Cannabis auf Rezept

Geht es jetzt Zug um Zug in Richtung Legalisierung? Den Mitgliedern des "Cannabis Social Club" in Weiden kommen die jüngsten politischen Pläne schon mal entgegen. Bild: dpa

Schwerkranke sollen ganz legal am Joint ziehen dürfen. Cannabis auf Rezept - die Berliner Koalition will's möglich machen. Und damit wäre auch dem "Cannabis Social Club" in Weiden geholfen.

Der Verein, gegründet im Juni 2014, setzt sich für die Legalisierung der Droge ein. In der Ankündigung der Bundesregierung erkennt Vorsitzender Matthias Confal (42) einen Etappensieg.

Ist das für Sie so etwas wie der Durchbruch?

Confal: Der Durchbruch noch nicht. Wir wollen Cannabis ja komplett legal haben. In erster Linie aus medizinischen Gründen, aber eben auch wegen des Genusses. Cannabis auf Rezept wäre auf jeden Fall mal ein guter Fortschritt.

Auch für Sie persönlich? Könnten Sie die Droge dann legal erwerben?

Confal: Ich denke schon. Momentan bemühe ich mich um eine Ausnahmegenehmigung, aber das dauert noch. In Weiden finde ich einfach keinen Arzt, der mich unterstützt.

Weil den Ärzten das Verständnis dafür fehlt?

Confal: Ja, viele beharren auf der Schulmedizin.

Unter welcher Krankheit leiden Sie?

Confal: Ich bin chronisch krank, habe Fibromyalgie, also Weichteilrheuma, und "Restless Legs". Wenn ich Cannabis konsumiere, plagen mich deutlich weniger Schmerzen, ich kann den Alltag wesentlich besser meistern. Mit gutem Gras habe ich sogar gar keine Schmerzen. Mit diesen Erfahrungen bin ich nicht allein im Club. Etwa 5 Leute klagen über chronische Schmerzen, auch Depressionen sind weit verbreitet.

Wie läuft die Vereinsarbeit?

Confal: Gut. Wir werden immer bekannter. Allerdings hat der NT-Bericht über die Jahreshauptversammlung für Irritationen gesorgt. Einige meinten, wir würden generell einen Monatsbeitrag von 300 Euro pro Mitglied verlangen wollen. Das ist aber abhängig von der Marihuana-Menge. Für 300 Euro müsste man schon fünf Gramm täglich verbrauchen. Wer ein Gramm im Monat konsumiert, soll auch nur fünf Euro zahlen. Wir dürfen und wollen uns ja nicht bereichern. Das Angebot gilt auch erst ab 18. Jugendschutz schreiben wir groß.

Im Mai wollen Sie in Weiden einen "Global Marihuana March" auf die Beine stellen - ein großes Festival.

Confal: Ja, vom 8. bis 10. Mai. Wir sind beispielsweise an "Seeed" und Gentleman dran, ein paar kleinere Bands haben schon zugesagt, ebenso bekannte Aktivisten aus der Legalisierungsbewegung. Wir planen Kundgebungen, Konzerte und einen Markt, auf dem es beispielsweise Hanfwaren zu kaufen gibt. Das Ganze soll eine Benefizveranstaltung werden. Mit dem Erlös wollen wir ein Vereinsheim mieten, eine größere Halle mit Tagungsräumen und Café. Was wir dort erwirtschaften, wollen wir übrigens an karitative Einrichtungen vor Ort spenden. Außerdem planen wir Drogenberatung, Opferhilfe bei Strafverfolgung und Aufklärungsarbeit. Da möchten wir übrigens sogar mit der Polizei zusammenarbeiten. Es geht nicht darum, Cannabis-Konsum schönzureden, sondern darüber richtig aufzuklären.

Worüber konkret?

Confal: Beispiel Colorado: In dem US-Bundesstaat ist Cannabis legalisiert. Für den Staat bedeutet das riesige Steuereinnahmen. Die Rauschgiftdelikte, die Verbrechen überhaupt, gehen zurück. Demnächst wollen wir OB Kurt Seggewiß feierlich eine Petition überreichen. Unser Ziel: Die Stadt soll bei der Bundesopiumstelle eine Ausnahmegenehmigung für Cannabis-Erwerb durch unseren Club erwirken.

Doch das Verhältnis zur Stadt scheint getrübt ...

Confal: Weil wir das Stadt-Logo verändert und auf unsere Facebook-Seite gestellt haben (das Wappentier raucht einen Joint, d. Red.). Wir wurden in einem Brief abgemahnt. Viele andere CSCs benutzen ihr Stadtwappen in veränderter Form im Internet, bloß wir müssen's raustun. Morgen bin ich im Rathaus, um das zu klären. Wir wollen ja sehr gerne mit der Stadt zusammenarbeiten, auch Gelder in die Stadtkasse bringen. Das Kiffer-Image - Jugendliche, die nur rumhängen - trifft auf uns nicht zu. Der Genuss kommt bei uns als Allerletztes.
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