Feier zum 20-jährigen Bestehen des Frauenhauses in der Michaelskirche mit Emilia Müller
Auf dem Weg, aber noch nicht am Ziel

In den zwei Jahrzehnten seit der Eröffnung waren die Ehrenamtlichen beim Frauenhaus unverzichtbare Stütze. Beim Festgottesdienst zum Jubiläum ehrte sie Staatsministerin Emilia Müller (rechts). Bilder: Otto (2)
 

Manches hat sich gebessert in den 20 Jahren, in denen es das Frauenhaus gibt. Viel Einsatz werden die Haupt- und Ehrenamtlichen aber auch künftig zeigen müssen. Beim Gottesdienst zum Jubiläum bekommen sie dafür viel Anerkennung mit auf den Weg.

(otj) Seit 1996 hat das Frauenhaus der Diakonie 2400 Frauen und Kinder aufgenommen und noch einmal 1500 Frauen beraten. Welch guten Ruf die Einrichtung genießt, bewiesen in der Michaelskirche viele Gäste des Festgottesdienstes zum 20-jährigen Jubiläum. Darunter: Sozialministerin Emilia Müller. "Jede vierte Frau wird in ihrem Leben Opfer häuslicher Gewalt. Die Folgen sind gravierend", zitierte sie die Statistik. Schlimm sei nicht nur körperliche Gewalt, sondern auch psychische Erniedrigung.

Viel zu lange sei dieses Problem verharmlost worden. Heute, immerhin, sei das anders. "Frauenhäuser bieten den Frauen einen vorübergehenden Schutz." Die Einrichtungen seien aber nicht nur Zufluchtstätten für eine kurze Zeit. Hier könnten neue Perspektiven angestoßen werden, Traumata angegangen werden. "Deswegen unterstützen wir die Einrichtungen auch finanziell."

Wichtig sei das gerade auch für Kinder, die oft genauso an der emotionalen Grausamkeit litten, so Müller. Hier müsse viel gemacht werden. Häusliche Gewalt dürfe sich nicht über die Generationen hinweg fortsetzen. Deswegen arbeite man an einem bayerischen Gesamtkonzept gegen häusliche Gewalt.

Gebhardt eingeführt


"In meines Vaters Haus sind viele Wohnungen": Mit diesem Zitat begann Dekan Dr. Wenrich Slenczka seine Ansprache. Gott kümmere sich um jede einzelne Frau. Slenczka verwies auf Bibelstellen, in denen Engel Frauen in der Not geholfen hätten. "Die Mitarbeiterinnen des Frauenhauses sind wie Engel auf Erden. Wir können dankbar dafür sein."

Eingebettet in den Gottesdienst war auch die offizielle Einführung der neuen Leiterin: Psychologin Ilkay Gebhardt kann dabei nur auf ein Minimum an Hauptamtlichen zugreifen. Umso wichtiger sind für die Einrichtung die Ehrenamtlichen, die seit Beginn eine unverzichtbare Rolle spielen und dabei viel Zeit und vor allem Gefühl einbringen.

Stellvertretend für diese Freiwilligen sprachen Mitarbeiterinnen der ersten Stunde: Waltraud Koller-Girke und Astrid Baierl erinnerten sich an die Jahre, die mitunter auch belastend gewesen seien. "Die Leiterinnen haben uns aber immer wieder Kraft gegeben. Es ist ein gutes Gefühl helfen zu können", so Koller-Girke.

"Machen Sie mit"


Im Vergleich zu den Anfangstagen habe das Frauenhaus stark an Akzeptanz gewonnen, resümierte Baierl. "Wir erleben viel unbürokratische Hilfsbereitschaft und ein gutes Netzwerk mit vielen Partnern." Für die Zukunft appellierte sie an Frauen, die sich engagieren möchten: "Machen Sie mit!"

Auch Bezirkstagsvize und Bürgermeister Lothar Höher würdigte die Rolle des Frauenhauses, nicht nur für Weiden, sondern ebenso für die Region. Auch wenn sich vieles gebessert habe - noch immer litten zu viele Frauen Gewalt. Man sei auf dem Weg, aber noch nicht am Ziel. "Wir werden das Frauenhaus leider auch in Zukunft brauchen." Gemeinsam mit Müller ehrte er die freiwilligen Helferinnen. Begleitet wurde der Gottesdienst von der Gospel-Gruppe "Hope and Joy".
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