Bahn-Halt Hammerweg stoppen
Stadt an der Seite der Bürger

Jürgen Schönig (rechts) überreicht bei der Bürgerversammlung im Hammerweg OB Kurt Seggewiß einen barrierefreien Mini-Bahnhof.
Politik
Weiden in der Oberpfalz
17.06.2016
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Josef Bapst regt eine Bürgerbefragung an: Die Bewohner im Stadtteil Hammerweg und die Beschäftigten sollen Auskunft geben, ob sie den Bahn-Halt in Weiden-Nord nutzen würden. Bilder: Götz (3)

Prima gemacht, die neue lärmfressende Flüsterasphalt-Schicht auf der Ostmarkstraße zwischen Generationenmarkt und Am Langen Steg. "Die Lärmbelästigung ist deutlich besser geworden", stellte OB Seggewiß bei der Bürgerversammlung fest. Die Stadt geht sogar weiter, will erstmals die gesamte Trasse zwischen Butterhof und Generationenmarkt auf Tempo 80 beschränken. Offenbar im Alleingang. "Wir gehen davon aus, dass das Staatliche Bauamt gegen diese Maßnahme keine Rechtsmittel einlegt."

Rechts- und Sozialdezernent Hermann Hubmann war offenbar nicht glücklich über die Ankündigung der Temporeduzierung. Tatsächlich läuft diese Maßnahme etwas außerhalb der Spur. Die Stadt Weiden kann sie als Verkehrsbehörde zwar durchführen. Allerdings geschah dies bisher stets "im bewährten Gleichklang" von Stadt, Polizei und Bauamt. Bei den Bauexperten in der Gabelsberger Straße ist die Geschwindigkeitsbeschränkung "weder bekannt noch diskutiert".

Bisher ging man dort sogar davon aus, dass nach dem Einbau des Flüsterasphalts die bisherigen Geschwindigkeitsanordnungen sogar rückgebaut würden. Dennoch reagiert ein Vertreter gelassen: "Wenn der Weidener OB das anordnet, werden wir das schon noch schriftlich bekommen. Das kann schon acht Tage dauern."

Nein, nicht die Stadt sei auf die Idee gekommen, am Ulmenweg einen Bahn-Halt einzurichten. Das hätten sich kluge Leute der Bahn ausgedacht, stellt OB Kurt Seggewiß in der Bürgerversammlung am Hammerweg klar. Klar ist, dass niemand in Weiden-Nord diese Bahnstation will. "Wir nehmen ein starkes Bürgervotum mit."

Versöhnlich und vielsagend beginnt die Bürgerversammlung. Für die Hammerwegerer überreicht Jürgen Schönig dem Oberbürgermeister einen "barrierefreien Bahnhof" aus Holz, auf dem ein Männchen - "das ist der Kurt" - dem InterCity aus München zuwinkt. Eine Anspielung darauf, dass "Kurt" einen barrierefreien Bahnhof will. Schönig nennt den Bahn-Halt "weiterhin völlig unsinnig". "800 Meter weiter ist der Halt in Altenstadt. Und auch der wird nicht genutzt, weil wir eine Super-Busanbindung haben." Für Infrastrukturmaßnahmen dürfe die Haltestelle ebenso wenig "geopfert" werden wie der Kinderspielplatz und das "grüne Band" entlang der Bahn. Letzteres "ist gar ein Naturdenkmal".

Für die EAW-Siedler kündigt Vorsitzender Paul Grötsch dem Oberbürgermeister an: "Sie werden noch öfter von uns hören." Und auf seine Frage, ob denn die Stadt den Bahn-Halt verhindern könne, verweisen OB Seggewiß sowie Bau- und Planungsdezernent Hansjörg Bohm darauf, dass die Stadt im Planfeststellungsverfahren gehört werde und ihr der Klageweg offen stehe - wie übrigens allen Betroffenen. Besonders Bohm zeigt sich aber überzeugt, dass das Eisenbahnbundesamt (Genehmigungsbehörde) keinesfalls mit der Bahn "unter einer Decke steckt". "Die werden jeden Patzer finden." Zudem kündigte Bohm an, die Stadt werde eine Klage prüfen.

Zentrales Missverständnis


Bohm teilte die Meinung der Bürger, dass die angenommenen wöchentlich 250 Zustiege am Haltepunkt Weiden-Nord angezweifelt werden könnten. Dies seien wohl "statistische Annahmen". Auf die von Josef Bapst (Erlenweg) angeregte Bürgerbefragung, wer im Stadtteil und im Gewerbegebiet den Halte-Punkt nutzten wolle, geht niemand ein. "Man könnte das Verfahren abkürzen, wenn man die Bedenken der Anlieger an die erste Stelle setzen würde", so Bapst. Als Quatsch bezeichnet Sabine Braun den Halte-Punkt. "Das gehört in die Sendung ,Quer'." Ebenfalls ihre Ablehnung machen Hans-Jürgen Rudnik und Michael Träger deutlich.

Die Vertreter der Stadt mussten sich gegen den Vorwurf von Irmtraud Eckel-Schönig erwehren, sie hätten mit der Zustimmung zu den weiteren Planungen des Bahn-Halts ein falsches Zeichen gesetzt. Die Bahn könne dies auch als Zustimmung zum Bahn-Halt werten. Bohm sprach von einem "zentralen Missverständnis". Diese weiteren Untersuchungen seien notwendig. "Man muss doch etwas auf dem Tisch legen, damit man weiß, worüber wir reden."

Er werde das Protokoll der Versammlung und damit das Nein der Bürger zum Bahn-Halt mit einem deutlichen Begleitbrief an die Bahn-Verantwortlichen schicken, kündigte OB Seggewiß abschließend an.

Mit dem Bundesverkehrswegeplan sei die "Katze aus dem Sack". Die Elektrifizierung bringe einen verstärkten Güterverkehr. Es gebe für die Anlieger aber weder Lärm- noch Erschütterungsschutz. Dies sage der Plan "eindeutig", unterstreicht Bau- und Planungsdezernent Hansjörg Bohm bei der Bürgerversammlung. Auch in Weiden-Nord sorgen sich die Bürger um die Folgen der Elektrifizierung. "Der Bahnlärm ist hier das zweite Mega-Thema", stellt OB Kurt Seggewiß fest .

Die Bahn gehe davon aus, dass die Elektrifizierung keine erheblichen baulichen Eingriffe in die Bahnanlage darstellten, die Schutzmaßnahmen auslösen würden, erklärt Bohm. Für sie sei der Umstieg von Diesel auf Strom nur der Wechsel der Traktionskraft. Die Ausrüstung der Güterwaggons mit Kunststoffklötzen, den sogenannten "Flüsterbremsen", bis zum Jahr 2020 schaffe darüber hinaus sogar noch einen Lärmwerte-Korridor, durch den sich der Güterverkehr nochmals deutlich erhöhen lasse. Forderungen nach Lärm- oder gar Erschütterungsschutz, für den der Oberbau der Gleise verändert werden müsste, "laufen ins Leere".

In ihrer Stellungsnahme zum Bundesverkehrswegeplan forderte die Stadt deshalb den "Ausbau" der Strecke für den Personenverkehr, der dann entsprechende Schutzeinrichtungen auslösen würde, so Bohm.

"Da kommt was auf die Oberpfalz zu", resümiert OB Seggewiß. "Wir wollen uns weder von der Bahn, noch von der Politik veräppeln lassen." Der Oberbürgermeister kündigte an, er werde alle Bürgermeister, Landräte und Abgeordnete "von Marktredwitz bis Schwandorf" zu einem Treffen einladen, damit die Region Flagge zeige und einen Forderungskatalog aufstelle. "Ich glaube, dass wir durch diese Wucht zur Kenntnis genommen werden."
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