Zwei ungarische Burschen (14 und 18) sind als unbelehrbare und aggressive Schwarzfahrer ...
Gestohlene Polizei-Warnweste macht keinen Beamten

Das war selbst für Veteranen der Bundespolizei neu: ein 14-jähriger Schwarzfahrer, der eine Warnweste mit der Aufschrift "Polizei" klaut und damit bei einer Fahrscheinkontrolle eins auf Polizeibeamter macht, den Schaffner bedroht und nach ihm tritt. Doch der dreiste Bursche hatte noch mehr auf Lager.

Unterm Sitz versteckt

Die Geschichte begann nämlich schon am Samstag, 14. November, wie die Bundespolizeiinspektion Waldmünchen mitteilt. Da waren der 14-Jährige und sein 18-jähriger Begleiter, aus ihrer Heimat Ungarn kommend, über Prag und Furth im Wald nach Bayern eingereist. Ihr Ziel: München. Weil sie aber glaubten, auch ohne Fahrkarte dorthin zu kommen, war schon in Schwandorf vorläufige Endstation. Da half es auch nichts, dass sie sich in einem Abteil unter den Sitzen versteckten. Beamte der Bundespolizei nahmen die beiden Burschen am Bahnhof in Schwandorf aus dem Zug. Dort kamen sie ins Dienstzimmer, wo eine Anzeige wegen Leistungserschleichung und Betrugs erstellt wurde.

Großen Eindruck dürfte das auf den 14-Jährigen nicht gemacht haben, denn als er anschließend den Dienstraum verließ, nutzte er die günstige Gelegenheit, sich unbemerkt eine gelbe Warnweste mit dem Aufdruck "Polizei" zu schnappen. Gegen Mitternacht fuhren die beiden Delinquenten weiter. Jetzt Richtung Nürnberg, natürlich wieder ohne Fahrkarte. In Sulzbach-Rosenberg stiegen sie aus dem Zug aus und in einen Aufenthaltsraum der Bahn ein. Hier wollten sie wohl die Nacht verbringen. Doch gingen sie auch an einer anderen günstigen Gelegenheit nicht vorbei: Sie stahlen aus dem Raum einen Fernseher mitsamt Receiver und mehrere kleine Gegenstände. Das alles wickelten sie in Vorhänge (ebenfalls gestohlen) und setzten sich in den Zug Richtung Altenstadt/Waldnaab.

Gardine als Umhang

Der jüngere Schwarzfahrer hüllte sich dabei in einen orangefarbenen Vorhang und legte sich ins Abteil. Als dann - mittlerweile war es Sonntagvormittag - am Haltepunkt Altenstadt ein Zugbegleiter auftauchte und nach Fahrkarten fragte, sprang der 14-Jährige auf, riss die Gardine herunter und deutete vielsagend auf die darunter auftauchende Warnweste mit dem Polizei-Schriftzug.

Fußtritte für Schaffner

Dass er da keinen Polizisten vor sich hatte, war dem Zugbegleiter sofort klar. Eine vernünftige Kommunikation war aber mit keinem der beiden Ungarn möglich. Sie zeigten sich laut Polizeibericht sehr aggressiv, bedrohten den Bahnangestellten und traten nach ihm. Er wollte die Situation nicht weiter eskalieren lassen und verwies sie lediglich des Zuges. Also setzten sich die beiden in den nach Weiden.

Am dortigen Bahnhof erwartete sie aber eine unangenehme Überraschung: Die Notfallstelle der Deutschen Bahn hatte nämlich die Bundespolizeiinspektion Waidhaus informiert. Deren Beamte schnappten sich die Schwarzfahrer und stellten ihr Diebesgut sicher.

Die Strafanzeige gegen die beiden jungen Männer, die ohne festen Wohnsitz sind, fiel jetzt noch länger aus: Diebstahl in einem besonders schweren Fall, Erschleichen von Leistungen, Körperverletzung und Amtsanmaßung. Der 18-Jährige kam unter diesen Voraussetzungen auf richterlichen Beschluss in die JVA Amberg.

Den 14-Jährigen lieferte die Bundespolizei beim Jugendamt in Weiden ab. Dort hielt es ihn freilich nicht lange. Bereits nach wenigen Tagen hatte er sich der Aufsicht des Amtes entzogen - um in Hamburg erneut straffällig zu werden. Er kam in die Obhut des Kinder- und Jugendnotdienstes, doch auch aus der flüchtete er schnell. Die Hamburger Justiz fahndet jetzt nach ihm.
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