AfD-Star Wiebke Muhsal spricht in Kaltenbrunn
Bunt mit AfD-Blau

AfD-Kreisvorsitzender Roland Magerl und Parteifreundin Wiebke Muhsal, stellvertretende Fraktionsvorsitzende im Thüringer Landtag. Bild: Herda
Politik
Weiden in der Oberpfalz
25.11.2016
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Ein wenig absurd ist das Theater schon, das Kaltenbrunn am Freitagabend trennt: Auf der einen Seite der Veranstaltungsort der AfD, auf der anderen die Lichterkette dagegen - gegenseitiges Anglotzen ohne Feindberührung.

Kaltenbrunn. Es soll um Familienpolitik gehen im Gasthaus am Marktplatz. Wer wie Werner Meier, stellvertretender AfD-Landesvorstand in Bayern, befürchtete, man müsse mit Wiebke Muhsal, dem Gast aus Thüringen, unter sich bleiben, sah sich getäuscht. Gut 80 Leute füllen den Saal im ersten Stock und "das ganz ohne Werbung".

Das Publikum: So bunt gemischt, dass vielleicht sogar die Protestaktion "Kaltenbrunn ist bunt" seine Freude daran hätte. Von der jungen Mutter, die sich ungerecht behandelt fühlt, über einen geschiedenen Mann, der sich von seiner Ex und dem Staat betrogen fühlt bis zum 69-jährigen Möbelunternehmer, der sich einfach nicht vorstellen kann, dass junge muslimische Männer integrierbar sind.

Eine unscharfe Trennlinie verläuft auch zwischen den Funktionären: Da ist auf der einen Seite Roland Magerl, ein von der Sozialpolitik der Großen Koalition enttäuschter Betriebsrat. Der Kreisvorsitzende spricht, wie er aussieht: ruhig, bedacht, ohne scharfe Töne. "Meiner Meinung nach gehört zu einem bunten Kaltenbrunn auch das AfD-Blau - damit werden sich manche abfinden müssen."

Auf der anderen Seite der Skala Christian Paulwitz vom Kreisverband Regensburg, der in seine wenigen Sätze alle bekannten Feindbilder packt: den sozialistischen und den Gender-Mainstream, der seiner Auffassung nach auch Bayerns hohen Bildungsstandard gefährde.

Irgendwo dazwischen bewegt sich Muhsal, die 30-Jährige Berufspolitikerin aus Thüringen, die mit einem stramm konservativen Familienentwurf eine legitime politische Position begründet:

  • Sie möchte Vater und Mutter in den Mittelpunkt der Familienpolitik stellen und sie finanziell entlasten.

  • Akzeptanz-Programme gegenüber anderen Lebensentwürfen (gleichgeschlechtliche Paare, Patchworkfamilien, Alleinerziehende) sollen aus Bildungsplänen gestrichen werden.

  • Sexualaufklärung im Kindesalter widerstrebt der dreifachen Mutter.

Die Diplomjuristin ist überzeugt, dass die Politik für die zu geringe Geburtenrate verantwortlich ist: Konrad Adenauers "Kinder kriegen die Leute immer"-Credo habe die eigentlich geplante zweite Säule der Rentenversicherung torpediert: eine Kinder- und Jugendrente.

Es sind nicht diese Punkte, für die Muhsal den lautesten Applaus bekommt. Es sind Sätze wie "Bei der illegalen Einwanderung reichen sich alle Altparteien die Hand", bei denen Stimmung aufkommt.

Zum Schluss bleibt offen, wohin sich die AfD treiben lässt: Zum zornigen Linkenhasser, der sich "Rassist? and proud of it" aufs T-Shirt drucken lassen will - oder zum Anwalt der kleinen Leute, egal welcher Herkunft.

12 Kommentare
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Rainer A. aus Weiden in der Oberpfalz | 26.11.2016 | 10:52  
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Hans Reichl aus Weiherhammer | 28.11.2016 | 11:58  
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Ali Zant aus Weiden in der Oberpfalz | 28.11.2016 | 14:46  
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Olaf Pusch aus Zell | 29.11.2016 | 00:04  
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Olaf Pusch aus Zell | 29.11.2016 | 00:19  
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Ali Zant aus Weiden in der Oberpfalz | 29.11.2016 | 10:11  
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Olaf Pusch aus Zell | 29.11.2016 | 16:24  
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Olaf Pusch aus Zell | 29.11.2016 | 16:26  
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Ali Zant aus Weiden in der Oberpfalz | 29.11.2016 | 16:51  
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Olaf Pusch aus Zell | 29.11.2016 | 18:54  
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Ali Zant aus Weiden in der Oberpfalz | 30.11.2016 | 08:51  
Alexander Unger aus Amberg in der Oberpfalz | 30.11.2016 | 08:52  
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