Zusammenhalt statt Hass

Sie kamen mit Transparenten, Fahnen, Plakaten: Rund 400 Besucher waren bei der Solidaritätskundgebung auf den Oberen Markt. Bilder: Hartl (10)

Am Ende reichen sie sich alle die Hand. Die Imame, der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde, die christlichen Geistlichen - und die geschätzt 400 Menschen vor dem Alten Rathaus. Die Geste war natürlich geplant. Trotzdem fasst sie, ganz ohne Worte, zusammen, worum es in der Dreiviertelstunde zuvor gegangen war.

Ziel ist Toleranz. Ziel ist ein friedliches Zusammenleben. Ziel ist eine offene Stadtgesellschaft. Um all das geht es am Freitag bei der Solidaritätskundgebung der Stadt und des Aktionsbündnisses "Weiden ist bunt", die zudem ein Zeichen der Anteilnahme ist nach den Anschlägen von Paris. Vertreter von Religion, Kommune und Bürgerschaft werben gemeinsam für ein Weiden, das sich jeder Form von Ausgrenzung und Extremismus entgegenstellt.

Zum Beispiel die Imame. Hüseyin Cetin von der Türkisch-Islamischen Gemeinde und Maher Khedr vom Deutschsprachigen Muslimenkreis verurteilten die Anschläge - und betonen die Gemeinsamkeiten der Religionen: "Christen, Juden, Muslime - alle sind Kinder Adams." Schon allein deshalb halte der Glaube nicht her als Begründung für Terror. "Durch diese Tat wurde unser Prophet nicht geehrt, sondern unser Glaube wurde in den Schmutz gezogen."

Ganz ähnlich auch der evangelische Dekan Dr. Wenrich Slenczka: "Kein Terror und kein Verbrechen darf religiös begründet werden." Vielmehr müssten sich Menschen jeden Glaubens, wie auch Atheisten, gegenseitig mit Respekt begegnen. Was aber auch umgekehrt bedeute, dass keiner die Religion eines anderen der Lächerlichkeit preisgeben dürfe.

Letzteres ist ein Gedanke, den auch der katholische Regionaldekan Gerhard Pausch aufgreift: "Mit religiösen Gefühlen sollte man sehr achtsam umgehen." Das gelte auch bei Zeichnungen. Aber natürlich dürfe Gewalt nie eine Antwort sein. Gleichzeitig erinnerte Pausch, dass die Menschen am selben Ort schon einmal zusammenstanden - nach den Anschlägen vom 11. September 2001.

Nun also erneut. Nachdem in Frankreich, aber auch anderswo Trauer und Konflikte herrschen. Es sei also wahrlich keine unbeschwerte Zeit, sagt Leonid Shaulov, der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde. Dem müssten die Menschen mit Verständnis und Geduld untereinander begegnen. Dann sei Frieden möglich. Bis dahin ist der Weg aber noch weit. Das zeigen ja nicht nur die Anschläge von Paris, sondern etwa auch die Morde fast zeitgleich in Nigeria, an die "Weiden ist bunt"-Sprecher Veit Wagner ebenfalls erinnert. Dem gegenüber müssten die Menschen in Weiden Werte wie Freiheit, Gleichheit und Solidarität hochhalten und Minderheiten in der Stadt schützen. Ein Ziel, das auch Oberbürgermeister Kurt Seggewiß unterstreicht: "Wir wollen eine wehrhafte Stadtgesellschaft sein, wir wollen uns einsetzen für eine freiheitlich-demokratische Grundordnung."

So weit die offiziellen Worte. Ein inoffizielles Gespräch gibt es auch noch, am Rande der Veranstaltung. Da vereinbaren die Redner der verschiedenen Religionen, dass sie sich demnächst wieder treffen wollen. Zu einem fachlichen Dialog über den Glauben. Den Handschlägen vom Freitag könnten noch einige mehr folgen.
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