Zwei Cliquen wollten sich angeblich aussprechen - Das ging schief - Mit 1500 Euro wäre aber ...
Auch Kirwa-Schlägereien gehen mit der Zeit

Poppenricht. (zm) Das sind die zeitgemäßen Zutaten, die heute eine Schlägerei am Rande einer Kirwa braucht: anonyme Beleidigungen per Internet, etwas Vorglühen mit Schnaps, zwei Cliquen und zwei heldenhafte junge Männer in Saft und Kraft, die den Ruf und die Ehre einer jungen Frau retten wollen. Einer davon sitzt nun auf der Anklagebank wegen gefährlicher Körperverletzung. Und er ist nicht alleine.

Links und rechts von ihm mussten noch sein Bruder und ein Kumpel Platz nehmen. Auch ihnen wird von Staatsanwältin Dr. Isabell Rupprecht der gleiche strafrechtliche Vorwurf gemacht. Beide weisen jedoch jegliche Schuld von sich. Das sieht nach einer mühsamen Hauptverhandlung vor dem Jugendschöffengericht unter dem Vorsitz von Peter Jung aus, deshalb sind auch drei Prozesstage angesetzt. Das Trio auf der Anklagebank sind zwei Brüder (19, 20) aus dem westlichen Landkreis und einer ihrer Kumpel (18).

Vorspiel abgeurteilt

Der 19-Jährige sieht am schmächtigsten von allen aus, ist jedoch so etwas wie der Hauptangeklagte und zieht deshalb vor, zu schweigen. Er hat schon eine Verurteilung wegen eines Faustschlags nur eineinhalb oder zwei Stunden vor der nun verhandelten Tat hinnehmen müssen. Auch das Opfer (21) blieb das gleiche. Um die per Internet ausgekosteten gegenseitigen Beleidigungen zu klären, hatten sich im vergangenen Jahr zwei konkurrierende Cliquen am Rande der Poppenrichter Kirwa auf ein klärendes Wort verabredet. Via Facebook und Co. natürlich.

Auf 50 bis 60 Leute schätzte einer der Teilnehmer die gesamte Runde, die sich auf dem Skaterplatz neben dem Fest versammelt hatte. Hier kam es zu der ersten, schon abgeurteilten Körperverletzung. Sie beschränkte sich auf den 19- und den 21-Jährigen als Kontrahenten. Die Polizei kam, und das Geschehen verlagerte sich Richtung Kirwazelt. Zwei Stunden später war wieder eine Streife da. Noch einmal sollen die beiden vom Skaterplatz nun am Toilettenwagen aneinander geraten sein.

Allerdings, so das Opfer, hätten hier auch die zwei Mitangeklagten kräftig mitgemischt, während er Schläge und Tritte habe einstecken müssen, ohne sich zu wehren. Die beiden bestreiten das. Der Bruder des 19-Jährigen räumte ein, schlichtend habe eingreifen wollen. Er sei aber "abgefangen" und niedergerissen worden. Der zweite Angeklagte will nur ganz am Rande etwas mitbekommen haben.

Da ging schon was

Und während das Opfer dem Gericht so lebendig und schillernd erzählte, was passiert sei, gelang es dem Verteidiger des Hauptangeklagten, einen prozessualen Nebenschauplatz aufzumachen. Wenn jeder 500 Euro zahle und sein ehemaliger Widersacher sich aufrichtig entschuldige, dann sei für ihn die Sache erledigt, tischte der Zeuge überraschend auf. Der Prozess wird fortgesetzt.
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