Bärnklau: Stromtrassen bremsen Fortschritt
Im Zweifel gegen neue Hochspannungsleitungen

Würde der Ausbau erneuerbarer Energien ernsthaft betrieben, bräuchte es die neuen Stromtrassen nicht. Diese Ansicht vertrat Karl Bärnklau (links) bei der Evangelischen Landjugend mit Vorsitzendem Martin Beutner. Bild: rdo

Nicht wegen Windenergie sind die neuen Stromtrassen nötig, sondern wegen Kohlestrom. Zu diesem Schluss kommt Professor Dr. Lorenz Jarass von der Hochschule Wiesbaden. Grünen-Stadtrat Karl Bärnklau verarbeitete solche Erkenntnisse in einem spannenden Vortrag.

Neunkirchen. Laut Jarass sind "die zusätzlichen Leitungen von Ostdeutschland nach Bayern ausschließlich erforderlich, weil man auch bei Starkwindeinspeisung in Ostdeutschland die Kohlekraftwerke nicht herunterfahren will". Nordrheinwestfalens Wirtschaftsminister Garrelt Duin sei auch für den Ausbau erneuerbarer Energien in seinem Bundesland, wenn dies Bau und Betrieb der bestehenden und geplanten Kohlekraftwerke nicht beeinträchtige. Auf Einladung des Freundeskreises der Evangelischen Landjugend (ELJ) Neunkirchen hatte Vorsitzender Martin Beutner im Alten Schulhaus als Referenten Elektro-Ingenieur Bärnklau begrüßt, der diese Aussagen in einer Präsentation verdeutlichte. Die ELJ unterstütze dezentrale erneuerbare Energien mit Wertschöpfung in der Region sowie die Nutzung von Pumpspeicherwerken und moderner Speichertechnik.

Fossiles Strohfeuer


Fossile Energieträger seien ein Strohfeuer in der Erd- und Entwicklungsgeschichte, sagte Bärnklau. Doch der CO2-Ausstoß sei extrem, das Vorkommen der Kohle, Erdöl und Uran neige sich dem Ende zu. Im Netzausbau erfolge die gesetzliche Neuregelung mit der Verlegung des Netzverknüpfungspunktes HGÜ von Meitingen nach Isar bei Landshut. Die Leistung des Ostbayernringes werde dreimal so stark wie bisher, die Masten würden dementsprechend hoch auf einer neuen Trasse. Bei der Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung (HGÜ) habe die Erdverkabelung Vorrang vor Freileitungen. Bärnklau vermutete, dass die neue HGÜ-Erdverkabelung auf der jetzigen Trasse durch unser Gebiet gebaut werde. Die Schwierigkeit sei das Hochfahren der Stromleistung auf die Stromautobahn und das Wiederabsenken der Leistung mit Transformatoren. Zwischendurch gebe es keine Abzweigungen, ähnlich einer Brücke.

Gegen Ausbau


Bärnklaus zentrale Frage: Sind die Stromtrassen bei bestmöglichem Zubau der erneuerbaren Energien sowie optimiertem Verbrauchs-, Erzeugungs- und Netzmanagement überhaupt von Nöten? Es müsse sichergestellt werden, dass Kohlestrom den Zubau erneuerbarer Energien nicht ausbremse. Zudem forderte der Stadtrat bei Aufstellung fortlaufende Zahlungen an Kommunen. Der Grünen-Fraktionschef spricht sich wegen der ungeklärten Fragen gegen den Ausbau der Hochspannungsleitungen in der Region aus.

In der Diskussion kam noch die angebliche Sicherung von "Kohlearbeitsplätzen" auf Kosten von Beschäftigung und Wertschöpfung in der Solarindustrie zur Sprache. Beutner dankte dem Referenten mit einem Präsent.
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