Drogendealer verbaute über 4 Kilogramm Rauschgift im Auto - 8 Jahre Haft
Acht Jahre für Drogendealer

Justitia
Politik
Weiden in der Oberpfalz
25.09.2015
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Acht Jahre Haft. So lautete das Urteil gegen einen 38-jährigen Drogendealer. Er war nach Ansicht des Gerichts der Auftraggeber einer 50-jährigen Fränkin, die im August 2014 mit über 4,3 Kilo Marihuana von Zollfahndern auf der A6 gestoppt worden war. Das Rauschgift war professionell in einem VW Fox verbaut.

Die 1. Große Strafkammer unter Vorsitz von Landgerichtspräsident Walter Leupold blieb damit nur ein Jahr unter der Forderung von Staatsanwalt Dr. Andreas Gietl auf neun Jahre. "Das kriegt man für einen Totschlag", protestierte Verteidiger Dr. Tobias Rudolph (Nürnberg). Er wollte am Donnerstag einen Freispruch für den Deutsch-Tunesier ("Import-Export") aus Nürnberg.

Der Angeklagte hatte während der fünf Prozesstage geschwiegen. Auch die 50-Jährige - im Mai zu fünfeinhalb Jahren verurteilt - hatte den Namen ihres Hintermannes nicht nennen wollen ("Ich will noch länger leben"). Die Verurteilung beruhte daher rein auf Indizien.

"Nur" Indizien

"Die Indizienlage ist erdrückend", fasste der Staatsanwalt zusammen. Mehreren Zeugen hatte die Frau erzählt, aus Angst für den Tunesier zu fahren. All diese Zeugen waren sich spinnefeind, aber darin einig. Am Tag der 4-Kilo-Tour rief die 50-Jährige einen Nachbarn an und berichtete von der bevorstehenden Fahrt. Dem Sohn schrieb sie eine SMS aus Tschechien: "Ich komme, wenn verbaut ist." Von diesem Sohn wurde ein Brief an die Mutter gefunden: "Der A. ist eine Missgeburt, ein Bastard. Er hat dich verraten, es sind seine Drugs und er hat dich dazu gezwungen."

Der Angeklagte prahlte gegenüber einem Freund, dass die 50-Jährige ihn nie verraten würde: Er habe ein Verhältnis mit ihr. Auch die Spuren sprechen gegen den 38-Jährigen. In der Wohnung der Frau fanden sich 360 Gramm Marihuana - und auf der Verpackung seine Fingerabdrücke.

Fragwürdige Strategie

Die Strafkammer folgte der Argumentation der Staatsanwaltschaft: "Wenn 100 Finger auf einen deuten und nichts deutet weg, dann macht es keinen Sinn zu sagen: Ich war's nicht", sagte Leupold. Wenn man alle Beweise "wegbeweisanträgen" könnte: "Dann wäre der Rechtsstaat am Ende." Leupold stellte damit die Verteidigungsstrategie des Nürnberger Rechtsanwalts in Frage. Dr. Rudolph hatte über ein Dutzend Beweisanträge gestellt und den Prozess inzwischen auf fünf Tage gestreckt. Auch am Donnerstag wurde es 18.30 Uhr, bis das Urteil fiel.

Der Verteidiger traktierte zudem einen Zollfahnder mit tausend Fragen. Kostprobe: Der Fahnder sollte den Namen des LKA-Beamten nennen, der in München die Handys ausgelesen hat. "Steht doch auf der CD", meinte der Zöllner. Ob er ausschließen könne, dass der angebliche Anruf nicht gelöscht, sondern nie getätigt worden sei. Kommentar Leupold: "Wir können auch nicht ausschließen, dass gleich alle Sterne vom Himmel fallen."

Am Ende ging die Taktik nicht auf, trieb das Strafmaß eher in die Höhe. Kein Geständnis, keine Einsicht, keine Reue. Für Leupold, Richter Markus Fillinger und zwei Schöffen war klar, dass "diese Frau nicht das Kaliber ist, vier Kilo Marihuana zu verticken". Ein Gutachter hatte der drogenabhängigen 50-Jährigen extrem geringe Intelligenz bescheinigt.

Für die Richter war klar, dass der 38-Jährige der Hintermann war. Er habe sich hinter einer Frau verstecken wollen, die er "erst ins Bett geholt und dann in Angst versetzt hat". Aber, schloss Leupold: "Wer meint, er kommt mit dem Schädel durch die Wand, der hat Pech gehabt." Der Anwalt kündigte Revision an.
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