Der Mann für alle Hilfen

Waschmaschine zu verschenken? Nachhilfe anzubieten? Manfred Weiß (rechts), hauptamtlicher Ehrenamtskoordinator, ist künftig der Mann für alle Fälle. Karl Rühl (Diakonie), Hermann Hubmann (Stadt Weiden), Jost Hess, Veit Wagner und Hans-Peter Pauckstadt-Künkler (AK Asyl), Nadine Röckl-Wolfrum (Asylberatung Diakonie) gratulierten zum Einstand. Bild: ca
Politik
Weiden in der Oberpfalz
01.10.2015
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Manfred Weiß war in seiner beruflichen Laufbahn als Logistikmanager tätig. Sein strukturiertes Organisationstalent bringt der 58-jährige jetzt in der Flüchtlingshilfe ein. Der Weidener ist der erste hauptamtliche "Koordinator Asyl-Ehrenamt" für Weiden. Ab sofort ist er der Ansprechpartner für alle, die mithelfen und sich einbringen wollen.

(ca) Die Stelle steht unter Trägerschaft des Diakonischen Werks. Finanziert wird sie laut geschäftsführendem Vorstand Karl Rühl durch die Stadt Weiden über städtische Stiftungen, die Evangelische Kirche und die Diakonie Bayern und Weiden. Rühl: "Das geht nur, weil alle guten Willens sind."

Hintergrund: Etwa 90 interessierte Bürger waren im Januar zu einem Infotreffen des AK Asyl gekommen. Daraus entwickelte sich das Netzwerk Asyl. Die Zahl der Flüchtlinge stieg, und ebenso die Zahl der freiwilligen Helfer. Das Netzwerk bildete sieben Helfergruppen (Kontakte-Kasten ).

Büro im Camp Pitman

Alles sehr professionell, aber eben doch ehrenamtlich. Die Koordinatoren stießen an die Grenze der Belastung. "Das Ganze nur in der Freizeit zu stemmen, war für die Verantwortlichen auf Dauer nicht mehr zu leisten", sagt Weiß. Auch die Zusammenarbeit mit anderen Hilfsorganisationen, Behörden und Verbänden nimmt zunehmend Zeit in Anspruch. Künftig macht das Weiß hauptberuflich. Sein Büro soll er neben Nadine Röckl-Wolfrum, Asylberaterin der Diakonie, haben. Sie berät Asylsuchende direkt in der Gemeinschaftsunterkunft in der Kasernenstraße.

Die beiden Diakonie-Mitarbeiter werden zwei Container im Camp Pitman beziehen. Sie haben damit täglich vor Augen, was künftig für Weiden eine große Herausforderung bedeutet: Die Regierung lässt auf dem Gelände gerade drei Containerhäuser aufstellen. Ende Oktober/Anfang November ziehen 200 Menschen ein (Alleinstehende und Familien) - zusätzlich zu den über 100 Bewohnern der alten Gemeinschaftsunterkunft.

"Wir wollen nicht reagieren. Wir wollen agieren", will sich Manfred Weiß vorbereiten. Er plant ein Patensystem für die drei zweistöckigen Containerhäuser: Pro Etage sind 28 bzw. 30 Personen untergebracht, dazu gibt es pro Etage eine Küche als Kommunikationspunkt. Für jede Etage soll es eine Patengruppe geben. Interessierte können sich jetzt schon melden. Jost Hess vom AK Asyl kennt seit Jahrzehnten die Problematik der Gemeinschaftsunterkunft, die sich jetzt noch verschärft: "Wenn so viele Menschen auf engstem Raum sind und einfach sich selbst überlassen werden, wäre das eine Katastrophe."

Dezernent Hermann Hubmann hob ausdrücklich die gute Zusammenarbeit aller beteiligten Organisationen und Wohlfahrtsverbände vor: "Normalerweise ist bei Problemen der Staat zur Stelle und löst sie. Mit den Asylbewerbern ist der Staat mit seiner Organisation schlichtweg überfordert. Wir sind sehr froh, dass sich die Gesellschaft engagiert." Laut Hubmann werde die Stadt weiter auf offene Karten und eine ehrliche Information der Bürger setzen. "Wir können Probleme nicht verschweigen. Wir müssen sie diskutieren."

Zwölftklässler vor der Tür

Veit Wagner (amnesty international) will nicht über die "große Politik" urteilen: "Jetzt haben wir die Menschen hier - und müssen uns menschlich und pragmatisch um sie kümmern." Pfarrer Hans-Peter Pauckstadt-Künkler setzt in drei Worten auf die Einstellung: "Sachlich. Nicht ängstlich." Das Feedback aus der Bevölkerung sei nach wie vor gut. "Es kommen immer mehr Leute, die anrufen und fragen, was sie tun können", berichtet Veit Wagner. In der Hausaufgabenhilfe des AK Asyl standen diese Woche zwei Zwölftklässler des Kepler-Gymnasiums, die mitmachen wollen. Jost Hess: "Das ist einfach klasse. So viel positive Resonanz wie momentan hatten wir noch nie."

Manfred Weiß können es nicht genug Ehrenamtliche sein, die er in sinnvolle Bahnen lenken will: "Wir werden diese Strukturen über Jahre brauchen."
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