Zuhörer wollen mitreden

Mit ihrer Zuhörerrolle will sich BN-Vorsitzende Sonja Schuhmacher nicht abfinden. Die West-IV-Gegner verschaffen sich Gehör. Bilder: Wilck (2)

Am Sonntag entscheiden die Weidener über das Gewerbegebiet West IV. Beim Infoabend der Stadt treffen Befürworter und Gegner aufeinander. Fast kommt es zum Eklat.

Muss das wirklich sein, dass 70 Hektar Wald gerodet werden? Warum stattdessen nicht Industriebrachen wie Hofbauer (Altenstadt/WN) sanieren? Wie lief eigentlich dieser umstrittene Flächen-Deal mit den Staatsforsten? Sie werde sich nicht scheuen, kritische Fragen zu stellen, hat Dr. Christa Kraemer angekündigt. Und die Moderatorin hält Wort. Ihre Gesprächspartner beim Info-Abend der Stadt zum geplanten Gewerbegebiet West IV sind freilich gut vorbereitet. Ihre Vision, kurz zusammengefasst: ein ökologisches Gewerbegebiet mit grünen Vorzeigeprojekten, das mehr Umweltprobleme löst als schafft. Zum Beispiel das mit dem Hochwasser in dem Bereich.

Eineinhalb Stunden lang hören die knapp 100 Interessierten im Schlör-Saal so viele Antworten, dass Kraemer meint, es würden sich alle Fragen erübrigen. Nix da. Sonja Schuhmacher, Ortsvorsitzende des Bundes Naturschutz, fordert Gehör: Gegner seien bisher nicht zu Wort gekommen. "Wir wollen eine offene Diskussion!" Zunächst lehnt die Moderatorin ab. Als der Protest lauter wird, lenkt Bürgermeister Jens Meyer ein: Eine Wortmeldung ist schließlich zugelassen. Dann noch eine. Und noch eine. Die Vertreter des Bundes Naturschutz und der Grünen warnen vor Naturzerstörung. Schuhmacher fragt die Diskussionsteilnehmer: "Wie können Sie es mit Ihrem Gewissen vereinbaren, einen gesunden, ökologisch wertvollen Wald abzuholzen?" Die Angesprochenen reagieren gelassen. Eklat abgewendet.

"Selten so transparent"

Dabei haben Meyer und Stadtkämmerin Cornelia Taubmann den Gegnern gar die Hand gereicht: Sollte der Bürgerentscheid am Sonntag positiv für West IV ausfallen, seien die Naturschützer - auch der Landesbund für Vogelschutz und die Waldameisenfreunde - in einer Projektgruppe willkommen. MdL Walter Nussel (CSU), Mitglied des Wirtschaftsausschusses im Landtag, lobt den "Weidener Weg": "Selten habe ich ein so transparentes Vorgehen miterlebt."

Apropos Transparenz. Taubmann antwortet auf hartnäckige Gerüchte: "Wir haben keine Anfragen eines riesengroßen Schlachthofes." Und Amazon habe sich "zwar mal umgeguckt", wolle jetzt doch lieber in Tschechien bauen.

Moderatorin Kraemer hakt wegen der Flächenversiegelung nach. Steigt die Hochwassergefahr? Im Gegenteil, wie Dipl.-Ing. Reinhard Brodrecht (Gesellschaft beratender Ingenieure) aufzeigt: Ein Regenrückhaltebecken im Osten des geplanten Areals könnte sogar dem Hochwasserschutz des Brandweiher-Gebiets dienen. Wie die Gutachter ferner darlegen, scheitert West IV wohl kaum aus umweltrechtlichen Gründen. Wobei Jürgen Holl vom Bund Naturschutz den Eindruck hat, die Stadt unterschätze, wie kostspielig die Maßnahmen zum Artenschutz sind.

Hier räumt Cornelia Taubmann ein: "Es kann sein, dass alles passt, dass es aber trotzdem nicht verwirklicht wird. Weil es preislich nicht darstellbar ist." Aus eigener Kraft könne die Stadt die Kosten für die Erschließung nicht stemmen. Verbieten sich deshalb nicht von vornherein die Gewerbegebiet-Pläne, wie Grünen-Fraktionschef Karl Bärnklau nahelegt? Die Kämmerin wird energisch: "Wir haben kein Geld, deshalb stecken wir die Hände in die Hosentaschen und warten, bis es uns besser geht. Das ist keine Argumentation, Herr Bärnklau."

Der schlimmste Fall

Offenbar ist es noch nicht mal die Ablehnung, was die Verantwortlichen der Stadt am Sonntag am meisten fürchten. Für Bürgermeister Meyer "der schlimmste Fall": wenn das Quorum zum Bürgerentscheid nicht erreicht wird. "Die Entscheidung ginge dann zurück an den Stadtrat." Weshalb Meyer sowohl die Befürworter als auch die Gegner aufruft, ihre Stimme abzugeben. "Geben Sie uns ein deutliches Signal, in welche Richtung wir weitergehen sollen."
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