Flüchtlinge
Diskussion über Asyl und Migration

SPD-Europaabgeordnete Ismail Ertug (stehend) referierte zur Flüchtlingssituation in der Europäischen Union. Eingeladen hatte ihn der türkische Sportverein Anadoluspor unter Leitung von Hayrettin Akkaya (links daneben). Bild: Dobmeier
Politik
Weiden in der Oberpfalz
22.12.2015
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Täglich kursieren neue Zahlen über die Flüchtlingszuwanderung in Europa. Anlässlich des Bundesprogrammes "Demokratie Leben" hatte der türkische Sportverein Anadoluspor unter Vorsitz von Hayrettin Akkaya den Europaabgeordneten Ismail Ertug zum Gespräch eingeladen.

Türkische, aber auch deutsche Mitbürger sowie der Vorsitzende der Mevlana-Moschee Ergün Nezir, Fußballer und Freunde des Sportvereins kamen ins Café Mitte, um sich über die Thematik zu informieren. Geschäftsführer Herbert Schmid von "Arbeit und Leben Bayern" war als Koordinator dabei.

"Es ist eine Schande, dass die EU es nicht schafft, die Flüchtlinge auf alle Staaten zu verteilen", beklagte Ertug. Die EU habe parlamentarisch nicht das Recht, die Staaten, die Asylsuchende ablehnen, zu zwingen, diese aufzunehmen. Die Herangehensweise von Bundeskanzlerin Angela Merkel entspreche dem Grundsatz der Sozialdemokratie und dem Recht auf Asyl. Die Türkei sehe die Flüchtlings-Problematik als Chance, ihren EU-Beitritt voranzubringen. Ertug, der in Amberg aufgewachsen ist, bezeichnete sich selbst als Gastarbeiterkind mit türkischen Eltern. Eine Bulgarin erläuterte, warum Asylsuchende vor allem von osteuropäischen Ländern oft abgelehnt würden. "Das liegt vor allem an der Arbeitslosigkeit im eigenen Land. Ein Rentner erhält 100 bis 400 Euro Bezüge, und ein Flüchtling kostet dem Staat 180 Euro pro Monat." Die Regierung beuge sich der Angst der Bevölkerung vor der Gefahr eines drohenden Bürgerkrieges, begründete die Frau die Ablehnung. Ein Iraker, der in der Sammelunterkunft untergebracht ist und derzeit mit dem Asylduldungsstatus lebt, bedankte sich bei den Deutschen für das Vertrauen in die Flüchtlinge.

Grenzfall Afghanistan


Er sah seine berufliche und familiäre Zukunft mit Familie in der Bundesrepublik. "Ich habe Angst, dass ich wieder nach Afghanistan zurück muss", erläuterte ein junger Mann. Ismail Ertug erläuterte, dass die Entscheidung im Bundestag noch ausstehe, ob Afghanistan als sicherer dritter Herkunftsstaat eingestuft wird.

Er könne es nachvollziehen, wie schwer es für Betroffene sei, wenn die Asylbehörden mit der Bearbeitung der Anträge nicht nachkommen und sie nicht arbeiten dürfen.
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