Zwischen Hass und Hilfe

Die Emotionen in der Bevölkerung gehen offenbar weit auseinander, wenn es um Asylsuchende geht. Bei "Weiden ist bunt" hat man sowohl Hass als auch Hilfsbereitschaft festgestellt. Das Bündnis will in Sachen Intoleranz gegensteuern.

"Weiden ist bunt" will künftig auch Leuten erreichen, die Asylsuchende ablehnen, indem es für diesen Personen gegenüber verstärkt Öffentlichkeitsarbeit leistet. Als Plattform könne man sich Sondersendungen auf "Ramasuri" vorstellen, hieß es am Dienstagabend bei der Jahreshauptversammlung im Schülercafé.

Wie Peter Hofmann, Gewerkschaftssekretär der DGB-Region Oberpfalz, berichtete, sei der Unmut in der Bevölkerung groß. Hartz-IV-Empfänger, Jugendliche und Rentner bliesen in den Wirtshäusern ins selbe Horn, sagte Hofmann. Er sprach von einem "Bereich, der ziemlich extrem" sei. "Der Hass ist erschreckend."

Thema gut angenommen

"Wir sind ganz gewaltig gefordert", glaubte Hofmann. Bündnissprecher Veit Wagner beobachtete im Gegenteil viel positive Stimmung in der Bevölkerung. Er spüre eine große Bereitschaft der Bürger, zu helfen. In seinem Rückblick ließ Wagner noch einmal die "Wochen der Toleranz" Revue passieren. Das Thema "bunt sein" sei gut angenommen worden.

Erinnert wurde an den Vortrag des Vorsitzenden des NSU-Untersuchungsausschusses, MdL Franz Schindler (SPD), 125 Jahre Synagoge Weiden oder das Tanztheater Rollywood. Etwas ins Stocken geraten sei das Projekt "Gesicht zeigen". Erst wenige Personen hätten sich bereiterklärt, sich fotografieren zu lassen.

Geplant sei ein großes Transparent mit den Gesichtern Weidener Bürger, das ab 12. Februar an der Frontseite des Neuen Rathauses im Rahmen einer Ausstellung befestigt werden solle. Nun wolle man verstärkt an Parteien, Firmen und Vereine herantreten. Bilder geschossen wurden beim "Kunstgenuss bis Mitternacht", Herbst- und Kinderbürgerfest.

Vielleicht könne man Betriebe motivieren, indem man ihnen nach Ende der Ausstellung die Collagen mit ihren Mitarbeitern für innerbetriebliche Zwecke überlasse. Es gehe um Toleranz. Darum, dass die Bürger Mut zeigen sollten. "Man muss präsent bleiben", sagte Wagner. "Die Leute, spricht man sie an, verhalten sich meist sehr aufgeschlossen."

Im Moment laufe die Aktion "Tabus brechen". Für den 27. Januar sei ein Vortrag mit Pfarrer Dr. Volker Wappmann über die Befreiung von Auschwitz geplant. Am Samstag, 15. November, will das Bündnis mit Bussen zur Demonstration gegen einen Neonazi-Aufmarsch in Wunsiedel fahren. Die Szene sei groß. In der Oberpfalz seien 245 rechtsradikale Personen registriert. Die Vorstandschaft des verbotenen Freien Netz Süd habe sich jetzt mit der im September 2013 gegründeten rechten Partei "Der dritte Weg" vernetzt. Viele Klein- und Kleinstgruppen seien unterwegs.

Herbert Schmidt brachte das Thema unbegleitete minderjährige Flüchtlinge ins Spiel. Die Behörden versagten auf der ganzen Linie, sagte er. Man könne doch nicht pubertierende Jugendliche in alten Wirtshäusern irgendwo in der Pampa unterbringen. Dass die irgendwann ein Ventil brauchten, sei völlig normal.

Brigitte Schwarz erklärte sich bereit, zusammen mit anderen Helfern bei Weidener Geschäften anzufragen, ob sie dem Bündnis eine Spende zukommen lassen würden. Ferner soll ein Flyer erstellt werden, der die Anliegen des Bündnisses weiter verbreitet. Astrid Wieland regte einen regelmäßigen Stammtisch an. Der neugewählte Sprecherrat: Geschäftsführerin Raimunda Brusokaite, Sprecher Veit Wagner, Sebastian Flaschel, Tanja Koller, Patricia Meyer und Brigitta Schultz.
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