Alterssicherungsbericht 2016 der Bundesregierung
Durchschnittsrente um die 1000 Euro

Symbolbild: dpa
Politik
Weiden in der Oberpfalz
16.11.2016
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"Bereits heute sind mehr als 122 000 Rentner in Bayern auf Grundsicherung angewiesen." Zitat: Peter Hofmann, DGB-Regionalsekretär

"Ein bayerischer Koch, der heute nach 40 Arbeitsjahren und Bezahlung nach Tarifvertrag in Rente geht, erhält 830 Euro", erklärt DGB-Regionssekretär Peter Hofmann das sinkende Rentenniveau. "Im Vergleich dazu müsste ein Koch mit derselben Erwerbsbiografie, der im Jahr 2030 in Rente geht, mit rund 85 Euro weniger auskommen." Eine Krankenschwester im öffentlichen Dienst müsse im selben Zeitraum auf mehr als 100 Euro verzichten. Sie käme nur noch auf rund 880 Euro durchschnittliche gesetzliche Rente.

Auch die Bundesregierung warnt im Alterssicherungsbericht 2016, in dem sie alle vier Jahre Auskunft über die Lage der Rentner geben muss, vor drohender Altersarmut. Viele Bürger würden im Ruhestand nicht ausreichend finanziell abgesichert sein, sollten sie nicht selbst mehr für ihre Altersvorsorge tun.

Der DGB Oberpfalz warnt und verlangt deshalb einen Kurswechsel in der Rentenpolitik. "Männer, die 2015 in der Oberpfalz erstmals eine gesetzliche Altersrente bezogen haben, erhielten im Schnitt 1067 Euro pro Monat", sagt Hofmann. "Frauen mussten mit durchschnittlich 553 Euro auskommen."

Die deutlich niedrigere Durchschnittsrente der Frauen sei unter anderem auf ihre niedrigere Erwerbsbeteiligung zurückzuführen. "Zudem sind sie wesentlich häufiger mit reduzierten Arbeitszeiten und dem sich ausweitenden Niedriglohnsektor konfrontiert", sagt Hofmann.

Durchschnittliche Rente 2015:

Landkreis Regensburg: Männer 1104 Euro - Frauen 568 Euro

Landkreis Schwandorf: Männer 1089 Euro - Frauen 539 Euro

Landkreis Neustadt/WN: Männer 1045 Euro - Frauen 593 Euro

Landkreis Tirschenreuth: Männer 1067 Euro - Frauen 493 Euro

Stadt Regensburg: Männer 889 - Frauen 632 Euro

Stadt Amberg: Männer 1013 Euro - Frauen 587 Euro

Stadt Weiden: Männer 943 Euro - Frauen 578 Euro

Deutliche Abweichungen von diesen Durchschnittswerten nach unten seien keine Seltenheit. "Und das, obwohl die gesetzliche Rente für viele die wichtigste Versorgungsform im Alter, wenn nicht sogar die einzige darstellt", kritisiert der DGB-Regionssekretär. Das Rentenniveau sinke seit Jahrzehnten. Habe es im Jahr 2000 noch bei knapp 53 Prozent gelegen, so werde es 2016 nur noch rund 48 Prozent betragen. "Ohne neue rentenpolitische Weichenstellungen wird dieser Wert auf 43 Prozent im Jahr 2030 abgesenkt."

Unter der Grundsicherung


Besonders hart treffe der Sinkflug der Rente Menschen mit kleinen Einkommen. "Sie laufen Gefahr, Rentenansprüche zu erwirtschaften, die unterhalb der Grundsicherung liegen", sagt Hofmann. "Bereits heute sind mehr als 122 000 Rentner in Bayern auf Grundsicherung angewiesen. Seit 2007 ist das ein Anstieg um rund 36 000 Menschen.

"Wir müssen unser Rentensystem nachhaltig sichern", fordert der Gewerkschafter. Der DGB schlage vor, den Beitragssatz schrittweise anzuheben - auf 22 Prozent bis 2030. Zudem müssten gesamtgesellschaftliche Aufgaben wie die "Mütterrente" aus Steuermitteln statt aus Beitragszahlungen der Versicherten finanziert werden. Die Mütterrente koste die Versicherten sieben Milliarden Euro pro Jahr. "Damit wäre eine Rentenpolitik, die ein würdevolles Leben im Alter sichert, möglich", betont Hofmann.

Krank in die Frührente


Um das Rentenniveau nachhaltig zu stabilisieren, müsste der Niedriglohnsektor und die fortschreitende Prekarisierung begrenzt und der betriebliche Gesundheitsschutz ernst genommen werden. Viel zu viele Menschen in der Oberpfalz schaffen es nicht mehr gesund bis ins Rentenalter. Die Folgen seien lebenslange Abschläge und damit niedrigere Renten. "Das werden wir nicht hinnehmen", stellt Hofmann fest.

Bereits heute sind mehr als 122 000 Rentner in Bayern auf Grundsicherung angewiesen.Peter Hofmann, DGB-Regionalsekretär
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Ali Zant aus Weiden in der Oberpfalz | 17.11.2016 | 11:03  
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