Zwischen Sparen und Wachsen

Der Sparzwang besteht weiter. Für mich ist ganz klar: Es darf keine Neuverschuldung geben.

Weiden wächst wieder: Entgegen aller Trends steigt die Einwohnerzahl. Für Oberbürgermeister Kurt Seggewiß "eine erfreuliche Entwicklung". In einem Ausblick auf das kommende Jahr erwartet er ebenfalls einige Lichtblicke - aber auch schwere Entscheidungen.

Rund 42 500 - so viele Einwohner zählt Weiden laut OB Kurt Seggewiß momentan. Nach vielen Jahren der Schrumpfung beziehungsweise Stagnation wäre das ein deutlicher Anstieg um fast 800 Einwohner im Vergleich zum Dezember 2013. "Es ist ein Zuwachs durch Zuzug", erklärt Seggewiß. Allerdings sei dafür nicht das neue Bataillon in der Ostmarkkaserne verantwortlich. Vielmehr seien die Neuen zum einen Senioren, die im Alter die Vorteile einer Stadt zu schätzen wissen. Zum anderen Jüngere, die hier Arbeit gefunden haben.

Mehr Kinderbetreuung

Für die Stadt bedeute das, diese Entwicklung mit der Umsetzung des Demografiekonzepts positiv zu begleiten. Verbunden damit sei unter anderem der Ausbau von Betreuungseinrichtungen für Kinder. Aber auch die Schaffung einer Willkommenskultur. "Es sind die sogenannten weichen Faktoren, die eine Stadt attraktiv machen."

Mit Willkommenskultur hat auch ein weiteres Thema zu tun, das Seggewiß in einem Ausblick für 2015 aufzählt: Die Stadt müsse daran mitwirken, dass die Bürger - wie jetzt schon - Flüchtlinge offen aufnähmen. Denn neue kämen. "Ich schätze, es werden gut 200 weitere im Laufe des Jahres." Damit gehe auch die Suche nach Unterkünften für einige der Flüchtlinge weiter. Allerdings nicht mehr in so großen Maßstäben wie damals, als die Mehrzweckhalle als Quartier im Gespräch war. Vielmehr gehe es um dezentrale Unterbringung.

Auch die Suche nach zusätzlichen Räumen mag eine Herausforderung sein. Letztlich überwiegt für Seggewiß jedoch das Positive, wenn gerade junge Flüchtlinge nach Weiden kommen, die dann hier das Bildungssystem durchlaufen und womöglich bleiben: "Das ist für mich eine Riesenchance."

An Ausgaben ran

Chancen sieht das Stadtoberhaupt auch in zwei anderen Großthemen, welche die Stadt aus seiner Sicht weiter begleiten werden. Einerseits das Einkaufszentrum, bei dem es in den kommenden Monaten um die Umsetzung des angebotsbezogenen Bebauungsplanes gehen werde.

Andererseits das Gewerbegebiet West IV. Hier gelte es, die Machbarkeit zu prüfen. Also auszuwerten, was zum Beispiel für den Hochwasserschutz nötig ist - und was er kostet. Entsprechend sei auch zu klären, ob die Stadt das Gewerbegebiet selbst stemmt. Oder ein Tochterunternehmen oder ein Investor. Erste Arbeiten im Pressather Forst werde es aber noch nicht geben, die seien eher 2017 zu erwarten. Erwartbar ist freilich auch, dass die Finanzen ein Dauerbrenner bleiben. "Der Sparzwang besteht weiter. Für mich ist ganz klar: Es darf keine Neuverschuldung geben." Vielmehr sei "der Schuldenabbau Kernaufgabe". Wobei das mit anderen Mitteln gelingen soll als noch im Jahr 2014, als Gebühren und Steuern erhöht wurden. "Wir haben an der Gebührenschraube genug gedreht, jetzt müssen wir unseren Blick auf die Ausgaben schärfen."

Grundschulen im Blick

Was das konkret bedeutet, ist freilich noch unklar. Eine Möglichkeit könnte aber einigen Eltern sauer aufstoßen: Seggewiß verweist darauf, dass sich die Stadt bald intensiv mit der Entwicklung der Schülerzahlen und den Grundschulen beschäftigen solle. Dass dann am Ende die Schließung einer Grundschule steht, sei durchaus möglich. Welche das sein könnte, "ist aber völlig offen".

In jedem Fall ist der Spielraum auch für schwere Entscheidungen nach Seggewiß' Einschätzung größer als noch 2014. Weil keine Wahlen mehr anstehen. "Der Kampf", wie der OB es nennt, sei vorbei - und damit seien alle Seiten im Stadtrat wieder kompromissbereiter. Heißt wohl umgekehrt: Der Kampf gegen Schulden geht noch heißer weiter.
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