Antrag des Rothenstädter Rektors löst Betroffenheit aus
Hilferuf aus "ländlicher" Grundschule

Symbolbild: dpa
Politik
Weiden in der Oberpfalz
30.06.2016
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"Die Schule ist halt nicht mehr wie die vor 10, 20 Jahren." Zitat: Rektor Christian Kauschinger

Der Antrag des Schulleiters klingt offenbar so dramatisch, dass sich Bürgermeister Lothar Höher als "erschüttert" beschreibt. Jugendamtsleiterin Bärbel Otto erkennt zwischen den Zeilen einen "Hilferuf". Sie liest die Schilderung von Christian Kauschinger, Rektor der Hans-Sauer-Grundschule in Rothenstadt, dem Jugendhilfeausschuss in Auszügen vor. In allen Jahrgangsstufen herrschten demnach Zustände, die "einen geordneten Unterrichtsablauf unmöglich machen". Wie das genau aussieht? Auf NT-Nachfrage will sich der Schulleiter nicht konkret äußern. "Die Schule ist halt nicht mehr wie die vor 10, 20 Jahren", sagt er. "Die Probleme der Gesellschaft kommen in der Schule an."

Bei der Bewältigung soll ein Jugendsozialarbeiter helfen, wie es ihn beispielsweise an der Albert-Schweitzer- und der Gerhardingerschule schon gibt. Eben den beantragte der Schulleiter nun bei der Stadt. Zuletzt hatte der Stadtrat Mittel bewilligt, damit als nächstes die Hammerweg- und die Rehbühlschule eine solche Fachkraft erhalten. Kauschinger sei "enttäuscht" gewesen, dass seine Bildungsstätte nicht zum Zuge gekommen sei, erzählt Bärbel Otto im Gremium. Offenbar erkannte in Rothenstadt bisher aber auch niemand einen besonderen Bedarf. Zu den geschilderten Verhältnissen bemerkt die Jugendamtsleiterin jetzt: "Und das in einer ländlichen Schule!" Ihre Überraschung will sie nicht verhehlen.

Weiter Sprengel


"Es hat sich viel entwickelt in den letzten Jahren", betont Ausschussmitglied Hans-Peter Pauckstadt-Künkler, der evangelische Pfarrer von Rothenstadt. Nicht vergessen dürfe man, dass der Sprengel weit in die Stadt hineinreiche, auch das Leimbergergebiet und vor allem das Bahnhofsviertel umfasse. 27 Prozent der Kinder hätten Migrationshintergrund, jedes Fünfte wachse in einem Alleinerziehenden-Haushalt auf. Laut Bärbel Otto ist ein Migrationsanteil von dauerhaft 20 Prozent Grundvoraussetzung für einen Förderantrag. Die wäre also erfüllt.

Josef Gebhardt (SPD) fordert diesbezüglich Auskünfte für alle Schulen. "Nicht dass der, der am lautesten schreit, am ehesten drankommt." Letztlich ist der Ausschuss aber dafür, das Anliegen des Rektors zu unterstützen. Einstimmig.

Die Hans-Sauer-Schule sei "keine Brennpunktschule", bemerkt Bärbel Otto. "Die von Herrn Kauschinger geschilderten Problemlagen und Schwierigkeiten zeigen den Alltag einer Grundschule aus einem gemischten Einzugsbereich und spiegeln damit alle Facetten unserer Gesellschaft wider." Die Einschätzung einer neuen Normalität, die Bürgermeister Höher betroffen macht.

"Es waren ja keine entsetzlichen Dinge, die ich in den Antrag geschrieben habe", beschwichtigt Kauschinger gegenüber dem NT. Warum er dann so große Betroffenheit auslöst? "Vielleicht denkt mancher noch an seine eigene Schulzeit zurück. Aber das ist lange vorbei." Er wolle da nichts dramatisieren, sagt der Rektor. "Alles, was zu sagen war, habe ich in den Antrag geschrieben. Ich kann Ihnen leider nur mit Allgemeinplätzen dienen. Wir haben Probleme wie jede andere Schule auch."

Die Schule ist halt nicht mehr wie die vor 10, 20 Jahren.Rektor Christian Kauschinger
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