Zeugen aus Südafrika

Jetzt also Südafrika. Helmut Miek, Verteidiger des wegen Millionenbetrugs angeklagten Wolfgang S. (68), beantragt die Vernehmung von Zeugen aus Johannesburg: Benson Moyo, angeblich Sohn des ermordeten Tabakplantagenbesitzers George, und dessen Anwalt.

(ca) "Er steht für eine Ladung zu einer Zeugenaussage gerne zur Verfügung", teilte Anwalt Miek (Sulzbach-Rosenberg) der 1. Großen Strafkammer unter Vorsitz von Landgerichtspräsident Walter Leupold am Mittwoch mit, dem 32. Prozesstag. Aus den Tabakgeschäften mit George Moyo soll das Vermögen von 27 Millionen Dollar stammen, von dem die Hälfte dem Angeklagten zustehen soll. Moyo sei bereit, das zu bezeugen. Zumindest hat bei Miek ein Mann angerufen und das zugesagt, der sich als Benson Moyo vorstellte.

Moyo und die Story von den festsitzenden Millionen - das klingt nach dem Klassiker für Internet-Vorschussbetrug. Nichtsdestotrotz sitzen in Afrika reale Menschen: Wolfgang S. hat den angeblichen Benson Moyo 2006 in einem Johannesburger Hotel getroffen. Sein damaliger Kompagnon hat das vor dem Weidener Landgericht bestätigt. Er hatte S. begleitet, war aber bei dem Gespräch nicht dabei. Ab dieser Zeit hat Wolfgang S. emsig und unbeirrt Geld in achtstelliger Höhe eingetrieben, um das Wahnsinnsvermögen loszueisen.

Nur: Für wen? Er selbst hat sich nicht bereichert. Das betonte der Angeklagte auch am Mittwoch. "Sonst müsste meine Frau heute nicht putzen, um zu überleben."

In Limousine vorgefahren

Verteidiger Miek forderte noch einen weiteren Auslandszeugen: Antonio C. aus Athen. Der gute Freund des Angeklagten hat diesen vor Jahren nach Kanada begleitet. Am Hotel in Toronto fuhr eine Limousine mit Vivian Banta vor (Bankerin auf der Forbes-Liste), um mit Wolfgang S. über sein damals in Kanada gestrandetes Vermögen zu verhandeln. Misses Banta habe den Angeklagten beruhigt: Die Auszahlung stünde kurz bevor.

Der Anwalt sieht in der Kanada-Reise ein Zeichen, dass Wolfgang S. in gutem Glauben handelte: "Um andere zu betrügen, hätte er sich nicht nach Kanada bemühen müssen." Aus Sicht der Verteidigung kommt es entscheidend darauf an: "Wenn der Angeklagte tatsächlich glaubte, die Gelder kämen gegen Gebühren, Steuern etc. zur Auszahlung, so fehlt es bereits an einer Betrugsabsicht."

Das Gericht sei laut Miek nach Amsterdam und New York gereist, um die Wahrheit über den Fall Wolfgang S. zu erforschen. Jetzt sei es ebenso erforderlich, die Auslandszeugen notfalls im Rechtshilfeweg (vor Ort durch örtliche Ermittlungsbeamte) zu hören. Darüber muss das Gericht entscheiden. Die Protokolle aus den Niederlanden und den USA möchte Leupold am 4. Februar verlesen. Aus den New-York-Vernehmungen ist bekannt, dass Bankenchef James Aramanda den Angeklagten nicht kennt, der ihn aber nahe der Wall Street getroffen haben will.

Miek kann sich vorstellen, dass sich dabei ein Betrüger als Aramanda ausgab. FBI-Agent Gregory Coleman habe bestätigt, dass es durchaus gängig sei, zweifelnde Geldgeber durch persönliche Begegnungen wieder zu Zahlungen zu bewegen.

Weitere sechs Verhandlungstage sind bereits terminiert, der nächste am 19. Januar .
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