Ferienausschuss segnet höhere Miete für die Tafel ab
Stadträte als Umzugshelfer

"Unsere Räume sind proppenvoll. Im Winter lagern wir Lebensmittel in der Garage." Zitat: Tafel-Vorsitzender Josef Gebhardt
Politik
Weiden in der Oberpfalz
24.08.2016
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Weiden braucht die Tafel. Da sind sich die Stadträte einig. Die Einrichtung ist ihnen auch einen weit höheren Mietpreis wert: bis zu 3500 Euro monatlich statt bisher 918. Dennoch bleibt unklar, wohin die Tafel umzieht.

Zwar nennt Oberbürgermeister Kurt Seggewiß in der Sitzung des Ferienausschusses ein geeignetes Objekt im Bereich Frauenrichter Straße. Allerdings hat Tafel-Vorsitzender Josef Gebhardt noch ein anderes im Auge. Mit dem einstimmigen Beschluss des Gremiums für die erstgenannten Räume sei der finanzielle Rahmen abgesteckt, freut er sich: "Jetzt kann ich verhandeln" - und zwar zu den genehmigten Konditionen durchaus auch noch mit anderen Anbietern.

Alle Zeit der Welt hat Gebhardt dabei nicht. Der Mietvertrag für die bisherige Ausgabestelle für die gespendeten Lebensmittel im Stockerhutweg endet am 1. Mai 2017. Die Räume im Bereich Frauenrichter Straße müssten schon zum 1. Oktober angemietet werden, um Umbauten vornehmen zu können. Deren Kosten veranschlagt Gebhardt mit 80 000 Euro. Schon der verdreifachte Mietpreis sorgt am Mittwoch für Murren im Rathaussaal. CSU-Fraktionschef Wolfgang Pausch merkt an, dass in Zeiten der Sparzwänge nun doch wieder freiwillige Leistungen steigen. Und Rainer Sindersberger (Bürgerliste) will den Mehrkosten - 10 500 Euro noch heuer, dann 32 000 Euro pro Jahr - nur übergangsweise zustimmen. Langfristig sei zu überlegen, ob sich nicht ein Neubau rentiere. Denn an der Notwendigkeit der Tafel will niemand rütteln. Pausch: "Weiden ohne die Einrichtung ist nicht mehr vorstellbar."

Mit Landrat verhandeln


Laut OB handelte Gebhardt den Vermieter schon von 5000 auf 3500 Euro herunter. Dafür müsse der Mietvertrag über zehn Jahre laufen. Seggewiß kündigt ein Gespräch mit Landrat Andreas Meier an, damit sich der Landkreis stärker an den Kosten beteiligt. Immerhin stamme ein Drittel der Lebensmittelbezieher aus dem Umland - einen ebenso hohen Anteil der Ausgaben soll künftig der Landkreis decken.

Seit eineinhalb Jahren suche er nach einem neuen Domizil, erzählt der Tafel-Vorsitzende. Die Verhältnisse im Laden in der Stockerhut seien nicht mehr vertretbar. "Wir haben 480 Quadratmeter. Um die gesetzlichen Vorgaben zu erfüllen, brauchen wir aber 700." Bei 2000 Beziehern sei die Grenze erreicht gewesen. Mittlerweile holen sich jedoch bis zu 3600 Bürger ihre Lebensmittel bei der Weidener Tafel ab. Berechtigt dazu wären in Stadt und Land eigentlich sogar drei mal so viele.

Weshalb Roland Richter schwant, dass auch die neuen Räume irgendwann nicht mehr ausreichen könnten. "Mittelfristig" sei daher tatsächlich ein Neubau zu erwägen. Der SPD-Fraktionsvorsitzende erkennt eine "dramatische Entwicklung": Im Startjahr 2009 zählte die Tafel gerade mal 900 Kunden. Platzprobleme gibt es an allen Ecken und Enden. "Ehrenamtliche gehen wieder nach Hause, nur weil sie keinen Platz zum arbeiten haben", berichtet Gebhardt. "Wir brauchen zwei Kühlzellen mehr. Wir lagern Fleisch, Wurst, Milchprodukte, Obst, Gemüse und Brot zusammen. Das ist nicht erlaubt."

Richters Appell an die Kollegen verhallt nicht folgenlos. "Es geht um die Schwächsten der Gesellschaft", wirbt der Genosse für mehr Mittel. "Wir dürfen sie nicht im Regen stehen lassen."

Unsere Räume sind proppenvoll. Im Winter lagern wir Lebensmittel in der Garage.Tafel-Vorsitzender Josef Gebhardt
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