Ehepaar wegen sexueller Nötigung verurteilt
In Dessous in die Falle gelockt

Es sollte ein "lustiger Mädelsabend" werden, den die Gastgeberin (32) ihrer Freundin (28) zur Aussöhnung vorschlug. An einem Dezemberabend 2013 sollte es einen Schokobrunnen und Cocktails geben. Zum Spaß wollten sich die Frauen gegenseitig Dessous vorführen. Was die Jüngere nicht ahnte: Es war eine Falle.

Als sich die 28-Jährige in der Küche eine Corsage anzog, ließ die Ältere heimlich ihren Freund (46) in die Wohnung. Der wünschte sich schon länger einen "flotten Dreier". Das war allerdings der allerletzte Wunsch der 28-Jährigen. Sie forderte ihre Kleidung zurück: "Ich konnte nicht einmal gehen. Im Winter, bloß mit der Corsage." Trotz aller Proteste wurde die junge Frau erst von ihm auf der Couch betatscht und angegangen ("Er hat mich richtig angesprungen"), dann von beiden. Erst als der widerspenstige Gast in Tränen ausbrach, ließ man ab. Am Dienstag verurteilte das Schöffengericht das Paar wegen sexueller Nötigung.

Späte Geständnisse

Für den 46-jährigen Arbeiter gab es 1 Jahr und 6 Monate Haft, zur Bewährung ausgesetzt, plus eine Geldauflage von einem Monatsgehalt in Höhe von 1200 Euro. Für die 32-jährige Hartz-IV-Empfängerin und vierfache Mutter urteilte das Gericht auf zehn Monate, ebenfalls zur Bewährung ausgesetzt. Sie muss zudem 60 gemeinnützige Stunden ableisten.

Was besonders schwer wiegt: Seit der Tat im Dezember 2013 haben beide immer alles abgestritten. Auch am Dienstag log der 46-Jährige zunächst munter weiter: "Jo mei, ich hätte mich schon gefreut über einen flotten Dreier", sagte er zu Richter Gerhard Heindl: "Aber da ist nix passiert." Heindl fand das "hanebüchen" und wies darauf hin, dass die Beweise auch ohne Geständnis ausreichen würden. Und siehe da, nach einem Rechtsgespräch legten beide Angeklagte über ihre Anwälte Tobias Konze und Franz Schlama vollumfängliche Geständnisse ab.

Das war ein später Trost für das Opfer, das in der Folge auch berufliche Nachteile erlitten hat. Alle Drei leben in einem kleinen Ort im Landkreis Neustadt/WN. "Ich bin fast zwei Jahre als Lügnerin hingestellt worden. Sie hat überall herumerzählt, dass ich diesen Dreier wollte", sagte die 28-Jährige. "Jeder hat mich darauf angeredet. Ich konnte das ja nie richtig beweisen." Richter Heindl sah die Geschädigte als "vollkommen rehabilitiert" an: "Sie müssen sich keine Vorwürfe machen, die müssen sich hier andere machen."

Vertrauen missbraucht

Für Staatsanwalt Hans-Jürgen Schnappauf war die Tat - anders als für Verteidigung und Gericht - kein minderschwerer Fall der Nötigung. "Nach einer solchen Tat verliert man das Vertrauen in die Mitmenschen." Die Frauen waren Freundinnen. So eng, dass das Opfer Patentante des jüngsten Kindes der 32-Jährigen war. Und dann stießen ihre Hilferufe auf "völlige taube Ohren".

Das Opfer schilderte für das Gericht noch einmal die Vorgeschichte des Abends. In den Tagen vor der Tat habe sie Whatsapp-Nachrichten des 48-Jährigen erhalten. Der Chatverlauf war wichtiges Beweismittel: "Wenn Du Lust hast können wir flott Dreier machen." Für das Paar wäre es nicht der erste Sex zu dritt gewesen. Es gab eine "gewisse sexuelle Präferenz", so der Staatsanwalt. Die Antwort der Geschädigten war eindeutig: "Nein, da mache ich nicht mit. Wir sind Freunde und mehr nicht."

Auch die 32-Jährige drängte per SMS auf ein Dreier-Treffen, mit dem sie ihre kriselnde Beziehung retten wollte: "Sonst ist es mit ihm aus und vorbei." Die 28-Jährige lehnte alle Avancen ab. Am nächsten Tag habe sich die 32-Jährige für das unmoralische Angebot entschuldigt und den "Mädelsabend" vorgeschlagen. Vor Gericht bat nun nur der Mann um Verzeihung - seine "Ex" nicht.
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