Erster öffentlicher Auftritt von MdB Albert Rupprecht nach langer Krankheit
Nachdenkliche Rückkehr in die Heimat

"Wenn die Menschen sehen, dass wir ihre Sorgen nicht ernst nehmen, holt uns der Teufel", sagt drastisch MdB Albert Rupprecht bei der Veranstaltung "Auf ein Wort". Bild: cf
Politik
Weiden in der Oberpfalz
23.03.2016
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Schmäler wirkt Albert Rupprecht nach achtwöchigem Klinikaufenthalt. Zur Stärkung der Tatkraft schenkt ihm seine Büro-Mitarbeiterin Andrea Lang ein Körbchen mit Powerriegeln, damit "Albert die Berge von regionalen Herausforderungen meistern kann". Herzlicher Beifall bei der Heimkehr zu seinen (Partei-)Freunden am Montagabend im "Almrausch": Links vom Rednerpult hängt - wie ein Symbol - ein schmuckes Steuerrad. Es lenkt das Schiff. Albert Rupprecht möchte weiter den Kurs seiner Partei in der Nordoberpfalz mitbestimmen. "Noch im Juli" will sich der 47-Jährige erneut als Direktkandidat für die Bundestagswahl 2017 nominieren lassen.

Er fand durch seine Erkrankung "viel Zeit zum Nachdenken" - und zu Gesprächen mit anderen Patienten, etwa über "Arbeitsverhältnisse, welche die Menschen krank machen". Jedenfalls zeigt sich Rupprecht "sensibilisiert". Er ist beeindruckt vom "sehr hohen Niveau" des Gesundheitssystems und freut sich über die zahlreichen Genesungswünsche aus der Heimat: "Ich habe mich getragen gefühlt." Nach jahrelanger "chronischer Überbelastung" nimmt sich der Familienvater vor, einige Sachen im Leben zu ändern und bei der Gesundheit achtsamer zu sein.

Politisch wagt Albert Rupprecht den Spagat: zwischen offener Kritik an der Flüchtlingspolitik von Bundeskanzlerin Angela Merkel und einem vorsichtigen Werben für eine europäische Sonderrolle der Türkei. Zu den Flüchtlingen: Man müsse Belastungsgrenzen akzeptieren und die Sorgen jener Menschen ernst nehmen, "die das Gefühl haben, dies ist nicht mehr unser Land". Gegen einen begrenzten Zuzug brauche es eine nationale und eine europäische Lösung. "Ohne temporäre Schließung der nationalen Grenzen wäre es nicht zu diesem Verhandlungsergebnis mit der Türkei und Griechenland gekommen", sagt Rupprecht, der jedoch Zweifel an der Umsetzung hegt.

"Natürlich darf die Türkei nicht Mitglied der EU werden, aber wir sollten sie nicht vor den Kopf stoßen", warnt Rupprecht. Bei einer Destabilisierung der Türkei "haben wir noch ganz andere Probleme an der Backe". Der CSU-Bundestagsabgeordnete plädiert deshalb für einen "Sonderstatus, um die Türkei an den Westen zu binden". Die Zeiten seien vorbei, die Anrainer-Staaten der EU nicht zur Kenntnis zu nehmen.

Die Sichtweise von Albert Rupprecht liegt auf einer "gemeinsamen Welt". "Deutschland braucht die europäische Einbindung", mahnt er, die EU nicht auf Cent und Euro runter zu rechnen. Klar, die EU dürfe nicht zur Transfer-Union werden. "Aber ohne die EU würde Deutschland sang- und klanglos in der Bedeutungslosigkeit versinken." Dieses Bekenntnis zur EU scheint sich vor allem an die Adresse der eigenen Parteifreunde zu richten.

Rupprecht erhält starken Beifall, als ihm CSU-Ortsvorsitzender Hans Forster eine Flasche griechischen Weins überreicht: Der MdB hatte mehrmals gegen die Griechenland-Rettungspakete votiert. (Blickpunkt und Seite 5)
Ohne die EU würde Deutschland sang- und klanglos in der Bedeutungslosigkeit versinken.MdB Albert Rupprecht (CSU)
Irgendwann sagte mein Körper, jetzt geht's nimmer.MdB Albert Rupprecht (CSU)
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