Erdkabel statt Masten

Erdkabel haben ihren Preis: Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) erwartet, dass diese die Kosten für die beiden Gleichstrom-Trassen um drei bis acht Milliarden Euro in die Höhe treiben. Das müssen private Stromkunden und die Industrie über höhere Netzentgelte bezahlen. Bild: dpa

Der für die Energiewende benötigte Ausbau der Stromnetze hinkt weit hinter den Planungen her. Nun sollen die Bürger mit mehr Erdkabeln statt hoher Strommasten überzeugt werden. Das geht aber ins Geld.

Die Bundesregierung will mit Erdkabeln den stockenden Ausbau der Stromnetze vorantreiben. Damit sollen Bürgerproteste gegen die ursprünglich meist als Freileitungen mit Masten geplanten Stromautobahnen von Nord nach Süd verringert werden. Nach der Kabinettsentscheidung sagte Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) am Mittwoch in Berlin: "Jetzt ist der Weg frei für den dringend notwendigen Ausbau der Stromnetze. Und den brauchen wir, um die Energiewende zum Erfolg zu führen."

Die Bundesregierung geht davon aus, dass die streckenweise Erdverkabelung der beiden Gleichstrom-Trassen "Suedlink" und "Südost" von Nord- nach Süddeutschland die Kosten um drei bis acht Milliarden Euro in die Höhe treibt. Das müssen private Stromkunden und die Industrie über höhere Netzentgelte bezahlen. Das bedeutet vermutlich pro Haushalt drei bis neun Euro mehr im Jahr.

Die Regierung kommt mit der Entscheidung dem bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer (CSU) entgegen. Er hatte gegen die großen Trassen gekämpft, weil der Widerstand in Bayern gegen vermeintliche "Monstertrassen" mit bis zu 75 Meter hohen Masten sehr groß ist. So begrüßte Seehofer dann auch den Beschluss des Bundeskabinetts zur weitgehenden Erdverkabelung.

Kritik wegen der milliardenschweren Zusatzkosten wies Seehofer zurück: Diese verteilten sich auf 30 Jahre. Und die maximale Belastung liege bei 0,1 Cent pro Kilowattstunde. "Das sollten uns die Menschen und die Natur Wert sein." Die bayerische Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) geht davon aus, dass Netzbetreiber und Netzagentur die Planungen zügig vorantreiben.

"Von Seehofer getrieben"

Kritik kam von den Grünen. "Vom CSU-Populisten und Energiewende-Irrlicht Seehofer getrieben, schafft es Gabriel nicht, angepasste Lösungen für Konflikte beim Netzausbau zu finden", sagte Grünen-Fraktionsvize Oliver Krischer. Der Weidener CSU-Bundestagsabgeordnete Albert Rupprecht begrüßte den Kabinettsentschluss zur Erdverkabelung als Erfolg. Jedoch übte er Kritik am neuen Endpunkt der "Südost-Trasse" Landshut. So sprächen energietechnische Aspekte für den Endpunkt Grundremmingen in Schwaben.

Wo genau "Südlink" und "Südost", die Wind- und Sonnenstrom von den Küsten in die süddeutschen Industriezentren bringen sollen, durch Deutschland verlaufen werden, steht noch nicht fest. Bei herkömmlichen 380-KV-Höchstspannungsleitungen (Drehstrom) wird es Erdkabel weiterhin nur bei Pilotprojekten geben. Von den 2009 vereinbarten 24 vordringlichen Leitungsprojekten sind mit 487 Kilometern erst rund ein Viertel der erforderlichen Strecken gebaut worden.
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