Baubürgermeister a. D. Kurt Werner (Konstanz) über Anforderungen an Stadtbaurat
Baudezernent muss Macher, Planer und Visionär sein

Es sollte keine CSU-Parteiveranstaltung im Internationalen Keramikmuseum sein. Vielmehr diskutierten nach dem Vortrag von Kurt Werner (vorne, Zweiter von links) CSU-Stadträte und die Vertreter von Grünen und Bürgerliste über die Anforderungen, die ein Baudezernent erfüllen sollte. Initiator war Architekt Karlheinz Beer (vorne, Mitte). Bild: Wieder
Politik
Weiden in der Oberpfalz
15.11.2016
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Vordergründig ging es um "Baukultur", hintergründig um die Anforderungen, die ein Baudezernent erfüllen muss, der in erster Linie gefordert ist, die Baukultur zu pflegen. Kurt Werner, von 2006 bis 2014 Baubürgermeister in Konstanz, skizzierte beim Vortrag im Internationalen Keramikmuseum diesen Forderungskatalog. Er betonte, dass ein Stadtbaurat jede Unterstützung brauche. "Aber: Er muss derjenige sein, der den Hut aufhat. Er ist der Macher, Planer und der Visionär."

Baukultur betreffe nicht nur die professionellen Planer, sondern alle Menschen, da sie mit der gebauten Umwelt konfrontiert seien, stellte CSU-Fraktionschef Wolfgang Pausch fest, der auf Anregung von Architekt Karlheinz Beer zur "interfraktionellen" Infoveranstaltung eingeladen hatte.

"Ein voller Saal, toll", freute sich Beer, der den Referenten und "das wirklich wichtige Thema" vorstellte. "Wir müssen dabei im Stadtrat im Schulterschluss agieren. Wir brauchen Visionen, aber nicht nur sie. Wir brauchen Kompetenz, die Qualität und das Machbare erkennt. Und wir brauchen die Kraft, diese Qualität auch umzusetzen." Auch in der Person eines Baudezernenten.

In vielen Bereichen der Stadt gebe es Nachholbedarf, einen Sanierungsstau. "Wir stehen im Wettbewerb mit den Nachbarstädten und im Wettbewerb um Investoren. Wir dürfen nicht mit hausbackenen Rezepten um uns selbst kreisen, sondern müssen Ziele formulieren, die von Investoren anzunehmen sind." Eine falsche städtebauliche Entwicklung sei auch mit den schönsten Fassaden nicht mehr zu retten.

Kurt Werner hatte über viele Jahre das Planungsamt der Stadt Regensburg geleitet, bevor er nach Konstanz ging. In Regensburg hatte er Hansjörg Bohm, der zum Ende Oktober als Weidener Baudezernent gekündigt hat, im Team. Jede Stadt, so Werner, habe alte und viele neue Herausforderungen anzunehmen. Aufgrund der Verstädterung müsse neuer Wohnraum entstehen, ressourcenschonend, ohne weiter in die Fläche zu gehen, was eine starke Innenstadtentwicklung, die urbane Verdichtung, aber auch höhere Qualität in den Freiflächen fordere.

Leerstände (Bahn, Fabriken usw.) böten grandiose Chancen. Gleichzeitig sei eine höhere, aber bezahlbare Wohnqualität nötig. Ebenfalls zu lösen seien die Probleme beim Verkehr und bei der Suche von Gewerbeflächen. "Zu all dem brauchen Sie den kompetenten Stadtbaurat und ein schlagkräftiges Bau- und Planungsdezernat." Stadtentwicklung verstehe sich nicht als lenkendes Korrektiv externer Investoren-Angebote, sondern in erster Linie als Impulsgeber für hochwertiges Planen und Bauen auf allen Ebenen. "Man muss Investoren zu ihrem Glück zwingen. Dazu braucht die Stadt einen kompetenten und zähen Verhandlungsführer". (Hintergrund)
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