Bewusste Provokation und Schlechtmacherei
Schwimmverein fühlt sich von Stadträten ungerecht behandelt

Die Stadt will das Schätzlerbad günstiger betreiben? "Dann soll sie einen Vorschlag machen, wie das gehen soll", sagen Schatzmeister Norbert Ziegler und Schwimmvereinsvorsitzender Reinhard Meier (von links). Bild: Götz
Politik
Weiden in der Oberpfalz
23.04.2016
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Jetzt reicht's. Im Finanzausschuss war der Schwimmvereinschef beim Punkt Schätzlerbad noch zum Zuhören verdammt. Nun spricht Reinhard Meier Klartext: Sollen doch die Stadträte die vertraglich fixierten Mitwirkungsrechte beim Schätzlerbad wahrnehmen, Öffnungszeiten kürzen, Eintrittspreise erhöhen oder das Bad für die Öffentlichkeit schließen. "Aber dazu fehlt ihnen der Hintern in der Hose."

"Das ist eine Ungerechtigkeit gegenüber dem Schwimmverein." Auch von "bewusster Provokation" und "Schlechtmacherei" spricht Reinhard Meier am Freitag im Pressegespräch. Und davon, dass er die Lust an der Arbeit als SV-Vorsitzender verliert. "Ich weiß nicht, ob ich weitermache. Mein Schriftführer ist schon abgesprungen." Meier, auch Bürgerlisten-Stadtrat, denkt gerade mit SV-Schatzmeister Norbert Ziegler zurück an die Finanzausschusssitzung am Dienstag.

Darin diskutierten die Mitglieder die Gewährung einer Sonderzahlung in Höhe von 50 000 Euro für das Schätzlerbad. Ohne das zusätzliche Geld müsste der Badebetrieb im Juli eingestellt werden. Das Problem: In der Diskussion kritisierten einige Stadträte, wegen der Extrazahlung fürs Schätzlerbad würden andere Sportvereine benachteiligt.

"Das ist Unsinn. Kein Cent davon geht an den Sportbereich des Schwimmvereins", betont Meier. Vielmehr werde das Geld direkt auf das Konto der Stadtwerke überwiesen, erklärt der Schatzmeister: "Der Schwimmverein hat mit dem Schätzlerbad so viel zu tun wie ein Wiener Schnitzel mit veganer Ernährung." Dann entschuldigt sich Ziegler für die deftige Formulierung: "Aber ich erwarte mir vom Stadtrat schon ein gewisses Maß an Informiertheit."

Einhacken auf Verein


Das gelte auch für diejenigen, die von einer zweiten (!) Sonderzahlung gesprochen haben. 100 000 Euro extra gingen zwar 2015 ans "Schätzler". Allerdings bediente die Stadt damit Altlasten aus Verträgen mit der alten Vorstandschaft. Demnach hat die Stadt die Instandhaltung des Bads zu tragen. Mit den 100 000 Euro beglich sie Rechnungen von damals. "Mit dem aktuellen Betrieb hat das null zu tun. Das müssen die Stadträte wissen. Schließlich haben sie darüber abstimmt", argumentiert Meier.

Zu den 50 000 Euro an Zusatzbedarf sagt Meier: "Das hängt einzig an den Stadtwerken. Wir brauchen das Geld nur für die Becken." Und diese betreuten schließlich die Stadtwerke - und nicht der SV, der übrigens laut Meier "einzig als kostenloser Dienstleister für die Stadt wirkt". Wenn dem CSU-Fraktionschef Wolfgang Pausch also der Betrieb des Bades zu teuer ist, "dann soll er erst mal als Verwaltungsrat der Stadtwerke, der er auch ist, dort nachfragen, bevor er auf dem Verein als Kleinsten rumhackt".

Und damit schneidet Meier den Punkt an, der ihn und seine Mitstreiter am härtesten trifft: Sich dafür beschimpfen lassen zu müssen, als Verein mit dem Schätzlerbad eine öffentliche Aufgabe der Stadt zu übernehmen. "Dabei können wir ohne die Stadt nichts im Bad machen. Sie muss alles genehmigen." Öffnungszeiten, Eintrittspreise und und und. "Jetzt können die Stadträte selbst mal etwas zur Problemlösung einbringen. Sie stehen genauso in der Verantwortung."

Eine 50 000 Euro-Ersparnis etwa sei drin, wenn das Bad täglich zwei Stunden weniger geöffnet habe. "Sollen die Stadträte das doch entscheiden statt mich zu beschimpfen. Aber dazu fehlt ihnen der Hintern in der Hose." Meier dagegen habe gehandelt. Mehrfach seit Beginn seiner Amtszeit 2012. Und stets begleitet von heftigen Protesten. So erhöhte er zwei Mal die Mitgliedsbeiträge, ein Mal die Eintrittspreise. Er kürzte auch die Öffnungszeiten. "Damit sehen wir die Belastbarkeit unserer Badegäste erreicht." Zumal ein Blick auf die Zahlen des Deutschen Städtetags zeige, eine Stadt zahle im Durchschnitt pro Badegast zwischen 6 und 10 Euro drauf. "Im Schätzler waren es 3,20 Euro. Ich bin also bis zum Grund getaucht. Tiefer geht's nicht mehr."

Soll die Stadt mal machen


Die Folge: Ein Konzept zur Einhaltung des Betriebskostenzuschusses für die Zukunft werde der SV nicht vorlegen. Der Ausschuss knüpfte diese Bedingungen an die 50 000 Euro, die am Montag in den Nachtragshaushalt eingestellt werden müssen. "Von unserer Seite ist hier nichts mehr geplant. Soll die Stadt doch sagen, sie schließt das Bad frühzeitig für die Öffentlichkeit", sagt Meier und betont: Vereinsmitglieder dürfen dann übrigens weiter dort baden. Große Kostenersparnis: Auf sie müssen keine Bademeister aufpassen.
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