CSU-Fraktionschef und ehemaliger Lokführer Wolfgang Pausch im Interview
"Bei Bad Aibling starben Kollegen"

"Abgesagt": Wegen des Bahnunglücks von Bad Aibling fallen die Aschermittwochskundgebungen in Weiden aus. Bild: Götz
Politik
Weiden in der Oberpfalz
10.02.2016
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Als Bahnerer betrauert er Kollegen und Fahrgäste. Als CSU-Fraktionschef und -Wahlkreisgeschäftsführer trägt er die Absage des Politischen Aschermittwochs in Weiden mit. Ein Interview mit Wolfgang Pausch (43) nach dem Zugunglück von Bad Aibling.

Gehen Ihnen als ehemaligem Lokführer die Bilder besonders nahe?

Pausch: Solche Tragödien gehen einem natürlich immer nahe, unabhängig vom Beruf. Ich bin nach wie vor Bahnerer, zurzeit aber beurlaubt. Zuletzt war ich Gruppenleiter für Lokomotivführer bei der DB Regio. Bei Bad Aibling sind Kollegen gestorben: nicht nur die beiden Lokführer, auch zwei Schaffner.

Die Ursache steht noch immer nicht fest. Was vermuten Sie?

Pausch: An Spekulationen möchte ich mich nicht beteiligen. Tatsache bleibt, dass der Zug eines der sichersten Verkehrssysteme ist. Die Wahrscheinlichkeit, bei einem Autounfall zu sterben, ist 55 Mal höher als bei einem Zugunglück. Was zur Katastrophe von Bad Aibling führte, das werden sicher die Auswertung von PZB 90 (Punktförmige Zugbeeinflussung) und Zugfunk sowie Befragungen der Stellwerker ergeben.

Wie lange haben Sie als Lokführer gearbeitet?

Pausch: Bei der Bahn bin ich seit über 20 Jahren, 10 Jahre davon im aktiven Fahrdienst. Dann wechselte ich in die Lok-Dienstleitung. Als Teamleiter Weiden-Schwandorf war ich zuständig für Dienstpläne, Urlaubsplanung und Fortbildungen.

Fährt bei einem Lokführer immer die Angst mit, dass etwas Unvorhergesehenes passieren könnte?

Pausch: Lokführer ist ein Traumberuf. Man ist unterwegs, sieht was von der Welt, hat Verantwortung. Und, wie gesagt: Die Wahrscheinlichkeit eines Unglücks ist sehr gering.

Weit häufiger werden Lokführer mit Suiziden auf Bahngleisen konfrontiert.

Pausch: Ich selbst bin nie in eine solche Situation gekommen. Aber Kollegen, die ich als Dienstleiter dann auch betreut, sie von der Unfallstelle abgeholt habe. Betreuung und Hilfestellung sind in solchen Fällen sehr wichtig. Sie werden mit etwas konfrontiert, wofür sie nichts können.

Wie schwer fiel es Ihnen, den Politischen Aschermittwoch abzusagen?

Pausch: Leicht ist es uns nicht gefallen, angesichts der umfangreichen Vorbereitungen. Aber wir haben uns abgestimmt und waren einer Meinung: Ganz Bayern trauert wegen der Zugkatastrophe, das ist Thema Nummer eins. Nach dieser Tragödie wäre es nicht möglich gewesen, eine normale Kundgebung abzuhalten.

Wollen Sie trotzdem kurz den Inhalt Ihrer Rede verraten?

Pausch: Nein. Ich wäre natürlich vorbereitet gewesen. Aber der Politische Aschermittwoch findet nicht statt, also findet auch die Rede nicht statt.
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