Zum Lernen in den Kuhstall

"Die Kinder dürfen bei uns natürlich in den Stall, um die Kühe zu füttern", erzählt Johann Spies (rechts). So wird der Tag auf dem Bauernhof zu einem unvergesslichen Erlebnis. Bild: bö

Neues Jahr, neues Glück: Kathrin und Johann Spies haben zum Jahresbeginn ihren landwirtschaftlichen Betrieb umgekrempelt. Das Ehepaar aus Berghausen bastelt an einem "Lernort Bauernhof" - mit allem, was dazugehört.

Kathrin Spies hatte es im Oktober 2013 nach reiflicher Überlegung gewagt, eine Ausbildung zur Erlebnisbäuerin anzugehen. "Ohne meinen Mann wäre es nicht möglich gewesen, dieses Projekt zu schultern", erzählt sie. Der "Lernort Bauernhof" könne nur gelingen, wenn die ganze Familie an einem Strang zieht.

15-tägige Schulung

27 neue Erlebnisbäuerinnen aus ganz Bayern haben Ende 2014 erfolgreich eine 15-tägige Schulung des Landwirtschaftsministeriums absolviert. Kathrin Spies darf jetzt offiziell die Bezeichnung Erlebnisbäuerin führen. "Damit haben sie das nötige Rüstzeug, um ihren Hof zu einer spannenden Erlebnis- und Lernwelt für Jung und Alt zu machen", sagte Landwirtschaftsminister Helmut Brunner bei der Übergabe der Urkunden.

Die landwirtschaftlichen Unternehmer haben sich während der Qualifizierung intensiv damit beschäftigt, wie sie Gruppen aller Altersstufen ein qualitativ hochwertiges Angebot machen können. "Es muss maßgeschneidert für die Besucher und den landwirtschaftlichen Betrieb sein", berichtet Kathrin Spies, als Bürgermeister Florian Junkes den Hof der Familie besucht. Im Betrieb lässt sich anschaulich vermitteln, wie Lebensmittel produziert werden und Naturkreisläufe funktionieren. Seit 2004 haben bereits 350 Bäuerinnen und Bauern im Freistaat die Fortbildung besucht und sich auf den neuen Betriebszweig vorbereitet. Zu den Schulungsinhalten gehören Entwicklung und Gestaltung des Angebots ebenso wie Wirtschaftlichkeitsberechnungen, Werbung und Erlebnispädagogik. Für Kathrin und Johann Spies stellte sich schon bei der Hofübernahme die Frage, in welche Richtung sich der Betrieb entwickeln wird. Die gelernte Bürokauffrau hatte sich nach ihrer Einheirat schnell mit den Tätigkeiten in der Landwirtschaft angefreundet, "obwohl es mitunter eine sehr schwere Arbeit ist". "Da kann man nicht einfach sagen, nach acht Stunden ist Feierabend und am Wochenende habe ich Freizeit. Da muss man zusammenstehen, nur dann kann das Projekt gelingen", erklärt sie.

"Die immer größer werdenden Bewirtschaftungseinheiten, die Einkommenssituation in der Landwirtschaft und der Preisverfall haben uns schon manche Nuss zum Knacken beschert." Letztendlich habe sich das Paar aber doch dazu durchgerungen, den Hof weiterzuführen. Ein neuer Stall wurde gebaut, der Viehbestand erheblich aufgestockt und die Betriebsabläufe neu organisiert.

"Aus den Planungen vor einigen Jahren ist jetzt Wirklichkeit geworden." Große Unterstützung hat die Familie Spies vom Landwirtschaftsamt in Amberg bekommen. "Ohne diese Hilfe und fachliche Beratung hätten wir dieses Projekt wahrscheinlich nicht meistern können. Die Umstellung von der reinen Landwirtschaft zum Lernort Bauernhof ist schon eine große Geschichte für uns gewesen", resümiert Kathrin Spies über die letzten Jahre. Besuche von Schulklassen, Kindergärten und Seniorengruppen seien 2014 auf dem Programm gestanden. Außerdem Mittagsbetreuung, Ferienprogramm, Kindergeburtstage und viele andere Veranstaltungen.

"Vom Huhn zum Ei", "Von der Milch zur Butter", "Was kreucht und fleucht denn da auf unserer Wiese?" oder "Pommes sind doch keine Kartoffeln?" lauteten die Themen, die mittlerweile auch bei Kathrin Spies zum Alltag auf dem Bauernhof gehören, wenn Besuchergruppen kommen. Die Erlebnisbäuerin arbeitet auf Wunsch auch individuelle Themenvorschläge für Kindergeburtstage und Schulklassenbesuche aus. "Die Schul- und Kindergartenkinder aus Hohenburg gehören schon seit Jahren zu unseren Stammgästen", erzählt sie.

Bezug zur Natur

Ziel der Erlebnispädagogik auf den Bauernhöfen ist es, Kinder an einem authentischen Lernort zu möglichst eigenständigem Handeln zu bewegen. Dadurch sollen deren Handlungs- und Sozialkompetenz weiter entwickelt, ein Lernen über vielfältige Sinneserfahrungen ermöglicht und ein nachhaltiger Bezug zur Natur aufgebaut werden. Oder wie es Staatsminister Brunner gesagt hat: "Einmal in ihrer Schulzeit sollen unsere Kinder einen Tag auf einem Bauernhof verbracht haben, das gehört bei uns in Bayern zum Ausbildungsplan an unseren Schulen."
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