Bürgerdialog mit wenig Bürgern
Der Ausbau des Stromnetzes durch Hochspannungsleitungen vom Norden in den Süden ist nach wie vor umstritten

Wenige Besucher, aber heftige Diskussionen gab es an den Thementischen des Bürgerinformationsmarktes zum Stromnetzausbau in Oberfranken und der Oberpfalz. Bild: sbü
Politik
Weiden in der Oberpfalz
24.06.2016
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Der Ausbau des Stromnetzes durch Hochspannungsleitungen vom Norden in den Süden gehört zu den Themen, die derzeit besonders kontrovers diskutiert werden. Eine Informationsveranstaltung in Weiden zeigt dies erneut.

Noch im laufenden Jahr wollen die Stromnetzbetreiber ihre Planungen für die Nord-Süd- Hochspannungsleitungen bekanntgeben. Diese Leitungen sollen nach Absicht der Bundesregierung im Rahmen der Energiewende für eine gleichmäßige und ausreichende Stromversorgung in ganz Deutschland sorgen. Raumordnungs- und Planfeststellungsverfahren könnten dann eingeleitet werden.

Sicher ist, die neuen Hochspannungsleitungen werden auch durch Oberfranken und die Oberpfalz verlaufen. Um vorher über alle damit zusammenhängenden Themen zu informieren, wurde vor gut einem Jahr das Projekt "Bürgerdialog Stromnetz" eingerichtet. Es wird mit einem Etat von 2,8 Millionen durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gefördert. Ein Expertenteam aus diesem Projekt hatte jetzt zum "Bürgerinformationsmarkt" über den Stromnetzausbau in den Gemeindesaal St. Josef eingeladen. An vier Thementischen wurde in Kurzvorträgen über "Planung und Beteiligung, Technik und Naturschutz, Netzentwicklungsplan und elektromagnetische Felder" informiert. Umfangreiches Informationsmaterial wurde dazu verteilt.

Expertenvorträge


Allerdings war zum Bürgerdialog am Tag des letzten Gruppenspiels der deutschen Nationalmannschaft bei der Fußball-Europameisterschaft nur ein recht begrenzter Kreis von Interessenten gekommen, darunter auch Oberbürgermeister Kurt Seggewiß. In den Expertenvorträgen war unter anderem zu hören, dass "nach Abschaltung der letzten Atomkraftwerke die in Süddeutschland installierte Kraftwerksleistung nicht mehr ausreichen werde, um den Strombedarf vor Ort zu decken". Alternativen zum Netzausbau würden nicht ausreichen.

Für den "großräumigen Stromtransport" sei ein Ausbau der Übertragungsnetze erforderlich. Mehr dezentral erzeugter "Ökostrom" könne den Netzausbau nicht ersetzen. In einem anderen Kurzreferat wurde das Thema "Erdkabel oder Freileitung" behandelt und die jeweiligen Vor- und Nachteile aufgezeigt. Fazit war, bei beiden Alternativen "bleiben Auswirkungen auf Mensch und Natur nicht aus". Allerdings gibt es deutliche Unterschiede in den ausstrahlenden elektromagnetischen Feldern. Freileitungen strahlen sehr breit, aber deutlich weniger stark, Erdkabel dagegen sehr stark, jedoch nur unmittelbar oberhalb des Kabelverlaufs.

Meinung prallt auf Meinung


An einem weiteren Thementisch ging es um Beteiligungsmöglichkeiten der Bürger an den Planungsverfahren. An allen Thementischen kam es rasch zu deutlichen Meinungsverschiedenheiten zwischen Referenten und Zuhörern über grundsätzliche Fragen der Energiewende. So verneinten die Besucher schon generell die Notwendigkeit des Netzausbaus. Wissenschaftliche Aussagen der Experten zweifelt sie an. Ganz besonders war die Behinderung der Erzeugung dezentraler alternativer Energien durch das Erneuerba re Energiengesetz (EEG) Gegenstand der Kritik .

Vertieftes Informationsmaterial des Projekts "Bürgerdialog Stromnetz" ist der Internetseite www.buergerdialog-stromnetz zu entnehmen.
3 Kommentare
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Maria Estl aus Pullenreuth | 24.06.2016 | 12:28  
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Stefan Kreuzeck aus Pfreimd | 29.06.2016 | 23:44  
48
Maria Estl aus Pullenreuth | 30.06.2016 | 08:05  
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