195 Bürger protestieren gegen Stationsoffensive
Bahn-Halt: Kein feiner Zug

Was nun? Die Absicht der Bahn, im Hammerweg einen Haltepunkt zu etablieren, löst bei den Bürgern und Stadträten große Unruhe aus. Bilder: Wieder (2)
Politik
Weiden in der Oberpfalz
19.05.2016
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Kurz vor 18 Uhr. Das Vorfeld des Kinderspielplatzes Hammerweg füllt sich immer mehr mit den Anwohner aus dem Stadtteil. Sie äußern dann auch ihre Befürchtungen, die der geplante Bahn-Halt bei ihnen auslöst.

Die Aufregung um den "Bahn-Halt" im sonst so beschaulichen Hammerweg ist nicht zu stoppen. 195 Bürger protestierten am Mittwochabend gegen das "sinnfreie Vorhaben" der Bayerischen Eisenbahngesellschaft. Eltern fürchten um den Kinderspielplatz, Grundstücksbesitzer um den Wert ihrer Immobilien, Anlieger um ihre Ruhe.

Der CSU-Ortsverband Hammerweg nahm sich der Sorgen der Anwohner an und lud zum Ortstermin. Schnell wird klar, dass bisher keiner weiß, wo dieser Bahn-Halt genau liegt: In den Unterlagen der Vermessungsingenieure, die seit Tagen entlang des Bahndamms unterwegs sind, steht "Haltepunkt Erlenweg". Im Schreiben der Bayerischen Eisenbahngesellschaft an die Stadt Weiden ist die Unterführung Ulmenweg/Dr. Kilian-Straße als Haltepunkt ausgewiesen. In anderen Plänen wird ein Bahn-Halt südlich Eichenstraße genannt. Ja nun, wo denn?

"Es ist auch so schön hier. Wir brauchen keinen Bahnhof. Wir wollen keinen Bahnhof", sagt Jürgen Schönig - und erhält Beifall im weiten Rund. Bilder und Transparente am Zaun des Spielplatzes machen Bürgern, Stadträten und dem Bundestagsabgeordnetem Albert Rupprecht die Stimmung der Anwohner deutlich: "Kein Mensch, nur die Bahn, will diesen Haltepunkt."

Spielplatz muss bleiben


Gerhard Hegner vom CSU-Ortsverband versichert, bisher gebe es nur Infos, aber keine Entscheidung über den Bahnhof. Die Anwohner machen andere Erfahrungen. Die Vermesser, die im Auftrag der BEG unterwegs sind, lassen keinen Zweifel. "Sie sagen: Wir bauen." Hegner warnt vor weiterem Verkehrsaufkommen im Hammerweg, der eine große Sackgasse, ein Kopfbahnhof, sei. CSU-Stadtrat Hans Blum erklärt, dass der Kinderspielplatz - "der einzig vernünftige am Hammerweg" - und die Bushaltestelle "tabu" sein müssten.

CSU-Kreischef und Stadtrat Stephan Gollwitzer kann zumindest einige Fragen der Bürger beantworten, die sich trotz aller Emotionen sehr diszipliniert verhalten. Nach den Planungen von Konzernbevollmächtigtem Klaus-Dieter Josel entstehen bei der Stationsoffensive in Bayern 20 neue Bahnhaltepunkte, die im Dezember 2021 betriebsbereit sein sollen. Die Bahn wolle durch ihr erweitertes Angebot zusätzliche Fahrgäste gewinnen. In Weiden-Nord habe sie vor allem die Mitarbeiter im angrenzenden Gewerbegebiet im Auge. Sie rechne mit 250 Zustiegen pro Woche.

Klaus Weihermüller, Hans-Jürgen und Marcus Rudnik, Paul Grötsch (Vorsitzender der EAW-Siedler) sowie mehrere Frauen zweifeln am Sinn des Haltepunktes. Es gebe dafür keinen Bedarf. Die Zahlen der Bahn seien realitätsfremd und damit Makulatur. Es gebe für den Hammerweg keine Vor-, sondern nur Nachteile, etwa mehr Lärm durch bremsende und anfahrende Züge und die Lautsprecherdurchsagen. Es fehlten bisher jegliche Aussagen zur Infrastruktur. So seien zwar überdachte Radabstellplätze (muss die Stadt bezahlen), aber keine Parkplätze vorgesehen.

Selbst Grünen-Fraktionschef Karl Bärnklau stellt fest: "Das Konzept ist nicht schlüssig." Deshalb habe er im Stadtrat gegen weitere Untersuchungen gestimmt. Auch Rupprecht räumt ein: "Es gefällt mir nicht, was hier läuft." Zugleich betont er: "Ich bin nicht die Stelle, die entscheidet. Ich kann nur die Argumente mitnehmen." Alle Bürger, die ihre E-Mail-Adresse hinterlassen, werden vom Abgeordneten-Büro Rupprecht laufend informiert.

Bahn zerlegt Naturdenkmal


Die CSU will im Stadtrat klären, wie die Zuständigkeiten geregelt sind und ob die Stadt den Haltepunkt verbindlich ablehnen kann. "Es will ihn keiner. Wir nehmen die Stadträte in die Pflicht", kündigt Jürgen Schönig an." Ungute Gefühle löst das "sonstige Verhalten der Bahn" aus. Irmi Eckel-Schönig betont, dass der Bahn-Halt ein ausgewiesenes Naturdenkmal zerstören werde. Die Bahn habe diesen uralten Birkenhain entlang des Bahndammes an einigen Stellen "schon stillschweigend zerlegt". Und das ist kein feiner Zug.
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