Zu Gast in der Redaktion
Juso-Chefin Johanna Uekermann fordert mehr "klare Kante"

Die Juso-Bundesvorsitzende Johanna Uekermann beim Besuch im Medienhaus "Der neue Tag". Bild: Götz (Foto: Gerhard Götz)
 
Die Juso-Bundesvorsitzende Johanna Uekermann beim Besuch im Medienhaus "Der neue Tag". Bild: Götz (Foto: Gerhard Götz)

Die Frau ist nicht zu beneiden. Als "konsequent unsolidarisch und wirklichkeitsfern" wurde sie schon bezeichnet, als "unlogisch" und "unklug". Und das sind nur die Kritiker aus der eigenen Partei. Für Juso-Chefin Johanna Uekermann ist der Hauptgegner ohnehin ein ganz anderer.

Gabriel, Steinmeier, Scholz oder Nahles - wer soll's richten bei der Bundestagswahl 2017, wer soll gegen Angela Merkel antreten? Und: Wie umstritten ist der Parteichef derzeit eigentlich? Um diese Fragen kommt auch die 28-jährige Jungsozialistin bei ihrem Besuch in der Redaktion nicht herum. Wie zu erwarten bleibt die gebürtige Niederbayerin im Gespräch mit den Redakteuren Albert Franz, Alexander Pausch und Frank Stüdemann vorsichtig: "Die Lage ist nicht einfach, und das ist in der SPD auch allen klar. Die Probleme der Partei gehen aber tiefer und betreffen nicht nur das Führungspersonal." Auch deshalb gehe ihr die aktuelle Personaldiskussion "mega" auf die Nerven.

Es fehle derzeit das deutliche sozialdemokratische Profil, es fehle an "klarer Kante" und Visionen für die Zukunft. Themen wie soziale Gerechtigkeit und der Kampf gegen die Altersarmut gehörten nach wie vor zur SPD, und das müsse man endlich wieder deutlich machen - Zeit bis zur Bundestagswahl sei genug. "Für mich ist klar: Ich führe den Verteilungskampf nicht zwischen mir und meiner Oma, sondern man muss ihn zwischen oben und unten führen."

Dass die Große Koalition mit der Union die Ausgangslage für die Sozialdemokraten nicht gerade erleichtert, gibt Uekermann zu und betont einmal mehr, dass sie von Anfang an gegen das Bündnis war. "Allerdings nicht aus prinzipiellen Gründen, sondern weil ich finde, dass mit der Union keine soziale Politik und vor allem keine Politik für junge Menschen möglich ist - Merkel regiert an den jungen Leuten und damit an der Zukunft vorbei." Es gelinge der SPD nicht, die eigenen Erfolge in der Regierungsarbeit herauszustellen und deutlich zu zeigen, wo sie zu Kompromissen mit der Union gezwungen war. Aber: "Man wird nicht dafür gewählt, was man gemacht hat, sondern dafür, wo man hin will." Oder wo man eben gerade nicht hin will: "Ich wünsche mir die deutliche Ansage der Parteispitze: Wir wollen keine Große Koalition mehr. Das wäre ein Anfang." Auch der Abbruch der TTIP-Verhandlungen zwischen der EU und den USA wäre aus Sicht der Jusos ein deutliches Zeichen: "Die Mehrheit in der SPD ist gegen TTIP."

Kampf gegen die AfD


Trotzdem sieht die Juso-Chefin nicht im Koalitionspartner den Hauptgegner: "Der Kampf gegen die AfD und für eine offene Gesellschaft ist für uns auf Bundesebene derzeit das Hauptthema." Die sogenannte Alternative für Deutschland werde von vielen fälschlicherweise noch immer als "ganz normale demokratische Partei" wahrgenommen, dabei seien einige ihrer Positionen "völkisch, nationalistisch und teils rassistisch". Im Bündnis "Aufstehen gegen Rassismus" wollten die Jusos der aufgeheizten gesellschaftlichen Stimmung entgegenwirken, die Uekermann als "sehr gefährlich" bezeichnet und von der sie direkt betroffen ist: "Ich erhalte öfters Mord- oder Vergewaltigungsdrohungen", sagt sie. "Die Verrohung hat enorm zugenommen."

Trotz allem gebe es nach ihrem Empfinden aber auch eine wachsende Offenheit gegenüber der Zuwanderung von Flüchtlingen, und gerade über die Flüchtlingshilfe fänden verstärkt junge Menschen den Weg zur SPD. Das gibt wohl Hoffnung für die Zukunft der eigenen Partei - ganz egal, wer für sie in künftige Wahlkämpfe zieht.
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