Zusammenhalt der Gepeinigten

Sala Oksman im Gespräch mit German Djanatliev. Bild: man

Sala Oksman (86) hat den Holocaust überlebt. Jetzt kämpft sie mit Worten gegen das Vergessen.

"Kinder hatten Träume, haben gelacht und gespielt. Doch an einem Tag im Jahr 1939 wurde ihnen alles genommen, auch ihre Namen." Sala Oksmann erzählt in der Synagoge von einer eigentlich unbeschreiblich Zeit. Die 86-Jährige ist Holocaust-Überlebende und wird auch im hohem Alter nicht müde, die Vergangenheit gegenwärtig zu machen und gegen "braunen Faschismus" zu kämpfen.

Im Gespräch mit dem jüdischen Religionslehrer German Djanatliev spricht sie über die Schrecken des Konzentrationslagers in Polen, von Zwangsarbeit und Todesangst, aber auch vom Zusammenhalt der gepeinigten Juden und vom bewundernswert erfolgreichen Versuch, auch in den dunkelsten Stunden den Glauben zu leben.

"Nach der Befreiung am 9. Mai 1945 war ich mit 16 Jahren ganz allein auf der Welt." Sala Oksmann glaubte, ihre ganze Familie verloren zu haben. Doch nach wenigen Wochen erfuhr sie, dass ihr Vater lebt und sich nach Weiden durchgeschlagen hatte. Auf abenteuerlichen Wegen schafft sie es, ihn wiederzusehen und gestaltet die Wiederauferstehung einer jüdischen Gemeinde mit: "Ich habe in Weiden eine wunderbare Zeit gehabt."

1950 heiratete sie und verbrachte die folgenden Jahrzehnte in Berlin und Nürnberg. "Eigentlich wollte ich nach Israel auswandern, doch es kam immer etwas dazwischen", schmunzelt die alte Dame mit den kraftvoll leuchtenden Augen. Sie hat es nicht bereut, im "Land der Mörder"geblieben zu sein und mitzuhelfen, es ein Stück besser zu machen. German Djanatliev betont in seinem Schlusswort die überragende Bedeutung eines friedlichen und harmonischen Miteinanders: "Denn wenn die Menschen zusammenstehen, ist Gott dabei."
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