Biotonnen-Pflicht für Landkreise
Das Grüne muss ins Braune

Bio-Abfall darf nicht mehr in den Restmüll. Für die Oberpfälzer Bürger heißt es seit 1. Januar 2015: Bewusst trennen, richtig entsorgen. Bild: dpa
Politik
Weiden in der Oberpfalz
17.01.2016
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Robert Graf vom Landratsamt Amberg-Sulzbach mit Bio-Abfallbeutel und Behältern für die Sammlung von Speiseresten. Bild: Hartl

Er stinkt, suppt und ist unappetitlich anzusehen - bislang verschwand der Bio-Abfall in vielen Haushalten einfach im Restmüll. Seit einem Jahr geht das nicht mehr. Bayernweit sind Kommunen verpflichtet, organischen Müll getrennt zu sammeln.

Weiden/Amberg. 617 000 Tonnen Müll, davon 160 000 Tonnen Bioabfälle, verursachten 2014 die Oberpfälzer laut Abfallbilanz des bayerischen Umweltministeriums. Nicht alle organischen Abfälle landeten in der richtigen Tonne. Seit 1. Januar 2015 sind Kommunen verpflichtet, Bioabfälle getrennt zu sammeln. "Das dient dem Ziel der Ressourcennutzung", erklärt eine Sprecherin des Landesamtes für Umwelt. Die Kommunen können zwischen einem Hol- und einem Bringsystem wählen. Jeder Haushalt muss also entweder über eine Bio-Tonne verfügen, die in regelmäßigen Abständen geleert wird, oder den Bürgern steht eine Sammelstelle zur Verfügung.

21 561 Tonnen Restmüll, davon 13 169 Tonnen Bio-Abfälle, fielen im Kreis Amberg-Sulzbach 2014 an - das entspricht einer Menge von rund 128 Kilogramm pro Person. "Bereits sechs Monate vor Inkrafttreten des Gesetzes ermöglichten wir den Bürgern, ihre Bioabfälle kostenlos in speziellen Sammelbehältern, die wir an den Wertstoffhöfen errichteten, zu entsorgen", erklärt Robert Graf, Leiter des Amtes für Abfallwirtschaft, die Entscheidung für das Bringsystem. Insgesamt verfügt der Kreis über 28 Wertstoffhöfe.

Um die Müll-Trennung so "komfortabel wie möglich" zu gestalten, stellt der Kreis jedem Haushalt einen 10-Liter-Eimer und kompostierbare Beutel zur Verfügung. "Die Küchenabfälle werden anschließend kompostiert und dem organischen Kreislauf zugeführt." Abnehmer seien Landwirte und Privatpersonen. Tiefer in die Tasche greifen müssen Bürger für diesen Service nicht, betont Graf. "Eine Eigenkompostierung ist weiterhin erlaubt - und auch gewünscht."

Selbst kompostieren


Auch der Kreis Schwandorf entschied sich, die Biotonne im Bringsystem einzuführen. "Eine Analyse des Restmülls ergab, dass sich darin nur 18,1 Prozent Biomüll befand. Das zeigt, dass die Bürger verantwortungsvoll mit Lebensmitteln umgehen", erklärt Pressesprecher Hans Prechtl. Zudem habe der Landkreis seine Bürger immer wieder zum Kompostieren auf dem eigenen Grundstück motiviert. "An diesem System soll auch nicht gerüttelt werden." Ergänzend gebe es die Möglichkeit, Bio-Abfälle an einem der 24 Wertstoffhöfe abzugeben. Auch die Option, eine Biotonne zu mieten, bleibe bestehen. Diese müsse jedoch gegen Gebühr von privaten Anbietern angefordert werden.

Noch keine Tonnen


Anders sieht es im Landkreis Neustadt/WN aus. "Der Kreisausschuss hat in seiner Sitzung am 3. August 2015 das Holsystem beschlossen. Das heißt, jeder Haushalt braucht eine Biotonne", erklärt Pressesprecherin Claudia Prößl. Wann das System eingeführt werden soll, stehe noch nicht fest. Offen sei auch, welches Volumen die Tonnen haben werden. "Nachdem es bislang keine satzungsrechtliche Verpflichtung war, ist in den meisten Privathaushalten noch keine Tonne vorhanden." 2014 habe der Hausmüll des gesamten Landkreises 95 184 Tonnen betragen, "also rund 153 Kilogramm pro Person".

Ob die Bürger selbst für die Biotonne zahlen müssen, ist noch unklar. "Die Getrennt-Erfassung soll über die Abfallentsorgungsgebühr erhoben werden, also über keine eigene Gebühr für die Biotonne." Was mit dem Bio-Müll passiert, steht noch nicht fest. "Geplant ist eine Machbarkeitsstudie, die zeigen soll, ob sich eine Biogasanlage mit Kompostierung lohnt, die Bio-Müll aus den Landkreisen Neustadt, Tirschenreuth sowie der Stadt Weiden verwerten könnte", betont Prößl. Bisher sei der organische Abfall mit dem Restmüll in die Müllverbrennungsanlage nach Schwandorf gebracht worden.

Vorreiter in Sachen Biomüll-Entsorgung ist die Stadt Weiden. Schon 1991 führte sie die braune Tonne im kompletten Stadtgebiet ein. 28 446 Tonnen Müll, davon 1458 Tonnen Bio-Abfälle, fielen 2014 an. "Aktuell sind stadtweit 3991 Biotonnen mit einem Volumen von jeweils 120 Litern angemeldet", erklärt Norbert Schmieglitz, Pressesprecher der Stadt Weiden. Haushalte, die selbst kompostieren, benötigen keine. Alle 14 Tage wird der Unrat mit der "eigenen Müllabfuhr" abgeholt. Kaufen müssen sich die Weidener die Tonnen nicht selbst, "die Kosten dafür sind in die Müllgebühr einkalkuliert".

Stichproben geplant


Ganz so weit ist der Kreis Tirschenreuth noch nicht. Dass die Biotonne im Holsystem kommt, steht fest - ein ungefährer Zeitplan auch. "Nach momentanem Stand ist die erste Abfuhr im Sommer 2016", erklärt Walter Brucker vom Landratsamt. 2014 verursachten die Bewohner rund 9700 Tonnen Müll, "das entspricht rund 130 Kilogramm pro Person". Etwa 35 Prozent waren Bio-Abfälle. Der Landkreis stellt für jeden Haushalt eine Biotonne - mit 80 oder 120 Liter Volumen. Diese wird in einem 14-Tage-Rhythmus geleert. "Wenn Haushalte alle pflanzlichen Küchenabfälle selbst kompostieren, brauchen sie keine spezielle Tonne." Allerdings sollten sie das gewissenhaft tun, denn die richtige Trennung soll künftig stichprobenartig getestet werden.

Was darf in die Tonne?Erlaubt: Blumen, Erde, Brotreste, Eierschalen, Federn, Gemüseabfälle vor dem Kochen, Holzhäcksel/Holzwolle (unbehandelt), Kaffeefilter und Kaffeesatz, Kartoffelschalen, Küchenkrepp, Laub, Nussschalen, Obstreste, Papierservietten, Reisig, Speisereste vor dem Kochen, Stroh, Teebeutel, Topfpflanzen und Zitrusfrüchteschalen. Fleisch, Wurst und Fischreste sowie Knochen sind ebenfalls erlaubt - außer, die zuständige Kommune legt etwas anderes fest.

Nicht erlaubt: Asche, Holz und Kohle, Batterien, Chemikalien, Farb-, Lack- und Ölreste, Fette, Glas, Gummi, Kartonagen, Keramikgefäße, Laugen/Säuren, Leder, Medikamente, Plastiktüten, Putzmittelreste, Speisereste nach dem Kochen, Suppen, Tierstreu, Styropor und Zigarettenstummel und -asche. (juh)


Gewinn für Umwelt und KommunenDie Böden werden seit Jahren schlechter. Unwetter, Überdüngung und Maisanbau entziehen ihnen Mineralstoffe. Biomüll sei die Lösung, ist sich Sonja Schuhmacher, Vorsitzende des Bundes Naturschutz in Weiden, sicher. "Er enthält wichtige Rohstoffe. Durch das Kompostieren entsteht ein hochwertiger Dünger, der auf die Böden aufgebracht werden kann - ganz ohne Chemie oder Schadstoffe." Wenig sinnvoll sei hingegen, Bio-Abfälle in weit entfernte Deponien zu bringen. "Wenn, dann sollte er vor Ort verwertet werden. So hat zum einen die jeweilige Kommune etwas davon." Neben Deponien könne organischer Abfall auch in Biogasanlagen gebracht werden. Meist wird das entstandene Gas vor Ort in einem Blockheizkraftwerk zur Strom- und Wärmeerzeugung genutzt. Als Nebenprodukt wird ein als Gär-Rest bezeichneter Dünger produziert. (juh)
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