Zweieinhalb Jahre Haft für Weidener (24) - Gericht ordnet Unterbringung in Therapie an
V-Mann lässt Dealer auffliegen

Weiden. (rns) Im Zug der Ermittlungen gegen eine Reihe von Drogenkonsumenten und -händlern im Raum Weiden stieß die Polizei auch auf einen 24-Jährigen. Dessen Telefon wurde in der Folge abgehört, ein sogenannter V-Mann nahm Kontakt mit ihm auf. Vor gut einem Jahr kaufte der verdeckte Ermittler dann 5,87 Gramm Crystal bei dem Weidener.

Zum Aufbau einer längerfristigen "Geschäftsbeziehung" überließ dieser dem Polizisten auch seine Mobilfunknummer. Über dieses Telefon vereinbarten beide eine Rauschgiftlieferung von 26 Gramm für 2000 Euro. Dies brachte dem Russlanddeutschen eine Anklage wegen Handels mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge ein. Am Dienstag verurteilte das Schöffengericht unter Vorsitz von Amtsgerichtsdirektor Gerhard Heindl den Arbeitslosen zu zweieinhalb Jahren Freiheitsstrafe.

Bei der Durchsuchung der elterlichen Wohnung und weiterer Wohnungen, in denen sich der Verdächtige damals häufig aufgehalten hatte, fand die Polizei neben Drogen und einem Elektroschocker auch eine "AK 47", eine sogenannte Kalaschnikow, berichtete ein Kriminalhauptkommissar im Zeugenstand. Er erzählte auch von den Ermittlungen gegen den Ring von Klein-Dealern mit albanischer, türkischer und italienischer Staatsangehörigkeit.

Schlechtes Gedächtnis

Nach weiteren Zeugenaussagen stellte sich heraus, dass der Angeklagte mit einem schon vor einiger Zeit verurteilten Komplizen mindestens zehnmal Methamphetamin konsumiert hatte. Dieser war auch bei dem Verkauf auf einem Parkplatz nahe der Frauenrichter Straße dabei gewesen, erinnerte sich jedoch kaum noch daran. Vielleicht lag dies am damaligen Rauschgiftkonsum. "Wir waren alle schwer abhängig. Ich habe meinen ganzen Lohn in Drogen umgesetzt", sagte der 25-jährige, der in der Folge Arbeitsplatz und Führerschein verlor. Landgerichtsarzt Dr. Bruno Rieder bestätigte, dass der Angeklagte behandlungsbedürftig sei und empfahl die Unterbringung in der Psychiatrie. Die Therapiezeit dürfte etwa 24 Monate betragen.

Staatsanwalt Rene Doppelbauer sagte im Plädoyer, der Angeklagte sei nach dem Ergebnis der Telefonüberwachung "Anlaufstelle für diverse Konsumenten" gewesen. Für den Verkauf der knapp 6 Gramm, das Scheingeschäft über die größere Menge und die zehnmalige Überlassung von je 1 Gramm an den 25-Jährigen forderte Doppelbauer drei Jahre Haft. Erschwerend wirkten sich elf Vorstrafen wegen Körperverletzung, Diebstahls, räuberischer Erpressung, Waffen- und Drogenbesitzes aus.

Die beiden Verteidiger, die Rechtsanwälte Tobias Konze (Weiden) und Peter Hofmann (Regensburg), werteten den Scheinhandel als minder schweren Fall, weil es ja nicht zur Ausführung gekommen sei und die Vereinbarung von der Polizei provoziert worden war. Sie hielten 20 Monate für ausreichend. Die Unterbringung in einer Therapie hielten alle für angezeigt. Richter Heindl und die Schöffen ordneten sie im Urteil an.
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