Das sagt der Unterbezirkschef der Jusos zum SPD-Umfragetief
Parteien fehlt es an Sex-Appeal

Niemand tritt einer Partei bei, weil er sie so geil findet.
Politik
Weiden in der Oberpfalz
19.04.2016
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Sie fällt tiefer als alle anderen Volksparteien: die SPD. Nach dem neuesten Meinungsbild des Forschungsinstituts Insa würden nur noch 19,5 Prozent bei Wahlen ihr Kreuz bei den Genossen setzen. Das macht auch dem Partei-Nachwuchs Sorgen. Adrian Kuhlemann (26) zum Beispiel. Der Neustädter ist Kreisvorsitzender des Juso-Unterbezirks (Weiden, Neustadt und Tirschenreuth), hat als Koch im Zwei-Sterne-Restaurant "Essigbrätlein" in Nürnberg so manches Rezept parat - und nennt auch die Zutaten, die es braucht, um in Berlin sowie in der Region besser voranzukommen.

Weniger als 20 Prozent der Wähler würden aktuell für Ihre Partei stimmen. Motivation für politisches Engagement sieht anders aus. Wie fühlen Sie sich?

Adrian Kuhleman: Überraschend gut. Vor Ort merkt man nichts von unter 20 Prozent. Wir haben engagierte Mitglieder, unserem SPD-Unterbezirk geht es nicht schlecht.

Ihre Worte implizieren, es könnte besser gehen: Woran hapert's?

Also die Inhalte stimmen. Die SPD weiß, wohin sie will.

Nämlich?

Hin zur Frauenquote, ran an die Reichensteuer und weg von der Zwei-Klassen-Medizin zum Beispiel. Das Problem ist nur, das alles geht jetzt in der Großen Koalition unter. Man unterstützt einfach nur die Kanzlerin.

Hängt die Umfrageschlappe mit Personen zusammen?

Sigmar Gabriel ist so ein Spezialfall. Seit jeher ist es eine sozialdemokratische Tradition, sich gegen Rechts zu engagieren. Und was macht er? Gabriel trifft sich privat mit Pegida-Anhängern. Sehr unglücklich ist das. Kurzum: Man könnte es als Sigmar Gabriel einfacher haben.

Was gibt es in dieser Situation nun für Sie als Unterbezirkschef zu tun?

Das ist schwierig zu sagen. Auf jeden Fall werden wir unseren Uli (MdB Uli Grötsch) und unsere Annette (MdL Annette Karl) im Wahlkampf massiv unterstützen. Weil sie einfach klasse sind. Sie sind mehr links und vertreten das Parteiprogramm mehr als jeder an der SPD-Spitze in Berlin.

Nur auf ein Bollwerk der Unterstützung können die Kandidaten nicht hoffen, glaubt man der Konkurrenz von der Jungen Union. Sie behauptet gern, die Jusos hier wären gar nicht existent.

Ja, ich muss eingestehen: Wir müssen unseren Fokus mehr auf den Mitgliederzuwachs legen, unsere Arbeitsgemeinschaften mehr am Leben erhalten. Niemand tritt einer Partei bei, weil er sie so geil findet. Oft hängt es an einzelnen Personen. Man muss die Menschen fragen, ob sie mitmachen wollen.

Und die Jusos fragen nicht?

Doch, das tun wir. Wir müssen es aber noch stärker tun. Nur haben wir viele Mitglieder, die es zum Studium anderswo hinzieht. Auch ich wohne und arbeite mittlerweile als Koch in Nürnberg. Da wird es schwierig.

Und trotzdem sagen Sie nicht "Ade" zu den Jusos hier?

Natürlich nicht. Wir haben uns damals als zehn Freunde dazu entschieden, den Gegenpol zur wirklich großen Jungen Union in Neustadt zu bilden. Aber wir Jusos verteilen keine Freibier-Marken oder fahren zum Gäubodenfest wie die Junge Union.

Sondern?

Wir kommen mehr aus dem politischen und nicht aus dem gesellschaftlichen Raum. Wir steigen lieber in den Bus, um uns gegen Nazi-Demonstrationen zu postieren als uns auf dem Gäubodenfest zuzuprosten.

Und zu einer solchen Busfahrt strömen die Mitglieder?

Ja, tatsächlich. Das hat auch das vergangene Wochenende gezeigt. Wie ich kamen viele zur Feier des Jahrestags der Befreiung des Konzentrationslagers Flossenbürg in die Heimat.
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