Eine Jahr nach Abzug der Bundeswehr
Krieg am Stadtrand von Kundus

Sicherheitskräfte untersuchen nach einem Selbstmordanschlag in Kundus die Trümmer. Seit Monaten wird die nordafghanische Stadt vom Attentaten erschüttert. Bild: dpa
Kundus (Afghanistan): Kundus |

Vor einem Jahr verließ die Bundeswehr Kundus. Es waren Soldaten der Panzerbrigade 12 "Oberpfalz", die das Feldlager an die Afghanen übergeben haben. Seither gilt: Die Deutschen sind weg, der Frieden auch.

Zuletzt ist in der nordafghanischen Stadt Kundus Anfang dieser Woche ein hochrangiger Mitarbeiter des Finanzministeriums bei einem Anschlag schwer verletzt worden. Die Attentäter hatten unter dessen Fahrzeug eine Bombe platziert, berichtete Polizeisprecher Sarwar Hussaini der afghanischen Nachrichtenagentur "Khaama Press". Es ist nur einer von vielen Zwischenfällen, die die Stadt, die die Bundeswehr vor einem Jahr verlassen hat, erschüttern.

"Zwölfer" übergeben Lager

Am 19. Oktober 2013 waren die letzten Soldaten der Panzerbrigade 12 "Oberpfalz" aus Amberg wohlbehalten im deutschen Feldlager Masar-i-Scharif angekommen. Zuvor hatten die "Zwölfer", die das letzte Kontingent in Kundus stellten, das deutsche Feldlager an die afghanischen Sicherheitskräfte übergeben. Die 441 Soldaten mit ihren 119 Fahrzeugen legten den rund 300 Kilometer langen Weg ohne Zwischenfälle zurück. Das Kapitel Kundus, das für die Deutschen am 25. Oktober 2003 begonnen hatte, als sie das regionale Wiederaufbauteam von den Amerikanern übernommen hatten, ist seither zu Ende. Dagegen begann für die afghanischen Sicherheitskräfte erst der Kampf um Sicherheit und Stabilität.

Anfang August erreichte der Krieg sogar den Stadtrand von Kundus. Zuvor waren die Distrikte Char Dara, Khanabad und Dasht-e Archi nahezu komplett in die Hände der Taliban gefallen. Diese verkündeten damals sogar, sie hätten das Polizeihauptquartier in Char Dara erobert. Auch in den Distrikten Imam Sahib an der Grenze zu Tadschikistan und Aliabad verschlechterte sich die Lage dramatisch. Zuvor waren Kämpfer eingesickert, die offensichtlich einer Offensive der pakistanischen Armee gegen die Taliban ausgewichen sind.

Angriff auf Konvoi

Vor allem um den Distrikt Char Dara, der seit jeher als Hochburg der Taliban gilt, hatten die deutschen Soldaten blutige Kämpfe mit den Aufständischen geführt. Als die Bundeswehr Kundus vor einem Jahr verließ, war auch dieser Bezirk unter der vollständigen Kontrolle der afghanischen Sicherheitskräfte. Anfang September begannen die afghanischen Sicherheitskräfte die Taliban zurückzudrängen. Ruhe ist seither nicht eingekehrt, weder in Kundus noch in den angrenzenden Provinzen.

Am Montag griffen die Taliban einen Armee-Konvoi in der einst friedlichen Provinz Sar-i-Pul an. Während der Provinzgouverneur Abdul Dschabbar von 14 getöteten Soldaten und 23 Aufständischen sprach, reklamieren die Taliban für sich, den Konvoi zerstört zu haben.
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