Drei muslimische Frauen erzählen bei Berufe-Frühstück, wie sie sich integriert haben
Sprache ist mein Handwerk

Beim interkulturellen Berufe-Frühstück schilderten drei Frauen ihren eigenen Weg zur Integration in Deutschland: (von links) Esmira Dellinger, Dr. Sema Tasali-Stoll und Hanife Mehmeti. Bild: Bühner
Politik
Weiden in der Oberpfalz
01.10.2016
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Wie gelingt es, Zuwanderer in unsere Gesellschaft zu integrieren? Diese Frage steht derzeit im Mittelpunkt vieler Diskussionen. In der Arbeitsagentur werden Wege aufgezeigt.

(sbü) Die erfolgreiche Integration von Migranten in Beruf und Gesellschaft stand im Mittelpunkt des ersten interkulturellen Berufe-Frühstücks. Dazu waren zahlreiche Frauen und Männer mit Migrationshintergrund in die Arbeitsagentur Weiden gekommen und hörten Integrationsgeschichten aus erster Hand.

Drei Frauen, die vor längerer Zeit als Ausländer in die nördliche Oberpfalz gekommen waren, erzählten aus ihrem Leben. Alle fühlen sich vollständig integriert hier. Und alle sehen die deutsche Sprache als wichtigstes Integrationselement an. "Wir sind in Deutschland, wir wollen hier leben und uns in das System einfügen", sagte Esmira Dellinger von sich. Dellinger stammt aus Bosnien, ist seit 13 Jahren in Deutschland. "Deutsch sprechen ist nicht Unterdrückung", stellte sie fest. Am Anfang sei alles für sie sehr schwer gewesen. Aber man müsse den Willen haben, sein Leben selbst in die Hand zu nehmen. Obwohl sie alleinerziehend war, absolvierte sie eine Ausbildung als Industrieelektrikerin. Aktuell wirke sie als "rechte Hand des Chefs, die einen Bereich mit acht Mitarbeitern leitet". Warum sich Dellinger so um Integration bemühte? "Mein Kind soll mich als Vorbild haben. Ihm wollte ich zeigen, ich schaffe das."

"Erst mal hinten anstellen"


Dass der Anfang in Deutschland schwierig war, schilderte auch Frauenärztin Dr. Sema Tasali-Stoll . Die Grundschule habe sie in Deutschland absolviert, Gymnasium und Studium in der Türkei. Zurück in Deutschland hätte sie sich "erst einmal hinten anstellen müssen gegenüber Deutschen und EU-Bürgern". Keinesfalls dürfe man sich abschotten. Geschafft habe sie es "mit Fleiß und der Bereitschaft, als Gastärztin ohne Lohn zu hospitieren".

"Sprache ist mein Werkzeug", stellte Hanife Mehmeti fest. Sie stammt aus dem Kosovo, ist seit 1995 in Deutschland und half zunächst ehrenamtlich, dann in fester Anstellung im Arbeitskreis Asyl. Heute arbeitet sie als ausgebildete Erzieherin in Windischeschenbach. Später will sie ein Studium absolvieren. Zunächst habe es das "Hindernis Arbeitserlaubnis" gegeben. "Penetrant muss man sein", um als Muslimin bei kirchlichen Trägern zu arbeiten, sagte die 31-Jährige.

"Gehen Sie raus"


Auf die Frage von Moderator Eduard Neuendank vom Jobcenter Weiden-Neustadt nach Tipps für Integrationswillige antwortete Mehmeti: "Bewegen Sie sich nicht nur im eigenen Kreis. Engagieren Sie sich und knüpfen Sie Netzwerke und Kontakte." Dr. Tasali-Stoll verwies auf ihr vielfältiges Engagement im Stadtrat, Ärzteverband, in Vereinen und Initiativen: "Gehen Sie raus, entwickeln Sie soziale Aktivitäten." Dellinger riet: "Werden Sie zum Vorbild für andere."

Dr. Marta Potuznikova stellte das Welcome-Center der Arbeitsagentur vor, Alexandra Wolf von der Berufsfachschule für Altenpflege den Beruf Pflegefachkraft. Arbeitgeber-Teamleiter Klaus Gredinger erläuterte den aktuellen Arbeitsmarkt. Organisiert hat die Veranstaltung, die im Rahmen der "Interkulturellen Woche" stattfand, Margot Salfetter, Beauftragte für Chancengleichheit.
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