Alle zwei Monate in der Oberpfalz

Der scheidende US-Generalkonsul William E. Moeller ist Ehrengrenadier des Panzergrenadierbatailonns 122 in Oberviechtach. So oft es ging besuchte er die Garnisonsstadt und das dort aufgestellte 9/11-Mahnmal. Es ist einmalig in Deutschland. Bild: Huber

Kein US-Generalkonsul war öfter in der Oberpfalz als William E. Moeller. Wenn er nicht dienstlich kam, dann privat. Nun verlässt er München in Richtung Washington: Bayern und die Oberpfalz werden ihm fehlen, sagt der Diplomat.

Rund 125 000 Kilometer mit dem Dienst- und 45 000 Kilometer mit dem Privatwagen sowie etliche hundert Kilometer mit dem Fahrrad immer durch Bayern: In seinen drei Jahren in München zog es US-Generalkonsul William (Bill) E. Moeller hinaus aus der Landeshauptstadt. Dutzende Male führte sein Weg in der Oberpfalz: Fünfmal nach Grafenwöhr, je viermal nach Oberviechtach und Hohenfels sowie dreimal nach Vilseck. Durchschnittlich war er alle zwei Monate in der Region. Am Freitag ist sein letzter Arbeitstag in München. Im Interview blickt er zurück.

Nach drei Jahren verlassen Sie München. Was werden Sie an Bayern am meisten vermissen?

Moeller: Da sind zum einen das Oktoberfest, die Biergärten und die Berge. Ich mag die bayerische Gemütlichkeit und die Bergwelt mit ihren atemberaubenden Panoramen sehr. Ich liebe all die großartigen Outdoor-Aktivitäten in Bayern - Skifahren, Radfahren, Wandern, Schwimmen etc. Zum anderen werden mir die Besuche bei den Soldaten fehlen. Schließlich war ich selbst einmal als junger Offizier in Bayern stationiert. Nirgendwo sonst ist die Kooperation zwischen den Streitkräften zweier Länder so eng wie die zwischen unseren Nationen hier in Bayern. Ohne Bayerns Bereitschaft, die Übungsplätze Hohenfels und Grafenwöhr, Truppen und Familienangehörigen zu beherbergen, wäre es kaum vorstellbar, wie wir die Nato aufrechterhalten könnten. Daher könnte man argumentieren, dass sich das transatlantische Sicherheits-Bindeglied, das die Vereinigten Staaten und Europa verbindet, hier in Bayern befindet. Bei der Münchener Sicherheitskonferenz versammeln sich Jahr für Jahr Staats- und Regierungschefs sowie Außen- und Verteidigungsminister im Hotel Bayerischer Hof. Das war ein weiteres Highlight, immer gleich zu Beginn des Jahres, das mir in Zukunft fehlen wird.

Bleiben Sie Bayern verbunden?

Moeller: Bayern wird immer einen besonderen Platz in meinem Herzen haben. Wir haben hier viele nette Menschen kennengelernt und Freundschaften geknüpft. Das letzte Jahr hat die ganze Familie in München verbracht - endlich waren wir einmal wieder komplett versammelt. Mein jüngster Sohn ist in München zur Schule gegangen, meine Tochter hat hier studiert.

Sie sind Ehrengrenadier des Panzergrenadierbataillons 122 in Oberviechtach. Bedeutet das, Sie werden auch künftig regelmäßig in die Oberpfalz kommen?

Moeller: Es war eine besondere Ehre für mich, zum Ehrengrenadier des Bataillons ernannt worden zu sein. Zertifikat und Barett werden seither im Konsulat ausgestellt. Ich plane, so oft wie möglich nach Bayern, natürlich auch in die Oberpfalz, zurückzukehren, aber die Häufigkeit meiner Besuche wird von meinen zukünftigen Aufgaben abhängen.

In ihre Amtszeit in München fällt die NSA-Affäre. Hat das ihre Arbeit erschwert?

Moeller: Die Vereinigten Staaten und Europa sind durch eine schwierige Phase ihrer Beziehung gegangen - daran besteht kein Zweifel. Aber unsere Beziehung hat in der Vergangenheit weitaus größere Spannungen erlebt, und wir haben sie immer überdauert. Genau um mit dieser Art von Herausforderungen umzugehen, haben wir hier ein Konsulat. Die Enthüllungen Edward Snowdens haben eine Diskussion um die transatlantischen Beziehungen angestoßen. Ich denke, das ist generell eine gute Sache. Denn wir dürfen diese historisch gewachsenen Beziehungen nicht als selbstverständlich betrachten. Sie brauchen kontinuierlich Aufmerksamkeit und Pflege. Die Pflege der bayerisch-amerikanischen Beziehungen habe ich als meine wichtigste Aufgabe erachtet. Letztendlich bin ich mir sicher, dass das, was uns verbindet, viel wichtiger und bedeutender ist als das, was uns trennt.

Welche Erwartungen haben Sie an ihre neue Aufgabe in Washington?

Moeller: Ich werde für das Büro des Handelsbeauftragten, das Teil des Executive Office des Präsidenten der Vereinigten Staaten ist, arbeiten. Dass der Handelsbeauftragte direkt für den Präsidenten arbeitet, zeigt, wie ernst wir die Förderung von freiem und fairen Handel sowie Investitionen nehmen. Damit werde ich mich ein Stück weit auf vertrautem Terrain bewegen, denn es wird bei meiner Arbeit vorrangig um das Freihandelsabkommen TTIP gehen. Das ist für mich eine Herzensangelegenheit, denn ich weiß, dass der zukünftige Wohlstand auf beiden Seiten des Atlantiks von einem erfolgreichen Abschluss des Abkommens abhängt. TTIP ist die Chance für Europäer und Amerikaner, globale Standards für freien und fairen Handel und Investitionen zu setzen. Wenn wir es versäumen zu handeln, werden die Standards von anderen gesetzt, und dann wahrscheinlich zu unserem Nachteil.
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