- und Fichtestraße beschränkt, müssen sich alle Anlieger der Prößlstraße an den Kosten beteiligen. Im Oktober sollen der Ausbau abgeschlossen sein. Spätestens im nächsten Jahr werden die Bürger die Bescheide erhalten. Stadtkämmerin Taubmann rechnet mit Widersprüchen. Bild: Steinbacher

Diesmal kein dünner "Tesa"-Ausbau. Die Stadt geht in der Prößlstraße in die Tiefe, sogar tiefer als geplant. Jetzt wechselt die Baufirma Scharnagl für die Stadtwerke nämlich auch die Wasserleitungen aus. Diese stammen noch aus dem Jahr 1949. Zumindest diese Kosten müssen die Anlieger nicht bezahlen.

(wd) Der Betriebsurlaub ist vorbei. Die Bauarbeiter sind seit Montag morgen wieder vor Ort. Und sie werden den Zeitplan einhalten, versichert Diplom-Ingenieur Marc Vierhuff vom Tiefbauamt der Stadt. Mindestens 65 Zentimeter tief koffern die Scharnagl-Mitarbeiter den Straßenkörper aus. Auf dem Erdplanum bauen sie 47 Zentimeter stark Frostschutz ein, verlegen darauf die 14 Zentimeter dicke Asphalt-Trag- sowie darauf wiederum vier Zentimeter Asphalt-Deckschicht. Dieser Aufbau sei "Stand der Technik", erläutert Vierhuff. "Das ist also keine Instandsetzung, sondern ein Vollausbau. Wir hoffen, dass das Teilstück zwischen Christian-Seltmann- und Fichtestraße wieder 40 Jahre hält."

Nach 65 Jahren

Um diesen Zeitrahmen einhalten zu können, sei es wichtig, nach der Fertigstellung weitere Eingriffe in den Baukörper möglichst lange zu vermeiden. "Jedes Aufreißen der Decken schwächt den Straßenkörper", erklärt der Tiefbauer. Obwohl im Investitionsprogramm der Stadtwerke nicht vorgesehen - "die Leitungen sind noch gut" - konnte das Tiefbauamt die Stadtwerke überzeugen, vorsorglich die 65 Jahre alten Wasserleitungen auszuwechseln.

Weiterhin "nicht nachvollziehbar" ist für Anlieger Herbert Prölß, dass er für den Ausbau des Abschnitts zwischen Seltmann- und Fichtestraße zahlen soll. Er wohnt zwar an der Prößlstraße, Nicht aber an der etwa 180 Meter langen Ausbaustrecke. "Der Unmut bleibt. Aber haben wir eine andere Wahl?" Wegen der Straßenausbaubeitragssatzung hätten die Anlieger keine Chance. "Wir brauchen wohl nicht vor Gericht zu gehen und müssen in den sauren Apfel beißen", gibt sich Prölß enttäuscht.

"Teer auf blankem Dreck"

Eine "Nebenbemerkung" will er sich dennoch nicht verkneifen: "Hätte die Stadt in den 60er Jahren auch diesen ersten Abschnitt g'scheit ausgebaut, gäb's heute den Ärger nicht. Die Stadt hat damals den Teer auf den blanken Dreck gelegt", schimpft Prölß. Gerade mal 20 Zentimeter stark sei der alte Unterbau, sagt Prölß, der die Arbeiten - nur ein paar Meter von seinem Grundstück entfernt - beobachtet. "Unglaublich, was da an Dreck aus der Straße herausgeholt und weggefahren werden musste." Obwohl sich die Stadt "schon einiges vorwerfen" lassen müsse, glaube er nicht, dass man daraus Versäumnisse konstruieren könne, mit der sich die Straßenausbaubeitragssatzung aushebeln ließe.

Keinen Zweifel an der Beitragspflicht der Anlieger lässt Stadtkämmerin Cornelia Taubmann aufkommen. Zur Kasse gebeten werden dabei auch Anlieger, die ihr Grundstück nicht von der Prößl-, sondern von einer untergeordneten Seitenstraße anfahren. Natürlich greife hier die Ausbaubeitragspflicht. "Zahlen müssen sie alle."

Allerdings sind die Anlieger der Eckgrundstücke nur mit zwei Dritteln der Kosten dabei. "Sie werden ja auch wieder zur Kasse gebeten, wenn die andere Straße ausgebaut wird, dann ebenfalls wieder nach der Zwei-Drittel-Regelung." Eckgrundstücke werden demnach beim Ausbau beider Straße mit vier Dritteln "und nicht mit sechs Drittel" belastet, erklärt Stadtkämmerin Taubmann.
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